1803

1806 Die Lübecker Franzosenzeit beginnt

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion



In Oldesloe lässt der Apotheker Friedrich August Lorentzen (* 23. Oktober 1765 in Oldesloe; † 7. September 1842 in Itzehoe) einigen Quellen zufolge 1806 nach Heilquellen bohren. Weil man dabei tatsächlich auf Schwefelwasser stieß, wird 1813 das "Königliche Bad" eröffnet.
Französische Soldaten werden 1808 oder 1813 in Bad Oldesloe in der Napoleonkate untergebracht.

Napoleonkate Bad OldesloeNapoleonkate Bad Oldesloe

Gut Wulksfelde

Aus dem Meierhof wird 1806 das Adelige Gut Wulksfelde im Itzehoer Güterdistrikt. Das Gut wechselt sehr oft seinen Eigentümer. Zeitweilig wird eine Ziegelei, eine Kattunfabrik, eine Schnapsbrennerei, eine Glashütte und eine Braunbierbrauerei betrieben. In Rade arbeiten eine Kornwassermühle am Sielbek (am 2. Mai 1883 abgebrannt) und eine Papierwassermühle am Gurbek (um 1855 abgebrannt).
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es in Stormarn wieder Unruhen. 1806 fliehen preußische Heeresteile nach der Schlacht von Jena und Auerstedt nordwärts. In Trittau baut man die Napoleonbrücke.

Trittau NapoleonbrückeTrittau Napoleonbrücke

Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" hört am 6. August 1806 auf zu existieren. Kaiser Franz II. legte in Wien die Kaiserkrone nieder. Das Reich bietet fortan keinen Schutz mehr für die reichsfreien Städte.

Dadurch wird die Unabhängigkeit der Städte Lübeck und Hamburg sehr gefährdet. Damit werden, wie der Hamburger Ferdinand Beneke notierte, "reychsfreie Bürger zu vogelfreyen Republikanern". Nur wer sich gegen mächtige Feinde wehren kann, darf hoffen, die Selbstständigkeit zu bewahren.

Inmitten des um sie tobenden Kriegslärms versuchen die Hansestädte durch Versicherung ihrer Neutralität sich drohender Gefahr zu entziehen. Demonstrativ wurden ja schon in Lübeck und Hamburg die Wallanlagen zurückgebaut.  Bevor die neue Sachlage verfassungsrechtlich geklärt werden kann, muss der Rat der Stadt Lübeck entgegen dem traditionellen neutralen Status Lübecks die Besetzung durch preußische Truppen erdulden, die von Stormarn herkommen.
Doch einen Tag bevor sie am 15. Oktober 1806 ihre Neutralität feierlich deklarieren, haben die Preussen die Doppelschlacht von Jena-Auerstedt verloren. Am 24. Oktober besetzen französische Truppen Berlin.
General Blücher versucht in Mecklenburg mit 21.000 Mann die nachrückenden Franzosen zu binden, sieht sich aber einer Übermacht von 60.000 französischen Soldaten gegenüber. Er marschiert auf das neutrale Lübeck, um nach einem Tag des Ausruhens und mit neuer Verpflegung per Schiff über die Ostsee zu entkommen. Das wiederum alarmiert im Herzogtum Lauenburg lagernde schwedische Truppen, die ihrerseits versuchen noch vor den Preußen auf die Schiffe zu kommen. Vor solchem Anmarsch bewahren die Stadt auch eilig in Auftrag gegebene Schilder "Territoire neutre des la ville anséatique de Lubec" nicht. Noch bevor sie aufgestellt werden können, zerschießen die Schweden die Flügel des Mühlen- und des Burgtores. Sie beschlagnahmen im Hafen liegende Schiffe.
Am 5. November nimmt Blücher Quartier, unberührt von dem Verweis der Stadt auf ihre Neutralität. In Lübeck gedenkt er sich gegen die Franzosen zu verteidigen. Die Sicherung durch Wakenitz und Trave lässt ihn die Truppen an den Toren konzentrieren, vor allem Infanteristen und Füseliere, auf der Bastion Bellevue an der Untertrave zudem Artillerie.  

Mit Äxten verschaffen sich die preußischen Truppen unter Blücher Eintritt in die freie Stadt Lübeck. 
Die Franzosen marschieren am nächsten Tag auf. Marschall Soult greift das Mühlentor an, Marschall Murat das Hüxtertor und Marschall Bernadotte das Burgtor. Dort entscheidet sich der Kampf. Der Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Oels befolgt nicht die Anweisungen Blüchers. Er sammelt sein Fußvolk an der Bastion Bellevue. Das Burgtor bleibt nahezu ohne Verteidiger. Dafür lässt er ein Bataillon auf dem Feld davor kämpfen - im Schussfeld der eigenen Artillerie. In Bedrängnis geraten, fragt der Herzog bei Blücher an, ob er sich durch das Tor zurückziehen könne und schwere Kanonen von außerhalb der Stadt zu bergen. Der General warnt, er solle nicht die Franzosen mit durch das Tor bringen. Genau das aber geschieht. In der Stadt kommt es zu heftigen Kämpfen. Schließlich öffnen die Franzosen Mühlen- und Hüxtertor. Damit ist der Kampf entschieden. Die Preußen flüchten durch das Holstentor. 5000 aber nehmen die Franzosen gefangen.

