1792 bis 1802 Endlich gibt es Pockenimpfungen

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion




Lübeck: 1792 bis 1794 ist er in Frankfurt am Main als Musikdirektor des neuen National-Theaters, wo er unter anderem Mozarts Don Giovanni und Die Zauberflöte zur Aufführung bringt: Friedrich Ludwig Æmilius Kunzen (* 24. September 1761 in Lübeck; † 28. Januar 1817) Kunzen stammt aus einer Musikerfamilie; sein Großvater Johann Paul Kunzen wie auch sein Vater Adolf Karl Kunzen waren Organisten der Lübecker Marienkirche.

1792 wird er Ehrenmitglied der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in Lübeck: Friedrich Carl Gröger (* 14. Oktober 1766 in Plön; † 9. November 1838 in Hamburg).  Gröger war einer der angesehensten Porträtmaler seiner Zeit in Norddeutschland. Seine Werke befinden sich in vielen Museen, wie der Hamburger Kunsthalle, wie auch in norddeutschem, insbesondere holsteinischem und dänischem Privatbesitz. 
1801 erfolgt die Einführung der Pockenimpfung zuerst in Eutin selbst und dann im Fürstentum Lübeck. Im Juni 1800 hatte Christoph Friedrich Hellwag (* 6. März 1754 in Calw; † 16. Oktober 1835 in Eutin) zunächst seine jüngste Tochter und fünfzehn andere Kinder gegen die Pocken mit einem Serum geimpft, das er durch Impfung einer Kuh gewonnen hatte. Dabei griff er auf Versuche des englischen Arztes Edward Jenner mit dessen Impfungen gegen Kuhpocken zurück. Diese Pockenimpfung wird einige Jahre später zur Impfpflicht und Hellwag, Physikus des Fürstentums Lübeck,  veröffentlicht mehrere Aufsätze über seine Methode, die offiziell im Fürstentum Lübeck eingeführt und auch von anderen Ärzten nachgeahmt werden. Impfungen gegen Blattern folgen.

1798 erscheint das erste Adressbuch der Stadt bei Römhild. Darin werden auch schon Lustbarkeiten in den Lübecker Konzerthäusern aufgeführt.
1795 kommt es zu Unruhen in der Lübecker Garnison. Soldaten, die sich gegen Hungerlöhne erheben wollen, müssen um ihr Leben würfeln. Hinrichtungen und Spießrutenlaufen häufen sich.

Geschichte Stormarn
In Reinbek wird die Dänenbrücke 1793 gebaut.
Mit dem durch den dänischen König vertretenen Holstein werden dann 1802 für Westerau, Niendorf und Reecke abschließende bilaterale Regelungen gefunden, wonach diese dem Lübecker Staatsgebiet arrondierend zugeschlagen werden. 
Glinde: 1795: Viehseuche im Ort. – Der Besitzer des Gesamtgutes, Henning von Rumohr, hat starke Verkaufsabsichten, wahrscheinlich wegen der Schwierigkeiten, die infolge der bevorstehenden Aufhebung der Leibeigenschaft mit den Gutsuntertanen besonders in dem zu Wulmenau gehörigen Dorf Ahrensfelde entstanden waren.
1800: Am 1. August erlässt die Königliche Regierung die Land- und Militär- und Remonteordnung, die die Militärpflicht, das Lageregister, die Größe der Güter, Abgaben gewisser Kornvorräte usw. vorschreibt.
Die Besitzer der sog. Lübschen Güter, darunter Trenthorst-Wulmenau mit ihren Dörfern fühlen sich, unter Hinweis darauf, dass die Güter im 14. Jahrhundert von dem damaligen Grafen von Holstein, dem ersten Besitzer teils geschenkt und teils für geleistete Dienste übergeben worden seien und, dass sie von allen Lasten, Abgaben und Aufgaben befreit seien, an diese Verordnung nicht gebunden.
1801 teilt Henning von Rumohr seinem König mit, dass er in der Ablehnung der Land-Militärordnung keine Widersetzlichkeit erblicken möge und dass es keinen Mangel an Patriotismus bei ihm sei. Die Königlich dänische Regierung vertrat jedoch den Standpunkt, dass das jetzt bestehende Aufgebot zum Dienste am Vaterland nur persönlich und eine vom Grund und Boden gänzlich unabhängige Untertanenpflicht geworden sei und demnach die Eingesessenen dieser Güter von der Anwendung der Land-Militärordnung nicht befreit werden könnten.


