1777 bis 1787 Gedichte von Matthias Claudius bekommen unvergessliche Melodien

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion

Tremsbüttel: Ab 1777 wirkte Christian zu Stolberg-Stolberg als Amtmann in Tremsbüttel, wo er ein neues Schloss erbauen und einen Landschaftsgarten anlegen ließ.


Jersbek:
Der Gutsbesitzer von Jersbek und Stegen Paschen von Cossel (* 21. Dezember 1714 in Anklam; † 17. Januar 1805 in Jersbek) siedelt 1781 gut 30 Erbpächterfamilien auf seinen parzellierten Hoffeldern in Jersbek an.  Damit entsteht die Gemeinde Jersbek. Paschen von Cossel begann ab 1785 und damit 20 Jahre vor der offiziellen Aufhebung zum 1. Januar 1805, die Leibeigenschaft in den gutsuntergehörigen Dörfern aufzuheben.
An vielen Orten im Amt Reinfeld wird die Leibeigenschaft 1787 aufgehoben.

Ahrensburg: Samuel Ernst Helbing lernte in Dresden den Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann, dem Besitzer von Schloss Ahrensburg kennen. Als Schimmelmann einen Schnapsbrenner und Bierbrauer suchte, erinnerte er sich an diesen Bekannten und holte ihn nach Ahrensburg. Er übertrug diesem die Aufgabe, einen "typisch norddeutschen Schnaps" zu brennen. Auf Helbings Suche nach regionalen Aromen stieß dieser auf den Kümmel. Helbing erhielt dann 1778 das Erbgrundrecht auf Brennerei und Brauerei zugesprochen. Heinrich Carl von Schimmelmann stirbt am 16. Februar 1782 in Kopenhagen. Die sterblichen Überreste Schimmelmanns wurden 1785 nach Wandsbek überführt. Die Beisetzung des Grafen Schimmelmann in seinem Mausoleum erfolgte 1792, zehn Jahre nach seinem Tod. 

Eutin: 1782 wurde er Rektor des Gymnasiums in Eutin:  Johann Heinrich Voß (* 20. Februar 1751 in Sommerstorf; † 29. März 1826 in Heidelberg). Voß zog zunächst nach Wandsbek in die Nachbarschaft von Matthias Claudius.
Auf Vermittlung seines Hainbund-Freundes Friedrich Stolberg übernahm Voß die Stellung als Rektor des Gymnasiums in Eutin (der heutigen Johann-Heinrich-Voß-Schule). Er wohnte hier nach kürzeren Aufenthalten in der Wasserstraße und im provisorischen Rathaus, das wenig später zum Witwenpalais umgebaut wurde, seit dem 1. Mai 1784 im „Voß-Haus“. 
Voß unternahm während der Zeit in Eutin vielfältige Reisen und knüpfte Kontakte mit Gleim, Goethe, auch Wieland und Herder. Unter anderem empfing er Klopstock, Claudius, Jens Baggesen, Wilhelm von Humboldt und Friedrich Heinrich Jacobi als Besucher. Die Jahre in Eutin wurden seine produktivste Zeit, deren Ende durch das Zerwürfnis mit Friedrich von Stolberg eingeleitet wurde. Um die beiden Freunde herum sammelte sich der sogenannte Eutiner Kreis. Voß, bis heute berühmt für seine Übertragungen von Homers Epen (Ilias, Odyssee) und anderer Klassiker der Antike, schrieb neben Idyllen, Elegien, Oden und Lieder auch satirische Gedichte und Epigramme. In den Jahren 1785 bis 1795 veröffentlichte er in zwei Ausgaben eine Sammlung eigener Gedichte, die er später erweiterte. Die beste seiner poetischen Arbeiten ist wohl sein idyllisches Gedicht Luise (1795), in dem er mit viel Erfolg versuchte, zeitgenössisches deutsches Geistesleben und Gefühl in den Formen klassischer (antiker) Poesie auszudrücken. 

