Die Jahre 1699 bis 1709 bis zur Wende im Nordischen Krieg

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion
Der 20-jährige Johann Sebastian Bach wandert im November 1705 zu Studienzwecken von Arnstadt nach Lübeck und sucht dort Dietrich Buxtehude, den 70-jährigen Organisten der Marienkirche auf, der von ihm sehr angetan ist. Am 19. Mai 1707 stirbt Dietrich Buxtehude dann in Lübeck.
Gut Tangstedt 
1699 kaufte der schleswig-holsteinische Politiker Magnus von Wedderkop Tangstedt.
Hamburg:
26. Oktober 1701: Eine Oper von Reinhard Keiser wird anlässlich des Geburtstags der preußischen Königin Sophie Charlotte von Hannover am Theater am Gänsemarkt in Hamburg uraufgeführt.
1703 lernte Johann Mattheson an der Hamburger Oper Georg Friedrich Händel kennen und schloss eine lebenslange, wenn auch nicht unproblematische Freundschaft mit ihm.

Johann Mattheson (* 28. September 1681 in Hamburg; † 17. April 1764 ebenda) begann als musikalisches Wunderkind: Mit neun Jahren beherrschte er mehrere Orchesterinstrumente und sang, sich selbst auf der Harfe begleitend, selbstkomponierte Lieder. Auch war er schon sehr früh Organist an verschiedenen Kirchen Hamburgs. Später studierte er Jura, nachdem er Englisch, Italienisch und Französisch gelernt hatte, und war mit 15 Jahren Erster Sopran am Kieler Opernhaus. 1699 wurde er Komponist und Dirigent an der Hamburger Oper. Von 1706 bis 1755 stand er in den Diensten des englischen Gesandten. 1715 wurde er Musikdirektor am Hamburger Dom, musste dieses Amt jedoch 1728 aufgeben, da sein Gehör nachließ. 

Mattheson hat viele Kompositionen hinterlassen, darunter 28 Oratorien, Cembalosuiten, Triosonaten und vieles mehr. Bedeutender und einflussreicher waren seine zahlreichen Schriften über musikalische Themen, die ihn zum Musikpapst der damaligen Zeit machten. Er verfasste unter anderem Der vollkommene Capellmeister (1739), Grundlagen einer Ehren-Pforte (1740) und gab eine Übersetzung von John Mainwarings Händelbiografie heraus (1761). 
Als Dietrich Buxtehude einen Nachfolger für sich als Organist an der Lübecker Marienkirche suchte, bewarb sich Mattheson um die Stellung und reiste gemeinsam mit Händel nach Lübeck. Beide verzichteten jedoch auf das Amt, da es mit der Bedingung verknüpft war, die offenbar reizlose, älteste Tochter des Vorgängers zu heiraten. Stattdessen willigte Johann Christian Schieferdecker (auch Schiefferdecker; * 10. November 1679 in Teuchern bei Weißenfels; † 5. April 1732 in Lübeck)  in die Heirat ein.

1705 wird Nicolaus Staphorst (* 1. August 1679 in Hamburg; † 7. Juli 1731 ebenda) zum Pastor an der St. Johanniskirche in Hamburg ernannt. Er beschäftigte sich neben seinem Amt als Pastor hauptsächlich mit der Hamburger Kirchengeschichte und gab ein umfangreiches Werk Historia Ecclesiae Hamburgensis diplomatica, das ist: Hamburgische Kirchen-Geschichte, Hamburg 1723 bis 1729, heraus. 

Deutsche Geschichte
In München wird 1700 ein Handelsgeschäft gegründet, aus dem sich die Delikatessenhandlung Dallmayr entwickelt.
11. Juli 1700: In Berlin wird die Preußische Akademie der Wissenschaften gegründet, deren erster Präsident Gottfried Wilhelm Leibniz wird.
Zusammen mit dem Lübecker Theologen August Hermann Francke gründete Friedrich IV. der dänisch/norwegische König 1704 die Dänisch-Hallesche Mission in der ostindischen Kolonie Tranquebar.  Er gründete 200 Schulen auf den Krongütern und sorgte damit für den Unterricht von Bauernkindern.
Im Juni 1708 reist Johann Sebastian Bach nach Weimar und spielte vor dem Herzog Wilhelm Ernst. Dieser bietet ihm die Stelle als Hoforganist und Kammermusiker mit einem Gehalt von 150 Gulden zuzüglich Naturalien an. Er komponiert in Weimar die Toccata C-Dur. Er ist dabei im Stil stark von Dietrich Buxtehude beeinflusst.
Von 1708 bis 1714 wütet die Pest in Siebenbürgen, Polen, Litauen, Ostpreußen, Kurland, Livland, Estland, Pskow und Nowgorod in Russland, Finnland, Schweden, Hinterpommern und Schwedisch-Pommern, Dänemark, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen-Verden, Ungarn, Böhmen und Mähren, Österreich und der Oberpfalz. In Danzig sterben von Juli bis Dezember 23.000 Menschen, fast die Hälfte der Bevölkerung.
24. November 1709: Damit zumindest die Untertanen in Berlin verschont werden und König Friedrich nicht anstecken können, wird die Stadt abgeriegelt und mit Kabinettsorder die Einrichtung eines Pesthauses angeordnet. Daraus wird 1710 die Berliner Charité.


