1822

1828 bis 1834 Cholera in Hamburg

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion
In Lübeck gründet 1830 gründet Johann Georg Niederegger (* 16. März 1777; † 28. September 1859 in Lübeck) ein bis heute erfolgreiches Kaffeehaus.
Als 1831 in Hamburg die Cholera ausbricht, arbeitet Amalie Wilhelmine Sieveking (* 25. Juli 1794 in Hamburg; † 1. April 1859 ebenda) schon freiwillig in den Armenhäusern als Krankenpflegerin. Mit dem von ihr später gegründeten Weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege, ihren Initiativen zur Arbeitsbeschaffung und Berufsausbildung für Arme und Aktionen für den Bau von Wohnungen und Krankenhäusern gilt sie als eine Vorreiterin der modernen Sozialarbeit in Deutschland.
Am 4. Juli 1831 wird Heinrich Kellinghusen (* 16. April 1796 in Hamburg; † 20. April 1879 ebenda) in den Hamburger Senat berufen, obwohl er katholisch war. Der Senat ist gleichzeitig die Oberste Instanz der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate. Der Hamburger Senat ist aber auch gleichzeitig oberstes Hamburger Gericht. 1843, nach dem Hamburger Brand, wird Kellinghusen ins Amt des Bürgermeisters gewählt. Er hat dieses Amt (des Präsidenten des Senates) seitdem im jährlichen Wechsel mit der Präsidentschaft des Hamburger Obergerichts bis 1860 inne.
Der Kellinghusen gehörende Park in Hamburg-Eppendorf ist teilweise erhalten. Teile des Parks sind überbaut, so liegen u. a. die Kellinghusenstraße und der gleichnamige U-Bahnhof auf dessen ehemaligem Gelände.
Die Bergedorfer Mühle wird 1831 von dem Bergedorfer Gerber Martin Biehl als Lohwindmühle erbaut. Zunächst wird sie zum Mahlen von Eichenrinde zur Gewinnung von Gerbsäure genutzt.
Am 17. September 1832 gründet Heinrich Stuhlmann (* 28. Dezember 1803 in Hamburg; † 23. Oktober 1886 ebenda) mit 14 weiteren Künstlern den Klub Hamburgischer junger Künstler, der bald in Hamburger Künstlerverein umbenannt wird.
Stuhlmann war ein deutscher Maler und Grafiker der Hamburger Schule sowie Fotograf. Heute ist er unter anderem in der Hamburger Kunsthalle, dem Museum für Hamburgische Geschichte, dem Altonaer Museum, der Nienstedtener Kirche und dem Philadelphia Museum of Art mit Werken vertreten, ihm ist der imposante Brunnen in Altona gewidmet.


