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Von Jagden, Herzögen und vom Schloss Reinfeld

Zwischen 1599 und 1604 wurde aus dem Material der abgebrochenen Gebäude des Klosters Reinfeld eine Wasserburg errichtet. Das Schloss stand auf dem Platz der heutigen "Alten Schule".

Die Steine des abgerissenen Klosters kamen dafür gerade recht. Nur die Klosterkirche ließ man stehen, sie wurde allerdings 1635 bei einem Dammbruch zerstört. Der Bauherr war Herzog Johann der Jüngere, (* 25. März 1545 in Hadersleben; † 9. Oktober 1622 in Glücksburg) Bruder des dänischen Königs Friedrich II.  Mit ihm begann die Oldenburgische Nebenlinie Schleswig-Holstein-Sonderburg. Herzog Johann, er selbst nannte sich Hans war auch schon der Gründer von Schloss Glücksburg in Glücksburg an der Flensburger Förde. Johann sicherte sich zunächst seine Pfründe. Die Bauern hier wurden durch eine kleine Abfindung ihres Besitzes beraubt, Johann machte sie zu Erbpächtern und Leibeigenen. Bodo Zunk berichtet in seinem Werk Reinfeld - Im Wandel der Zeit davon, dass noch 1761 27 Bauern und 17 Insten (Tagelöhner) aus Zarpen, Rehhorst, Havighorst und Steinfeld auf dem Vorwerk (Gut) Steinhof wöchentlich an drei Tagen Hand- und Spanndienste leisten mussten. Nicht anders erging es 27 Bauern und 14 Insten aus Stubbendorf, Lokfeld, Groß Wesenberg und Ratzbek, die gleichermaßen auf dem Vorwerk Neuhof kostenlos dienen mussten. 


Modell im Heimatmuseum ReinfeldModell im Heimatmuseum Reinfeld

Johann fehlte damit die verfassungsrechtliche Legitimierung seiner Herrschaftsrechte, er war ein abgeteilter Herr. Die Herrschaft wurde durch seine Brüder ausgeübt. Herzog Johann verfügte aber über viel Geld und baute noch zwei Schlösser, nämlich noch Schloss Ahrensbök und Schloss Nordborg auf der dänischen Insel Alsen. 
Dann wurde ein Teil des Klostergeländes mit einem hohen Zaun versehen und ein "Thiergarten" angelegt. 4 bis 500 Stück Damwild erhielten ein Zuhause und Johann konnte hier seiner Jagdleidenschaft nachgehen. Der "Thiergarten" reichte von Voßkaten bis Heidekamp und von Lokfeld bis Steinfelderhude.
Von solchen Jagden ist auch einiges überliefert. Während einer Treibjagd nämlich nahm der bedeutendste Jagdgast im Zentrum des Sterns Aufstellung und konnte so rundum in alle Schneisen schießen. Die anderen Jagdgäste platzierten sich an den Enden der Schneise und konnten deshalb das Wild nur in jeweils einer Richtung erlegen. Nicht selten kam es dabei zu Jagdunfällen, wenn die Treiber das Wild im Kreis herum trieben. Damit die Tiere nicht in die freie Feldflur entweichen konnten, wurden am Rande des Waldes bemalte Jagdlappen gespannt. Gelang doch einmal einem Tier die Flucht, so war es durch die Lappen gegangen. Von dieser Jagdtradition leitet sich die heutige Redewendung ab. 
Es gab Gärten zur Versorgung der Küche, an die heute noch die Straßennamen "Alter Garten" und "Neuer Garten" erinnern.
1603 erhielt der Schlossturm ein Kupferdach von der Südseite der Klosterkirche gedeckt, die dafür Schindeln erhielt. 
Da Johann seine Silber-Doppelschillinge in Sonderburg, also im Landesteil Schleswig, prägen ließ, kam es 1604 zum Konflikt mit seinem Neffen, König Christian IV., und den Hansestädten Hamburg und Lübeck. Das Ergebnis war ein Verbot des Herzog-Hans-Schillings in ihren Gebieten. 14 Jahre später richtete der Herzog im Schloss Reinfeld eine neue Prägestätte ein. Hier hatte der dänische König kein Zugriffsrecht und die Münzprägung wurde bis zum Tode Johanns im Jahr 1622 fortgesetzt. Hier wurden bis 1626 Goldgulden, ganze, halbe und viertel Taler sowie vier Schillinge, Doppelschillinge und Sechslinge geprägt. Die Münze bestand aber nur bis 1626  - die Münzen waren wegen ihres geringen Silbergehaltes nicht beliebt. 