Und wie sieht es in Reinfeld aus?
1650 sind es noch etwa 140-200 Einwohner, dazu noch über 30 die zum Schloss gehören. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts berichtet ein Chronist dann aber bereits von mehr als 800 Bewohnern, fast 100 Häuser sowie "9 Krämer und das Prediger-Witwen-Haus, Höker, 4 Grobschmiede, 4 Kleinschmiede, 4 Bäcker, 1 Färber, 4 Schlachter, 2 Lohgerber und Handwerker fast aller Art." Hinzu kommen eine Apotheke, ein Wirtshaus sowie zwei Brennereien. Übertragen auf die heutige Zeit müsste man diese Zahlen verzehnfachen. Ein Hinweise darauf, wie lebendig der noch junge Ort schon damals ist.
Außerdem wohnen hier der Hebungsbeamte, der Actuar des Amtes und der Hausvogt und Branddirektor der Ämter Traventhal und Reinfeld.

Geschichte Hamburg
Die Neutralität in den Revolutionskriegen verschafft Lübeck und Hamburg eine bis dahin unvorstellbare Hochkonjunktur, die jedoch ein jähes Ende findet, als im November 1806 die Kontinentalsperre verkündet wird und die Engländer mit einer Gegenblockade antworten. 1806 sind im Lübecker Hafen 3848 Schiffe registriert, dagegen nur noch 149 im Jahre 1810. 1811 und 1812 laufen überhaupt keine Schiffe mehr aus. Rund 100 Lübecker Handelsfirmen, etwa ein Drittel bis ein Viertel der damals bestehenden, gehen bis 1813 in Konkurs.
Auch in Hamburg gehen in einer kurzen aber heftigen Wirtschaftskrise im zweiten Koalitionskrieg 1799 152 Handelshäuser in Konkurs. Während der französischen Besatzung setzt sich der wirtschaftliche Niedergang fort, weil der Handel mit England in der Zeit nicht möglich ist. Nach den napoleonischen Kriegen gewinnt Lateinamerika zunehmend Bedeutung für die Handelsaktivitäten dieser Hansestadt. An die wirtschaftliche Blütezeit vom ausgehenden 18. Jahrhundert kann jedoch nicht angeknüpft werden. 
1793 bekleidet der Hamburger Kaufmann John Parish (* 5. März 1742 in Leith, Schottland; † 4. Februar 1829 in Bath, England) bis 1796 das Amt des ersten Generalkonsuls der Vereinigten Staaten in Hamburg.
Seine Handelsgeschäfte mit England und später mit den USA machen ihn zu einem der reichsten Männer seiner Zeit und sein aufwändiger Lebensstil ist noch heute sprichwörtlich.
Im Jahr 1795 greift Parish in die internationale Politik ein. Die von der französischen Revolutionsarmee nach Osnabrück zurückgedrängten britischen Truppen versorgt er mit Geldmitteln, indem er zusammen mit dem britischen Konsul in Hamburg, William Hanbury (1755–1798), den Verkauf von Wechseln an der Hamburger Börse organisiert. Darüber hinaus übernimmt er auf Bitten der britischen Regierung den Transport der britischen Kavallerie nach Irland, wozu er eigens 27 Schiffe chartert. Die erfolgreiche Durchführung des Unternehmens führt zu einem Folgeauftrag: In alleiniger Verantwortung besorgt er den Transport fremder, in britischen Diensten stehender Hilfstruppen nach Westindien. Gegen den Widerstand des hamburgischen Senats, der um die Neutralität der Stadt fürchtet, organisiert er eine Flotte von insgesamt 70 Schiffen unterschiedlicher Flaggen und verschiffte die Truppen von Stade und Nienstedten aus nach Übersee. Allein mit diesen beiden Transportgeschäften verdient Parish 1795 mehr als 400.000 Mark. Rückblickend beschrieb er später in seinen Lebenserinnerungen, an seine Tochter Henny gewandt, die Motivation für sein Handeln: „Wurde ich dabei geleitet vom Patriotismus oder vom Selbstinteresse, liebe Henny? Ich vermute, es war eine Mischung von beidem.“