Deutsche Geschichte
Am 26. Februar 1829 stirbt in Eutin Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, genannt Goethe-Tischbein (* 15. Februar 1751 in Haina (Kloster))
Bei einem  Italien-Aufenthalt, der bis 1799 dauerte, freundet  sich der Maler Tischbein  1786 mit dem inkognito reisenden Goethe an, mit dem er 1787 nach Neapel reist. 1786 entsteht auch das berühmte Gemälde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der römischen Campagna zeigt und das zum Inbegriff der Sehnsucht nach Arkadien wird. Es gelangt später nach Deutschland und wird 1887 von der Bankiers-Familie Rothschild dem Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main geschenkt, wo es noch heute zu sehen ist.
Nachdem er 1801 heiratet, wird er in Hamburg ansässig und entwickelt Konzepte, hier seine kunstpädagogische Tätigkeit mit einer Zeichenschule fortzusetzen. Zwar treten junge Künstler wie Philipp Otto Runge und Friedrich Overbeck mit ihm in Verbindung, doch als sich der Hamburger Senat weigert, die geplante Kunstschule finanziell zu unterstützen, nimmt Tischbein 1808 ein Angebot von Peter I., dem Prinzregenten von Oldenburg an, der ihn zum Hofmaler und Galeriedirektor ernennt. Tischbeins Grab befindet sich in Eutin auf dem Friedhof in der Plöner Straße. Eine Gedenktafel über seinem ehemaligen Wohnhaus in der Stolbergstraße 8–10 erinnert an den Künstler. Einige seiner großformatigen Gemälde sind im Eutiner Schloss und im Ostholstein-Museum Eutin ausgestellt.
1829 erhält er den Dannebrogorden: Georg Philipp Schmidt von Lübeck (* 1. Januar 1766 in Lübeck; † 28. Oktober 1849 in Ottensen)  In Kopenhagen war er noch Sekretär des Staats-, Finanz- und Commerzministers Ernst Heinrich Graf von Schimmelmann,  1813 wechselte er nach Kiel als erster Administrator der dortigen Niederlassung der als Folge des Dänischen Staatsbankrotts von 1813 neugegründeten (Dänischen) Reichsbank. Damit wiederum war die Verwaltung der Herzogtümer Schleswig und Holstein verbunden. 1818 kehrte er mit dem Titel eines königlich dänischen Justizrats nach Altona zurück und wurde ein Jahr später erster Direktor einer dortigen Bank. Diesen Posten verließ er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. Februar 1829 nicht.
Am 27. Mai 1832 versammeln sich auf dem Schlossberg in Hambach 20 bis 30.000 Menschen. Sie kommen aus den Ländern des Deutschen Bundes, es sind aber auch polnische und französische Freiheitskämpfer darunter. Sie kämpfen in friedlicher Form mit schwarzrotgoldenen Kokarden für die Bürgerrechte, die politische Einheit Deutschlands und für eine Demokratie. Das Treffen geht als Hambacher Fest in die Geschichte ein.
Die Reaktion darauf erfolgt prompt. Im Deutschen Bund wird ab dem 5. Juli der Gebrauch politischer Abzeichen gesetzlich verboten. Das zielt besonders auf das Zeichen nationaler Gesinnung Schwarz-Rot-Gold. Als Reaktion auf die Hambacher Demonstration werden ferner Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt.
1833 gründet der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern  (* 21. April 1808 in Hamburg; † 7. April 1881 ebenda) in einer alten Bauernkate im Stadtteil Horn "Das Rauhe Haus". Sein Ziel ist die Betreuung verelendeter und gefährdeter Kinder zu verbessern.
In dem Jahr wird auch die Hamburger Sternwarte in der Nähe des Hamburger Hafens am heutigen Standort des Museums für Hamburgische Geschichte gegründet. 1912 wird die Sternwarte dann aber nach Bergedorf verlegt.
1834 macht sich Rickmer Clasen Rickmers (* 7. Januar 1807 auf Helgoland; † 27. November 1886 in Bremerhaven)  selbstständig und gründet die Werft R.C. Rickmers mit einem eigenen Werftplatz. Anfang 1842 kauft Rickmers zusammen mit J. H. C. Winkler und Blasius & Imhoff aus Bremen die Schoner Weser und Athene. Beide Schiffe waren für die Beförderung von Auswanderern nach Nordamerika bestimmt. Damit ist dann endgültig der Grundstein für die später (1866) gegründete Rickmers Rhederei gelegt. 2022 existiert noch ein Nachfolgeunternehmen der Werft, German Dry Docks, welches u. a. aus den Rickmers-Lloyd-Dockbetrieben, einem Gemeinschaftsunternehmen von Rickmers und der Lloyd Werft hervorgegangen ist. Das zur Petram-Gruppe gehörende Unternehmen ist als Reparaturwerft aktiv. Die Reedereien  wurden 2016 bzw. 2018 an die Reederei Zeaborn verkauft.
Am 1. Januar 1834 treten 18 deutsche Fürstentümer, unter Ausschluss Österreichs, dem Deutschen Zollverein bei. Oberstes Ziel dieser Vereinigung ist die Vereinfachung des Handels zwischen den deutschen Staaten. Hamburg folgt erst später, aber dadurch kommt es zu einer wirtschaftlichen Verbesserung aller beteiligter Staaten.
König Ludwig I. von Bayern erteilt am 19. Februar 1834 der schon 1833 gegründeten Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft in Nürnberg ein Privileg für den Bau einer Eisenbahnstrecke, damit beginnt in Deutschland die Eisenbahngeschichte.