Modell Schloss ReinfeldModell Schloss Reinfeld

Schüler der Bad Oldesloer Gewerbeschule haben dieses Modell in den 50er-Jahren bei Lehrer Uwe Timmermann im Maßstab 1:50 gebaut. Es misst in Höhe und Breite jeweils fast einen Meter und kann im Reinfelder Heimatmuseum bestaunt werden.
Wer sich noch längere Zeit im Schloss aufgehalten hat ist nicht genau verbürgt. 1641 bis 1654 wurde eine kleine Ritterakademie im Schloss betrieben, eingerichtet von Herzog Joachim Ernst  (* 29. August 1595 in Sønderborg; † 5. Oktober 1671 in Plön). Das war ein Sohn von Johann aus zweiter Ehe. Nach einer Teilung der Sonderburger Linie führte er als Erster Herzog die Plön'sche Linie. Joachim Ernst erbte Plön, Reinfeld und Ahrensbök und begründete die so genannte "Plönsche Linie" der Herzöge. Zusätzlich schuf er das kleine Herzogtum Rethwisch, das sein dritter Sohn erbte, ebenfalls Joachim Ernst mit Namen. Sein erstgeborener Sohn und Haupterbe Johann Adolf war vor allem "der Kriegskunst zugeneigt und tummelte sich auf den Schlachtfeldern Europas", schreibt Bodo Zunk in seiner Stadtchronik.
1710 bis 1762 soll sich Dorothea Sophia (* 4. Dezember 1692 in Plön; † 29. April 1765 in Fürstenberg), die Tochter von Johann (auch Hans) Adolf von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön (* 8. April 1634 in Ahrensbök; † 2. Juli 1704 in Ruhleben)  im Schloss aufgehalten haben. Nach Johann Adolf starb die männliche Linie der Plöner Herzöge aus, das Erbe ging an ihre Verwandten aus dem Hause Norburg. 1729 übernahm der schon genannte Herzog Friedrich Carl die Plönschen Lande unter Verzicht auf Norburg. 1761 fand mit seinem Tod die ganze Plöner Herzogslinie ihr Ende.
Dorothea Christina von Aichelberg, auch: Dorothee Christine, Christiane, von Eichelberg, von Aichelburg (* 23. Januar 1674 in Plön; † 22. Juni 1762 in Reinfeld (Holstein)) war als Frau von Karlstein die Ehefrau von Christian Karl von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön-Norburg und stand als dessen Witwe und Mutter von Herzog Friedrich Karl von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön über Jahre im Zentrum eines Sukzessionsstreits. Sie erhielt den Ehrentitel "Herzogin von Reinfeld". Das 1739 von ihr gestiftete Altarkruzifix in der Matthias-Claudius-Kirche erinnert noch heute an sie.
Der letzte Herzog war aber Karl Friedrich, damals immer Carl Friedrich geschrieben, (* 19. April schwed. / 29. April 1700 greg. in Stockholm; † 18. Juni 1739 auf dem Gut Rohlfshagen bei Oldesloe). Seine Mutter war Hedwig Sophia (* 26. Juni 1681 in Stockholm; † 22. Dezember 1708 ebenda) die schwedische Prinzessin und durch ihre Heirat mit Friedrich IV. Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf. Der Ehe von Carl Friedrich mit der Zarentochter Anna Petrowna entstammte übrigens Karl Peter Ulrich. Er begründete als Peter III. Zar von Russland die Linie Romanow-Holstein-Gottorf, aus der bis zur Oktoberrevolution von 1917 die Zaren hervorgingen.
Um 1762 diente das Schloss auch zeitweise als Nachtquartier den Abendgästen des dänischen Schatzmeisters Graf Schimmelmann.
Das Schloss wurde baufällig und am 12. Juni 1773 wegen zu hoher Unterhaltungskosten an den Meistbietenden, Tischlermeister Johann Rothe aus Ahrensburg, für 5000 und einen Taler zum Abbruch verkauft, 1775 dann abgebrochen. Der Kirche auf dem großen Eichberg wurden 200 Dachzungen geschenkt. Das übrige Abbruchmaterial wurde über die Schloßbrücke zum Platz der Vorburg gebracht. 
Das Schloss war abgerissen worden, nachdem die Plönsche Linie der holsteinischen Herzöge 1761 mit Friedrich Carl ausgestorben war und das Herzogtum an die dänische Krone zurück fiel. Offensichtlich sollten die baulichen Spuren der ehemaligen kleinen Herzogtümer beseitigt werden, vor allem aber möglichen späteren Teilungsgelüsten ein für alle Mal der Boden entzogen werden. Die Steine aus dem abgerissenen Schloss wurden unter anderem für den Neubau des Amtshauses verwendet, in der heutigen Matthias-Claudius-Straße, später kam das Forstamt hier hinein. Das Amtshaus ist inzwischen in Privatbesitz.
Die behauenen Granitquader vom Schloßsockel erwarb größtenteils die Stadt Lübeck zum Bau der Puppenbrücke.

Schloss Trittau

 

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