Die Gemeinnützige Lübeck - einst und jetzt

1788 wird die „Litterarische Gesellschaft“ geboren. Die „Gemeinnützige“, wie die Gesellschaft heute durchweg abgekürzt genannt wird, wurde von dem Prediger an der Petrikirche und späteren Advokaten Ludwig Suhl mit seinen Freunden Christian Adolph Overbeck, Johann Julius Walbaum, Anton Diedrich Gütschow, Gottlieb Nicolaus Stolterfoth, Johann Friedrich Petersen (der Ältere) und Nikolaus Heinrich Brehmer am 27. Januar 1789 ins Leben gerufen, zunächst als Literarische Gesellschaft zur wissenschaftlichen Unterhaltung und gegenseitiger Unterrichtung. 1791 wurde der Zweck der Gesellschaft um den gemeinnützigen Aspekt erweitert, und seit 1793 führt sie den Namen, der sich bis heute erhalten hat.



Nach achtjähriger Tätigkeit  wird die Gesellschaft im Lübecker Adressbuch wie folgt beschrieben:
"Industrieschule. Eine gewisse Anzahl Töchter unvermögender Eltern empfängt im Predigerhaus des Burgklosters täglich unentgeltlichen Unterricht, abwechselnd in allerlei weiblichen Handarbeiten, und in sonstigen, die Bildung der unteren Volksklassen befördernden Kenntnissen und Fertigkeiten.
Lehranstalt für Gehilfen hiesiger Wundärzte….
Rettungsanstalten, zur Belebung scheinbar todter und Herstellung im Wasser verunglückter Personen…
Sonntagsschule. Diejenigen Knaben, welche aus Armuth ihrer Eltern nie zur Schule, sondern werktäglich nur zur Arbeit auf Tobacks- und anderen Fabriken angehalten werden, empfangen in einem Privathause, am Pferdemarkt Nr. 789, in den Vormittagsstunden des Sonntags, Unterricht im Lesen und Schreiben, im Christentum und in einigen anderen nützlichen und faßlichen Kenntnissen …
Zeichnungsschule für angehende Handwerker, zur Übung derselben in freyen Handzeichnungen und Baurissen. Am Stiftungstage der Gesellschaft werden den fleißigsten Schülern Prämien erteilt."


Für eine gerade acht Jahre zuvor gegründete Vereinigung ist diese Aufzählung der Einrichtungen überaus bemerkenswert. Die Gedanken, die zu solcher Aktivität befähigten, wurzelten in den freiheitlichen Idealen der Französischen Revolution, in den Ideen der Aufklärung. Sie waren es, die Ludwig Suhl (auch Ludewig Suhl, * 11. November 1753 in Lübeck; † 3. Januar 1819 ebenda) im Dezember 1788 anregten, in einem Schreiben an seine schon genannten Freunde die Gründung einer litterarischen Gesellschaft vorzuschlagen, einer Versammlung von Männern, die sich etwa wöchentlich versammelte, alles Kartenspiel und jede schmausende Üppigkeit verbante und beieinander wäre, um zu unterrichten oder unterrichtet zu werden.

Und so ging es weiter: Mit einer Schwimmschule (1798), einer Kreditkasse für Professionisten (1800), einer Wohlfeilen Speiseanstalt (1800), der Beteiligung an der Gründung des Seebades Travemünde (1802), einem Lehrerseminar (1807), der Navigationsschule (1808) und der Einrichtung der Sparkasse zu Lübeck (1817).
Aus dem 1821 gebildeten Ausschuss für das "Sammeln der Quellen und Denkmäler der Geschichte Lübecks" entstand die Keimzelle der Museen der Stadt (1893 konnte das Museum am Dom bezogen werden). Die erste Kleinkinderschule richtete die Gemeinnützige 1834 ein, fünf weitere folgten. 1879 wurde die "Öffentliche Bücher- und Lesehalle" gegründet.
Tragendes Element der "gemeinnützigen Tätigkeit" blieb das soziale Engagement neben kulturellen Anliegen bis in die Gegenwart. Zu den nach 1945 geschaffenen Einrichtungen gehören die Familienhilfe (1952), die Mütterschule (1952), die Lübecker Musikschule (1978), die Schülerhilfe (1978), das Jugendblasorchester (1981), die Kinderschauspielschule (1987). 
Eine "Litterarische Gesellschaft" gehört immer noch zur Gemeinnützigen. Sie ist eine der vielen rührigen Töchter der tüchtigen Mutter. Im gleichen Status sind gemeinnützige Vereine für mehrere Vororte, die "Overbeck-Gesellschaft", der "Verein für Rechtsfürsorge - Resohilfe", der "Grüne Kreis Lübeck", der sich der Balkonbepflanzungen annimmt ebenso wie der Arbeitskreis "Natur und Heimat", der "Verein der Musikfreunde" und die "Photografische Gesellschaft", die "Plattdütsche Volksgill" und die "Fritz-Reuter-Gesellschaft", der "Freundeskreis der Knabenkantorei" und die "Geographische Gesellschaft".
2020 vereint DIE GEMEINNÜTZIGE unter ihrem Dach eigene Einrichtungen wie die Haushilfe, die Familien- und Seniorenbetreuung, die Familienbildungsstätte, die Musikschule, die Knabenkantorei an St. Marien, die Kunstschule, die Schauspielschule, die Dienstagsvorträge, die mittwochsBILDUNG, die Bücherei, die Lübeckischen Blätter - die jedes Mitglied regelmäßig erhält - und das Kolosseum.

DIE GEMEINNÜTZIGE unterhält rund 40 Tochtergesellschaften und 30 Stiftungen.
DIE GEMEINNÜTZIGE bewegt und entwickelt Ideen zum Wohle der Stadt Lübeck. Sie fördert Kultur, Bildung und Soziales. Und sie gestaltet aktiv die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger.

 

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