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Lübecker Konzerthäuser vor hundert Jahren

Bevor das Internet nicht nur für Unterhaltung gesorgt hat studierte man noch oft Werke wie die Gelben Seiten oder Gewusst wo vom Verlag Schmidt-Römhild. Dieser Verlag übrigens das älteste Verlags- und Druckhaus aus Lübeck wurde ja schon 1579 gegründet. Er befasste sich ab ca. 1646 etwa auch mit amtlichen Druckwerken und verfasste so die ersten Adressbücher für Lübeck, Vorläufer der späteren Telefonbücher und dann den Gelben Seiten und Gewusst wo. 

So fanden wir interessante Hinweise zur Kultur der Lübecker Konzerthäuser hierin.
Ausgesprochen ausgehfreudig waren die Lübecker noch um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert. Da gab es noch kein Streaming-Angebot an Musik, kein Radio, kein Fernsehen, keine Schallplatten, nur Konzert- und Gesellschaftshäuser. Im Lübecker Adreßbuch von 1909 sind immerhin 36 von ihnen aufgeführt. Das "Konzerthaus Flora" in der Nebenhofstraße, die "Fledermaus" in Fünfhausen, der "Wintergarten" in der Fleischhauerstraße und das "Tivoli" zwischen Burgtor und Wakenitz gehörten zu den führenden Etablissements, ausgestattet für Konzerte und Bälle. Ganz nach dem Geschmack der Zeit: Hohe Säle, geschmückt mit viel Samt und Stuck.

Konzerthaus Flora LübeckKonzerthaus Flora Lübeck (unbekannter Fotograf)

Solcher Art Lustbarkeiten hatten in Lübeck Tradition. Man verstand es, die harte Arbeit durch Vergnügen zu versüßen. So führt schon das Lübecker Adreßbuch von 1798 unter dem Stichwort Winterlustbarkeiten auf: 
"Bälle. Auf dem neuen Konzert- und Ballsaale im Opernhause vereinigt sich durch jährliche Subscription eine Gesellschaft zu den sogenannten Societäts- oder Gesundheitsbällen zur gemeinschaftlichen Tanzlust an zehn Monats-Abenden, alle 14 Tage. Man kömmt um 5 1/2 Uhr zusammen, und trennt sich präcise um 10 1/2 Uhr. Fremde können durch ein Mitglied eingeführt werden.
Konzert. Das Liebhaberkonzert; wird an dem nämlichen Orte, ebenfalls nach vorgängiger Subscription, gegeben. Liebhaber, und Liebhaberinnen, zugleich mit Tonkünstlern und salarirten Musikern, beeifern sich für die Unterhaltung der Zuhörer. Jedem Subscribenten ist es erlaubt, einen Freund mitzubringen. Es wird wöchentlich, an den Sonnabenden, von 6 bis 8 Uhr Abends, gehalten.
Maskerade. Werden von dem Speisewirth im Opernhause einigemal im Winter, zu 3 Mark für den Eintritt, angestellt.
"
Ein gutes Jahrhundert später, als die Zahl solcher Etablissements entsprechend der Einwohnerschaft angestiegen war, mussten sich die Veranstalter noch einiges mehr einfallen lassen, um das verehrte Publikum an die Stätte des Vergnügens zu locken. So bot "Eggers Etablissement" (Große Schmiedestraße 988) "ein großes Orchestrion- und Pianoconcert im brillant erleuchteten Parterrelokal bei freiem Eintritt." Einen "Extra Socialen Abend" veranstaltete der "Dilettantenverein Fides" im Victoria-Theater. Ein Sommerfest "mit Damenvergnügen" versprach die "Polyhymnia". Im Ballsaal der "Fledermaus" erheiterten "urfidele Künstlerabende" das Publikum.
Die heimischen Künstler allerdings bevorzugten kleinere Lokalitäten, um unter sich zu sein. Treffpunkte für sie waren die "Eule" an der Marienkirche und in der oberen Wahmstraße die Kneipe "Zur Treppe". Die beiden Gasträume lagen auf unterschiedlichem Niveau, verbunden durch eine Treppenstufe. Das genügte, um die feinsinnige Unterscheidung zwischen Ober- und Unterhaus zu machen. Wer Kröger Karl Tunn einen Besuch abstatten wollte, erklärte schlicht und harmlos: " Ich geh auf die Treppe."

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