Europäische Geschichte
Das Original der Ebstorfer-Weltkarte entdeckt die Stiftsdame Charlotte von Lasberg 1830 im Benediktinerinnenkloster Ebstorf bei Lüneburg in einem "feuchten Gemach", einer fensterlosen  Abstellkammer. Es handelt sich um ein großes auf zwei Stangen aufgerolltes Bündel aus dreißig  zusammengenähten Tierhäuten zusammen mit Altardecken und Prozessionsgerät "aus katholischer Zeit" mit Jerusalem als Mittelpunkt. Während leere, weiße Flächen am linken Rand offenbar von den Bissen kleiner Nagetiere, wohl Mäusen stammen, schneidet ein bis heute Unbekannter rechts oben ein 66 mal 50 Zentimeter großes Stück mutwillig heraus. Die Weltkarte wird dann im Nonnenchor ausgestellt.  Auch ist durch die unsachgemäße Lagerung der Pergamentrolle ein Teil im Nordwesten Europas unleserlich geworden. Bei einem Bombenangriff auf Hannover verbrennt 1943 das kostbare Unikat im Keller des dortigen Staatsarchivs. Zwischen 1950 und 1953 werden anhand alter Faksimileausgaben von 1891 und 1896 farbige Nachbildungen in Originalgröße erarbeitet.
Mit mehr als 2.300 Text- und Bildeinträgen ist die Karte nach derzeitigem Kenntnisstand die größte und umfangreichste mappa mundi (Weltkarte) aus dem Mittelalter.

Ebstorfer WeltkarteEbstorfer Weltkarte Quelle: Autor unbekannt - own work (related to the stiching User:Kolossos)

Am 9. Februar 1831 stirbt in Kopenhagen Ernst Heinrich Graf von Schimmelmann (* 4. Dezember 1747 in Dresden). Er war der älteste Sohn von Heinrich Carl von Schimmelmann und dänischer Finanz- und Außenminister.  Ab 1759 lebt er mit seiner Familie in Ahrensburg, wo sein Vater das Schloss erworben hatte. Teile seines Arbeitszimmers sind dort noch ausgestellt.

Schloss AhrensburgSchloss Ahrensburg

Weltgeschichte
1828 wird in Antwerpen Bureau Veritas gegründet, ein Informationsbüro für maritime Versicherungen. Heute ist dies eine börsennotierte Inspektions-, Klassifikations- und Zertifizierungsgesellschaft. Ab 1833 befindet sich in Paris der Hauptsitz des Unternehmens, in Hamburg-Harburg gibt es eine große Niederlassung. Bureau Veritas zählt zu den zwei größten Unternehmen bei der Konformitätsbewertung und Zertifizierung in den Bereichen Qualität, Gesundheit & Sicherheit, Umwelt und Soziale Verantwortung („QHSE-SR“).
Die wichtigsten nationalen und internationalen Organisationen haben Bureau Veritas anerkannt und akkreditiert. 2020 ist Bureau Veritas in 140 Ländern mit einem Netzwerk von rund 1.600 Büros, Laboren und Geschäftsstellen vertreten. Im Jahr 2020 betreuten rund 78.000 Mitarbeiter 400.000 Kunden und erwirtschafteten einen Umsatz von 4,6 Mrd. €.
Am 22. März 1832 stirbt in Weimar Goethe. Bis heute zählen seine Gedichte, Dramen und Romane zu den Meisterwerken der Weltliteratur.

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