Im März 1794 erringt Gerdt Hardorff der Ältere (* 11. Mai 1769 in Steinkirchen (Altes Land); † 19. Mai 1864 in Hamburg) mit seinem Gemälde Kain, nach dem Brudermord bei der Akademieausstellung der Dresdener Kunstakademie  den 1. Preis. Im selben Jahr wurde es auch in Hamburg ausgestellt. Den ersten Zeichenunterricht erfährt er ab 1783 bei Johann Anton Tischbein am Johanneum. Auf Empfehlung Goethes wird er 1802 am Johanneum zum Zeichenlehrer erwählt. Am 1. Januar 1803 tritt er den Dienst an und wirkt auch parallel 1796–1822 an der Zeichenschule der Patriotischen Gesellschaft. Zahlreichen Malern gibt er Unterricht, das waren unter anderen die Maler Louis Asher, Johann Wilhelm David Bantelmann, Johann Hieronymus Barckhan, Karl Theodor Boehme, Peter Nikolaus Buson (1783–nach 1830), Theodor Bülau, Ferdinand Theodor Dose, Johann Gottfried Eiffe, Günther Gensler, Jacob Gensler, Georg Haeselich, seine Söhne Gerdt Hardorff der Jüngere (1800–1834) und Rudolf Hardorff (1816–1907), die Maler wurden, sein Sohn Julius Theodor Hardorff (1818–1898), der Maler und Architekt wurde, sowie die Maler Franz Heesche, Hermann Kauffmann, Henri Lehmann, Carl Julius Milde, Julius Oldach, Philipp Otto Runge, Karl Schlesinger, Emil Gottlieb Schuback, Hermann Wilhelm Soltau, Erwin Speckter, Otto Speckter, Hermann Steinfurth, Heinrich Stuhlmann und Friedrich Wasmann. Gerdt Hardorff ist ein Gründungsmitglied des im Januar 1822 gegründeten Kunstvereins in Hamburg. 1852 verleiht ihm der Hamburger Künstlerverein die Ehrenmitgliedschaft. Seine Werke befinden sich unter anderen in den Sammlungen der Hamburger Kunsthalle, des Museums für Hamburgische Geschichte, der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, des Hamburger Johanneums, des Heine'schen Wohnstifts der Hartwig-Hesse-Stiftung, der Hauptkirche Sankt Jacobi (zwei Gemälde befinden sich als Leihgabe in der St. Severini Kirche), des Schlosses Versailles und des Philadelphia Museums of Art.

Am 8. Juli 1794 stirbt in Hamburg Ernst Georg Sonnin (* 10. Juni 1713 in Quitzow). Er war einer der ersten Ingenieure, die die neuen Franklinschen Blitzableiter an Kirchtürme (St. Jakobi) montierte und durch einfache Mittel die damals schiefen Hamburger Kirchtürme 'geraderückte'. 
Im Januar 1796 tritt der berühmte Dichter Friedrich Hölderlin (* 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, Herzogtum Württemberg; † 7. Juni 1843 in Tübingen, Königreich Württemberg) seine Stelle als Hauslehrer bzw. „Hofmeister“ im Haus Weißer Hirsch der  Bankiersfamilie Gontards an. Mit der Frau Susette Gontard geb. Borkenstein (* ca. 9. Februar 1769 in Hamburg; † 22. Juni 1802 in Frankfurt am Main) muss es wohl zu einer zärtlichen Verbindung gekommen sein. Wie auch immer? Er verewigte sie als „Diotima“ in seinen Gedichten und in seinem Roman Hyperion, obwohl sie, wohnhaft in der Königstraße in Altona, vier Kinder vom fünf Jahre älteren Frankfurter Bankier Jakob Friedrich Gontard, ihrem Ehemann hatte.    

1797 gründet Salomon Heine (geboren am 19. Oktober 1767 in Hannover; gestorben am 23. Dezember 1844 in Hamburg)  zusammen mit Marcus Abraham Heckscher (1770–1823) das Privatbankhaus Heckscher & Co. 1818, inzwischen alleiniger Geschäftsführer, ändert er den Namen der Firma in Salomon Heine. In den folgenden Jahren steigt er zu einem der erfolgreichsten Hamburger Bankiers seiner Zeit auf. Sein Landhaus hatte er im westlich von Hamburg und Altona gelegenen Ottensen (heutige Adresse: Elbchaussee 31). Das zugehörige Gartenhaus ist heute ein Veranstaltungsort mit dem Namen Heine-Haus.
Salomon Heine lässt seinen Neffen den jungen Heinrich Heine  (* 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf, Herzogtum Berg; † 17. Februar 1856 in Paris), dem späteren erfolgreichen Dichter zunächst in seinem Bankhaus Heckscher & Co. in Hamburg in die Lehre gehen und ermöglicht ihm anschließend die Selbstständigkeit mit dem Tuchgeschäft Harry Heine & Comp. und hilft diesem weiter finanziell bis an sein Lebensende.
Und dies tut er aber nicht nur für ihn, auch für andere Hamburger.  Salomon Heine erwirbt ein beträchtliches Vermögen. Man nannte ihn wegen seines Reichtums – er hinterließ umgerechnet 110 Millionen € – den „Rothschild von Hamburg“.