Hamburg: Der dänische Baumeister Christian Frederik Hansen, der 1783 als Landbaumeister von Holstein bestellt wurde, beginnt Spuren zu hinterlassen, ihm werden einige Herrenhäuser und das Rathaus von Oldesloe zum Beispiel zugeschrieben.

1785 erwarb der Kaufmann Caspar Voght ein Landgut in Klein-Flottbek, das er später zu einem Mustergut nach englischem Vorbild ausbaut.
Am 23. Juli 1786 unternahm Jean-Pierre Blanchard seine zweite Ballonfahrt in Deutschland über den Dächern von Hamburg. 
1787 zählte Hamburg erstmals über 100.000 Einwohner. 
Das Schimmelmann-Mausoleum (1787 bis 1791 von Gottlieb Horn errichtet) auf dem Historischen Friedhof in Wandsbek gilt als das bedeutendste klassizistische Bauwerk Nordeuropas.
1788 reformierte Caspar Voght das Hamburger Armenwesen durch die Gründung einer Allgemeinen Armenanstalt.
Der erfolgreiche Kaufmann und Bewunderer der französischen Revolution Georg Heinrich Sieveking initiierte 1790 ein „Freiheitsfest“ zum Jahrestag des Sturms auf die Bastille.
Carl Ludwig Wimmel (* 23. Januar 1786 in Berlin;) stirbt am 16. Februar 1845 in Hamburg. Ein deutscher Architekt und damals erster Baudirektor Hamburgs, unter anderem entwarf er die Millerntorwache und die Hamburger Börse.

Deutsche Geschichte
Am 15. Februar 1781 starb Gotthold Ephraim Lessing nach vierzehntägiger Krankheit an Brustwassersucht in Braunschweig. Lessing war der wichtigste Dichter der deutschen Aufklärung.
1781 wird Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft veröffentlicht. Im Original Critik der reinen Vernunft ist das erkenntnistheoretische Hauptwerk des Philosophen. 
Johann Adolph Hasse (italianisiert Giovanni Adolfo; getauft 25. März 1699 in Bergedorf) einer der gefeiertsten Komponisten des 18. Jahrhunderts stirbt am 16. Dezember 1783 in Venedig.
14. April 1783: Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel Nathan der Weise wird zwei Jahre nach dem Tod des Dichters am Döbbelinschen Theater in Berlin uraufgeführt. Lessing hat mit dem Ideendrama seinem Freund Moses Mendelssohn ein literarisches Denkmal gesetzt. 
1784 wird ein erster Kanal, der Schleswig-Holsteinische Canal, in Betrieb genommen und 1853 in Eiderkanal umbenannt , der ersten Verbindung zwischen Nord- und Ostsee für seegängige Schiffe. Daraus wird später der Nord-Ostsee-Kanal.