Gedenktafel Burgtor LübeckGedenktafel Burgtor Lübeck

Die restlichen preußischen Truppen (9000 Mann unter Blücher (die sich nach der Schlacht bei Lübeck auf dem Weg nach Ratekau befinden) ziehen durch Schwartau. Ihnen folgen direkt anschließend die verfolgenden Französischen Truppen - durch diese kommt es zu Plünderungen.
Mit seinen abgekämpften Soldaten zieht sich Blücher weiter nach Ratekau zurück, wo er im Pastorat Quartier nimmt. Ein heilloses Durcheinander herrscht im Dorf. Hafer, Heu, Saatklee und Brot, alles wird beschlagnahmt. Die Kirche wird aufgebrochen und als Pferdestall benutzt. Französische Artillerie ist beim Riesebusch in Stellung gegangen, um Ratekau zu beschießen. Als die Nachricht kommt, dass Travemünde in der Hand der Franzosen sei, entschließt sich Blücher, „zugunsten des Dorfes Ratekau und des Pastors Schrödter“ zu kapitulieren. Ein drittes Angebot von Bernadotte zu einer ehrenvollen Kapitulation nimmt er diesmal an, freilich mit dem schriftlichen Zusatz, er tue dies nur, weil er keine Munition und Brot mehr habe, und unter der Bedingung einer Ehrerbietung für die preußischen Truppen. Bernadotte akzeptiert diese Bedingungen zuerst nicht, aber da Blücher zu keinen weiteren Zugeständnissen zu bewegen ist, gibt Bernadotte zur Vermeidung weiterer Kämpfe und Toter nach und lässt entsprechend den Kapitulationsbedingungen die französischen Truppen längs der Straße (Eutin–Lübeck, an der Blüchereiche in Ratekau) zur Ehrerbietung an den vorbeiziehenden tapferen Feind Aufstellung nehmen. Als persönliche Geste verzichtet er auf die Annahme von Blüchers Degen. Während der preußische Armeeführer seine Waffen behalten darf, legen seine Soldaten ihre Waffen nieder und begeben sich in Gefangenschaft. An der „Blüchereiche“ bei Ratekau wird 1856 ein Gedenkstein errichtet. 
Blüchers Kanonenrettung und der Rückzug nach Lübeck machen ihn zu einer Legende in ganz Europa.
Nachdem sie von den Franzosen aus Lübeck vertrieben worden sind, versuchen sich die Preußen auch in Hamberge festzusetzen. Bald darauf wird Hamberge von den Franzosen besetzt. Später quartieren sich dort, wie auch in Rosenhagen und Steinfeld, russische Soldaten ein. Auch Reinfelder müssen zur Verpflegung der Soldaten beitragen.
Nach der Besetzung kann Lübeck wie auch Bremen und Hamburg zunächst immerhin den Schein staatlicher Unabhängigkeit wahren, wird jedoch Ende 1810 gewaltsam dem französischen Kaiserreich angegliedert. An die Stelle des 1811 aufgelösten Rates tritt ein Munizipalrat. Die Neuordnung der Verfassung folgt.
1808 wird in Lübeck die Navigationsschule eingerichtet.

Combat de LübeckCombat de Lübeck le 6 Novembre 1806 Orig. Rad. F. Bayer

Von 1811 bis 1813 findet sich Lübeck in Folge der für Blücher vernichtenden Schlacht bei Lübeck wider Willen vorübergehend als Teil des französischen Kaiserreiches wieder.
Um 1810 plant Kaiser Napoleon I. im Rheinbund ein Kanalsystem unter Einbeziehung der Trasse des Alster-Beste-Kanals vom Rhein zur Weser, von dort zur Elbe und weiter zur Trave und Lübeck. 
In Hamburg stirbt am 2. Dezember 1810 Philipp Otto Runge an Tuberkulose. Sein Grab ist nach einer Umbettung auf dem Ohlsdorfer Friedhof.
Lauenburg:
Nach der Konvention von Artlenburg wird das Herzogtum Lauenburg durch französische Truppen besetzt und von 1810 bis 1813 ins französische Kaiserreich eingegliedert und dem Département des Bouches de l'Elbe zugeschlagen. Im Gefecht um Lauenburg am westlichen Ortsrand von Lauenburg kämpfen an drei Tagen im August 1813 alliierte Truppen gegen die aus Hamburg anrückenden napoleonische Einheiten unter Marschall Davout um die Freiheit. 
Während der Kontinentalsperre – 1806 von Napoleon gegen das Vereinigte Königreich verfügt – entwickelt sich Helgoland zu einem lebhaften Schmuggel­platz.
1807 besetzten britische Truppen die Insel und gliederten sie als Kolonie in das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland ein.

Deutsche Geschichte
Johann Wolfgang von Goethe vollendet 1806 sein bekanntestes Werk Faust. Eine Tragödie.
Auf Initiative Wilhelm von Humboldts wird die Berliner Universität, die spätere Humboldt-Universität zu Berlin am 16. August 1809 gegründet, aus ihr wird die Friedrich-Wilhelm-Universität
Weltgeschichte
Als erste Eisenbahn weltweit transportiert die 1804 in Wales errichtete Swansea and Mumbles Railway zahlende Passagiere am 25. März 1807.

1811

 

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