1798 kommt Amalie Schoppe zu einem Onkel nach Hamburg und betätigt sich später als sehr erfolgreiche Schriftstellerin. Ihr Gesamtwerk umfasst 200 Bände.
1802 wird Johann Gottfried Gurlitt (* 13. März 1754 in Halle; † 14. Juni 1827 in Hamburg) durch Johann Jakob Rambach nach Hamburg berufen zur Reform des Johanneums und des Gymnasiums. Er leitet beide Anstalten bis zu seinem Tode. Seine Arbeit dort ist ebenfalls von den Gedanken der Aufklärung bestimmt. Sie verhilft der Schule zu Ansehen und lässt die Zahl der Schüler merklich steigen.
Am 23. Oktober 1802 wird Wilhelm Amsinck (* 5. Januar 1752 in Hamburg; † 21. Juni 1831 ebenda) zum Bürgermeister gewählt. In seine Amtszeit fallen die Verhandlungen um den Reichsdeputationshauptschluss 1803, die Verhängung der Kontinentalsperre 1806, die den Handelsinteressen Hamburgs schweren Schaden zufügt, sowie die französische Besetzung Hamburgs im gleichen Jahr. 


Deutsche Geschichte
21. September 1793: Mit der Eröffnung eines Badehauses wird Heiligendamm zum ersten deutschen Seebad.
Joseph Haydns 1797 uraufgeführte Vertonung des Gedichts Gott! erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz!, das Kaiserlied, wird zu den Österreichischen Kaiserhymnen und mit anderem Text später die deutsche Nationalhymne. Der Dichter Hoffmann von Fallersleben dichtet während eines Ferienaufenthalts auf Helgoland am 26. August 1841 den Text dazu.

Europäische Geschichte
26. April 1792: In der Nacht vom 25. auf den 26. April dichtet und komponiert der Offizier Rouget de Lisle im elsässischen Straßburg die Marseillaise. Sie hatte zunächst den Titel Chant de guerre pour l’armée du Rhin, d. h. „Kriegslied für die Rheinarmee“, und war dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, dem im Jahr zuvor zum Marschall von Frankreich ernannten Grafen Luckner, gewidmet. Daher ertönt die Marseillaise noch heute täglich um 12:05 Uhr vom Glockenspiel auf dem Marktplatz in Cham in der Oberpfalz, dem Geburtsort des Grafen. Heute ist dies die Nationalhymne der Französischen Republik.
Nikolaus von Luckner half dies aber nicht lange, er wurde zum Tod durch das Fallbeil verurteilt und am 4. Januar 1794 guillotiniert. Ein Jahr später wieder rehabilitiert.
13. Dezember 1799: Frankreichs Erster Konsul Napoleon Bonaparte erklärt die Französische Revolution für beendet.
Das Schiff HMS Lutine strandet am 9. Oktober 1799 während eines starken Nordweststurms auf einer Sandbank bei Terschelling. 240 Seeleute lassen beim Untergang ihr Leben, nur einer kann sich retten. Eine Fracht aus geladenem Gold und Silber im damaligen Wert von 1,2 Millionen Pfund versinkt im Meer. Bekannt ist sie bis heute vor allem durch ihre Schiffsglocke, die 1858 geborgen wurde und bis heute im Hauptsitz von Lloyd’s of London aufgehängt ist.

Weltgeschichte
Joachim Heinrich Campe erhält am 26. August 1792 neben Friedrich Schiller , Friedrich Gottlieb Klopstock , George Washington, Johann Heinrich Pestalozzi und 16 anderen Ausländern den Ehrenbürgerbrief der Republik Frankreich.
Mit dem Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges im Jahr 1793 verhängt die Französische Republik ein Handelsembargo gegen Hamburg. Diese Maßnahme trifft den Stadtstaat hart, denn Frankreich war zu dieser Zeit Hamburgs größter Wirtschaftspartner. Erst drei Jahre später gelingt es Georg Heinrich Sieveking unter persönlichem Einsatz, einen neuen hamburgisch-französischen Handelsvertrag abzuschließen. Im darauffolgenden Jahr schliessen sich die ansässigen Seeversicherer im Verein Hamburger Assecuradeure zusammen.



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