Europäische Geschichte
3. Juli 1778: Preußen erklärt nach vorausgegangenen diplomatischen Scharmützeln Österreich den Krieg und am 5. Juli rücken preußische Truppen in das habsburgische Böhmen vor, damit beginnt der Bayerische Erbfolgekrieg. Der Friede von Teschen wurde dann am 13. Mai 1779 in Teschen zwischen Österreich und dem Königreich Preußen geschlossen und beendete den Bayerischen Erbfolgekrieg.
1. August 1778: In Hamburg eröffnet die erste Sparkasse in Europa. Die Patriotische Gesellschaft von 1765 gründet eine „Allgemeine Versorgungsanstalt“, die auch eine so genannte „Ersparungskasse“ betreibt.
1787 wurde er Hofkapellmeister in Kopenhagen, in Lüneburg wurde er geboren und besuchte auch von 1759 bis 1764 das Johanneum in Lüneburg: Der Komponist Johann Abraham Peter Schulz (* 31. März 1747 in Lüneburg; † 10. Juni 1800 in Schwedt) 
Schulz, der auch in der Geschichte der dänischen Musik eine bedeutsame Rolle spielte, war zunächst Organist in Berlin, bevor er als Klavierbegleiter einer polnischen Prinzessin ausgedehnte Reisen unternahm. Von 1780 an war er sieben Jahre lang Prinzlicher Hofkapellmeister zu Rheinsberg. Durch seine Musik zu Jean Ragines Schauspiel Athalie wurde der König von Dänemark auf ihn aufmerksam und holte ihn als Hofkapellmeister nach Kopenhagen. Außer Kirchen- und Bühnenmusik schrieb Schulz viele Opern, darunter auch einen Barbier von Sevilla (1786). Seine in Kopenhagen entstandenen Opern sind durchwegs von der dänischen Volksmusik beeinflusst. 
Man sagt ihm zahlreiche Freundschaften mit Literaten und Musikern seiner Zeit nach, darunter Johann Heinrich Voß, Matthias Claudius, Friederike Brun und Johann Friedrich Reichardt. Er war ein Verehrer Carl Philipp Emanuel Bachs und Friedrich Schillers. 
Seine eigentliche musikgeschichtliche Bedeutung gewann Schulz als Vertreter der sogenannten Berliner Liederschule. Seiner Forderung, das Lied solle den "Schein des Bekannten" haben, wurde er in vielen bekannten Kompositionen  gerecht. 
Heute erinnert man sich seiner insbesondere als Komponist der Melodie zu Matthias Claudius' Gedicht „Abendlied“ („Der Mond ist aufgegangen“) sowie des Weihnachtsliedes „Ihr Kinderlein, kommet“ („Alle Jahre wieder“ ist, wenn auch bisweilen so zu lesen, nicht von Schulz komponiert, sondern von Friedrich Silcher). Ganz gewiss aber stammt von Johann Abraham Peter Schulz die Vertonung von Matthias Claudius Text "Serenata im Walde zu singen": "Wenn hier nur kahler Boden wär, wo jetzt die Bäume stehn, das wäre doch bei meiner Ehr', Ihr Herrn nicht halb so schön." Ein weiteres Kirchenlied, durch das Schulz heute noch bekannt ist, ist „Wir pflügen und wir streuen“. Seine Lieder im Volkston (1782) basieren auf Dichtungen des Göttinger Hainbundes. 

17. August 1786: Der preußische König Friedrich der Große stirbt nach rund 46-jähriger Regierungszeit im Schloss Sanssouci in seinem Sessel. 


Weltgeschichte
19. Oktober 1781: Mit der Kapitulation der eingeschlossenen britischen Einheiten bei Yorktown, Virginia, die von der Versorgung abgeschnitten sind, geht der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg zu Ende. Es kommt zu einem vorläufigen Friedensabkommen am 30. November 1782. Erst am 3. September 1783 wird im Frieden von Paris endgültig die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika vom Königreich Großbritannien anerkannt. 
Die Beendigung brachte Hamburg einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Waren die hamburgischen Kaufleute bisher durch die Navigationsakte vom Direkthandel mit Übersee ausgeschlossen gewesen, so kamen nun Waren wie Tabak, Reis und Indigo auf direktem Weg aus den Häfen der amerikanischen Ostküste in die Hansestadt. Kaufleute wie John Parish (* 23. Februar 1774 in Hamburg; † 2. September 1858 in Senftenberg, Böhmen), Georg Heinrich Sieveking oder Caspar Voght (* 17. November 1752 in Hamburg; † 20. März 1839 ebenda), die die Chancen der neuen Handelssparte frühzeitig erkannten, erzielten hohe Gewinne.
Die erste Luftschifferin der Welt trat in Erscheinung. Dies war Madame Thible. Sie stieg mit der Montgolfiere "Le Gustave" am 4. Juni 1784 in Lyon auf.



Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.