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Finderlohn für den Lübecker Münzschatz?

Seit 1158/59 gibt es in Lübeck eine Münzstätte, 1226 erteilt Friedrich II. der Stadt als erster Kommune im deutschen Reich uneingeschränktes Münzrecht. Durch vor allem dänische Handelsverbindungen kursieren auch auswärtige Münzen in der Stadt. Dänische Silberpfennige stammen aus der Zeit Waldemar I. (1157-1182), Knut VI. (1182-1202) und der Frühphase Waldemar II. (1202-1226). Zwei in der Lübecker Innenstadt entdeckte Pfennige aus der Knut- und Waldemarzeit gehören zu den ältesten in der Innenstadt geborgenen Münzen.
Mit 23.623 Münzen (23228 Silber- und 295 Goldmünzen) ist aber der Lübecker Münzschatz der größte bislang in Deutschland gefundene Münzschatz.

Wolfgang Sauber, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Der Schatz wurde den letzten Erkenntnissen nach von einem Kaufmann zwischen 1533 und 1535/37 unter der Treppe, unter Dielenbrettern des Hauses Ecke An der Obertrave/Depenau, also An der Obertrave 16 vergraben. Warum er seine Wechselkasse nicht wieder ausgraben konnte, ist bis heute unklar. Über die Hälfte der Münzen wurde im norddeutschen Raum geprägt. Andere stammen u. a. aus Granada (Spanien), Hermannstadt (Rumänien), Turku (Finnland) und Neapel (Italien).

(Bei der Abbildung handelt es sich jedoch um Römische Münzen - Denare, Dupondien, Sesterze und Asse. Die sind zu bewundern im Limes-Museum)


1984 wurden die Münzen beim Abriss des Hauses zugunsten eines Neubaus der Musikhochschule von einem Baggerfahrer gefunden. Der Schatz war gewissermaßen die Wechselkasse des Kaufmannes, möglicherweise auch eines Krämers. Seine Identität ist unbekannt, seine Wechselkasse signalisiert jedoch, dass er mit Gütern aus dem Ostseeraum und aus Skandinavien in Mittel- und Westeuropa handelte, und dass er einer der reichsten Männer in Lübeck war.
Wie stand es aber mit dem Finderlohn für den Baggerfahrer?
Ist nichts anderes bestimmt galt damals § 984 des Bürgerlichen Gesetzbuches.
Dieser besagt: "Wird eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist (Schatz), entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen, so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem Eigentümer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war."
Das könnte aber in der Praxis tückisch werden.
Der Schätzwert des Lübecker Münzschatzes lag 1984 bei 760.000 DM. Als ehrlicher Mensch informierte der Baggerfahrer seine Firma und freute sich auf die Hälfte des Schatzes, die ihm normalerweise zustand. Diese Rechnung hatte er allerdings ohne gewiefte Paragrafenhengste gemacht. Nicht nur das Land Schleswig-Holstein als Eigentümer des Grundstückes, sondern auch das Abbruchunternehmen meldeten nun plötzlich Ansprüche an: das Land, weil es als Auftraggeber den Abriss veranlasst hatte, und die Firma, weil der Baggerfahrer in einem sozialen Abhängigkeitsverhältnis zu ihr gestanden habe und, wie eine Platzanweiserin im Kino, die zwischen dessen Sitzreihen einen wertvollen Ring findet, zur Ablieferung des Fundes verpflichtet ist. Die Angelegenheit ging bis vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Fast vier Jahre dauerte es, ehe der Baggerfahrer sein Recht und die Hälfte des Schatzes zugesprochen bekam, nämlich die erhofften 380.000 DM.

Brahms-Festival


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