A-Z

Straßennamen - eine spannende Sache

Woher stammen eigentlich die Straßennamen dieser Gegend?

Nun, oft jedenfalls werden die Straßen nach Personen benannt, die sich um die Gegend verdient gemacht haben. Das können Bürgermeister sein, in Hamburg findet man deshalb die Mönckebergstraße, die Sievekingsallee usw. Es können aber auch Staatsmänner Namensgeber geworden sein, wie Willy Brandt etwa, Gustav Radbruch in Lübeck oder ein anderer Ehrenbürger. Von den meisten Personen wollen wir hier im Travestreifzug gerne berichten, bei Interesse  also Suchmaschinen bemühen: "Name travestreifzug".

Es kann aber noch andere Erklärungen für die Namen geben, historische Flurbezeichnungen etwa oder Märchen- oder Märchenfigurennamen. In Hamburg-Schiffbek und in Moisling gibt es Gebäude und Straßen, die mit Märchen zu tun haben, Brüder-Grimm-Ring oder Rotkäppchenweg, Hans-Christian-Andersen-Schule usw. Namensgeber können auch berühmte Frauen wie Fanny Hensel oder Elly Heuss-Knapp, Personen der Kulturgeschichte oder Architekten sein.
Schwieriger wird es schon bei historischen Namen. Da gibt es dann schon einmal Forscher wie Horst Krüger beispielsweise. 
Die Mengstrasse in der Altstadt von Lübeck: Kommt die Bezeichnung aus dem Jahr 1259 Mengestrate von einer Benennung für einen Bürgermeister?
Die Straße nannte man 1267 Platea Mengonis, 1327 Platea Mixta, 1666 Mängestraße, 1700 Menggrube, seit 1821 Mengstraße.
Horst Krüger erscheint es am glaubhaftesten, dass ein Namensgeber Mengo oder Menge(s) verantwortlich ist. Da die Straße zumindest teilweise zum ältesten Stadtkern gerechnet werden kann, weist der mögliche Ursprung ihres Namens in mnd. Menger, manger (=Händler) auf schon früheste wirtschaftliche Betätigung in diesem Bereich hin. Eine schon früher angestellte Vermutung, die Benennung rühre von einer gemischten Einwohnerschaft her (zu mnd. Mengen = mischen), findet ihre Grundlage jedoch in nur zwei lateinischen Quellenbelegen (1329/51 mixta platea).

Die Breite Straße in Lübeck:
Platea lata, breite Straße, nannten die Chronisten des 13. Jahrhunderts die alte Hauptstraße von Lübeck und Verkehrsader der Hansestadt, die von Norden nach Süden verläuft. Später taucht sie als Breydenstrate (1379) und Bredestrate (1411) in den Stadtbüchern und Urkunden auf. Die Breite Straße war schon immer eine erste Adresse, wenn auch nicht als Geschäfts-, sondern als Wohnstraße. An ihrem südlichen Punkt errichteten die Lübecker ihr Rathaus, und deshalb ließen sich hier viele Ratsherren ihre prächtigen Privathäuser bauen. Man wohnte in der Breiten Straße.
In der Liste der Hausbesitzer stehen die Namen von Bürgermeistern und angesehenen Bürgern. Das Haus Nummer 43 bewohnte um 1350 der Bürgermeister Tidemann von Güstrow, nach ihm hielt Bürgermeister Simon Swerting hier Einzug, der Befehlshaber der Flotte im Krieg gegen den Dänenkönig Waldemar. Nummer 37 gehörte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts Bürgermeister Hinrich Rapesulver († 1440 in Lübeck). Nummer 55 wurde im 14. Jahrhundert von der Familie Mokerke bewohnt, Nummer 46 zählte zu den elegantesten Patrizierhäusern der Breiten Straße und war über Jahrhunderte hinweg im Besitz der ersten Männer der Stadt. Bürgermeister Segebodo Crispin († 1388) erholte sich hier von seinen Amtsgeschäften, ebenso Bürgermeister Tidemann Berck, dessen Erben das Grundstück 1541 an die Brüder Brömse verkauften.

Auch die mächtigen Berufsvereinigungen ließen sich in der Breiten Straße nieder, so die Schiffergesellschaft in der Nummer 2, einem 1535 erbauten Giebelhaus. Das übernächste Gebäude auf derselben Straßenseite war seit 1495 Haus der Kaufleutekompagnie und ist seit 1853 Sitz der Handelskammer. Nummer 7 gleich gegenüber diente den Tischlern als Amtshaus. Das Nachbargebäude Nummer 11 war Amtshaus der Weißbrauer.
Wer in Geschäften von auswärts nach Lübeck kam, konnte in der Breiten Straße logieren. Die Gasthöfe Zum goldenen Engel und Zum König von England gleich gegenüber vom Rathaus waren sicher nicht die schlechtesten Quartiere. Im König von England übernachtete 1769 König Christian VII. von Dänemark, und im Engel schlug General von Blücher 1806 sein Hauptquartier auf, bevor ihn Napoleons Truppen aus Lübeck verjagten. Lange Jahre befanden sich in dem Doppelgebäude die Geschäftsräume der Firma Beutin.
In einem Haus in der Breiten Straße ist Thomas Mann 1875 geboren, in der Nummer 38. Das war zu der Zeit, als sich die Straße mehr und mehr zur Geschäftsstraße wandelte. Die ersten, die in den Erdgeschossen der Häuser Läden einrichteten, wurden noch mit einem Kopfschütteln bedacht, doch die Breite Straße erwies sich auch hier als allerbeste Lage. Die Geschäfte gingen so gut, dass immer mehr Kaufleute diesem Beispiel folgten. Abrisse und Neubauten veränderten den Charakter der Straße nachhaltig, und in den Lübeckschen Blättern klagten die Bürger darüber, dass sie abgesehen von Kirchen und öffentlichen Gebäuden nichts Altes mehr an sich habe. Das, was noch vom historischen Straßenbild erhalten geblieben war, wurde zum großen Teil beim Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg, Palmsonntag 1942 zerstört. 

Bei einer Neubenennung von Straßen sollte man aber nicht in politische Gefälligkeitsfallen treten. Es ging ja relativ schnell Straßenbezeichnungen von Größen im Nationalsozialismus, wohl jeder Ort hatte eine Adolf-Hitler-Straße oder einen Hermann-Göring-Platz etwa, neu festzulegen. Aber bis in dieses Jahrhundert hinein hat man noch Schwierigkeiten mit den Namensgebern Gustav Frenssen oder Hindenburg. Wie lange hat es noch in Bad Oldesloe dazu an Zeit erfordert, die Hindenburgstraße umzubenennen? 

Pest in Lübeck

 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.