Europäische Geschichte
Schweden war ja schon Großmacht, als Garantiemacht des Westfälischen Friedens im Jahre 1648 ganz offiziell zur europäischen Großmacht aufgestiegen. Bereits 1617 hatte es dem Zarenreich im Frieden von Stolbowo den Zugang zur Ostsee genommen. Trotzdem gab es ja schon mehrfachere kleinere Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Karl XII. von Schweden, auch latinisiert Carolus Rex, (* 17. Juni jul./ 27. Juni 1682 greg. in Stockholm; † 30. November jul./ 11. Dezember 1718 greg. bei Fredrikshald) trat seine Thronfolge nach dem Tod seines Vaters am 14. Dezember 1697 im Alter von fünfzehn Jahren an, indem er sich selbst zum König ausrief und eine Regentschaft ablehnte, wodurch der schwedische Reichstag (die vier schwedischen Reichsstände) ihn für volljährig erklärte. Genannt wurde er auch der letzte Wikinger, war überzeugter Lutheraner, genialer Feldherr, aber eigensinniger Politiker. Gegen ihn betreibt Zar Peter I. 1699 eine Allianz mit Sachsen/Polen unter August dem Starken, damals auch König von Polen und Dänemark.
1700: Der schwerste von allen Kriegen dieses Zeitraumes  war dann der große nordische Krieg, in den gleichfalls Schweden zusammen mit dem ihm durch nahe verwandschaftliche Beziehung verbundenen Herrscherhause zu Schleswig-Holstein-Gottorf im Mittelpunkt stand. Nicht nur militärisch, sondern auch politisch wurde Stormarn auch besonders in seinem östlichen Teil sehr hart berührt. 
11. März 1700: Dänemark erklärt Schweden den Krieg und marschiert in das schleswig-holsteinische Teilherzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf ein. Um dem von den Dänen bedrängten Gottorfschen Gebiet in Stormarn zu Hilfe zu kommen, überschritten die Schweden und Braunschweig-Lüneburger am 29. Mai 1700 die Elbe am Zollenspieker und bei Boizenburg, warfen die Dänen zurück und stießen in östlicher Richtung vor bis nahe an die Tore Lübecks. 
Wie schon seine Vorgänger, so versuchte auch Friedrich IV. (auch Frederik IV., * 11. Oktober jul./ 21. Oktober 1671 greg. in Kopenhagen; † 12. Oktober 1730 in Odense) den königlichen Anteil an den Herzogtümern Schleswig und Holstein zu vergrößern. Er war jedoch durch seine deutschen Ehen ebenso wie durch seine deutschen Mätressen mit der dänischen Sprache wenig vertraut, die er nur bei feierlichen Anlässen benutzte. Trotzdem war er König von Dänemark und Norwegen und Herzog von Schleswig und Holstein von 1699 bis 1730. Er marschierte mit seinen Truppen in Schleswig-Holstein ein und belagerte die Festung Tönning.
Johann Reinhold von Patkul (* Juli 1660 in Stockholm; † 11. Oktober 1707 beim Kloster Kasimierz bei Posen) der  livländische und sächsische Staatsmann stellt Livland unter polnischen Schutz. Er erreichte, dass 1699 mit Dänemark und Russland ein gegen Schweden gerichtetes Bündnis abgeschlossen wurde.
Mit britisch-holländischer Flottenhilfe landet Karl XII. auf Seeland und schlägt Dänemark. Das führt am 18. August 1700 zum Frieden von Travenda oder Traventhal. Der hielt aber nicht lange. Das Schloss Traventhal steht aber auch nicht mehr.
Bei der Schlacht von Narva im heutigen Estland wurde am 19.jul./ 20.schwed./ 30. November 1700 greg. zwischen den Truppen des schwedischen Königs Karl XII. und der russischen Armee von Peter I. unter Kommando von Charles de Croÿ ausgetragen und endete mit einem Sieg der Schweden wodurch die Belagerung Narvas aufgehoben wurde. Anstatt das russische Heer (60.000 Mann) zu vernichten, wendet sich Karl XII, vermutlich aus persönlichem Hass gegen den Konvertiten August II., der aus Polen vertrieben wird.1704 kommt es zur Wahl von Stanislaus I. Leszczynskis zum König von Polen. August der Starke war in Verruf geraten, seine Wahl 1697 soll ihn an Schmiergeldern für den polnischen Adel 39 Millionen Reichstaler gekostet haben.
Am 23. März 1702 verließen die Schweden ihr Winterquartier und fielen in Polen ein. 
Dann gab es noch einen anderen Friedrich IV. (* 18. Oktober 1671 auf Schloss Gottorf (Schleswig); † 19. Juli 1702 in der Schlacht bei Klissow im heutigen Polen, gefallen). Er war Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf von 1695 bis 1702. Dieser erhielt Unterstützung von seinem Schwager Karl XII. von Schweden, dessen Armee Kopenhagen bedrohte.
1703 wird in den Sümpfen der Newamündung dann Petersburg gegründet. Die Grundsteinlegung der Peter-und-Paul-Festung an der Newa durch Peter I. am 27. Mai gilt als Gründungsdatum für die Stadt.
Kampfhandlungen erfolgen im Ostseeraum ununterbrochen. Zum Beispiel in der Schlacht bei Wesenberg (estnisch Rakvere) am 26. Juni 1704. Bei diesem Wesenberg, das nicht das Wesenberg in Stormarn ist, besiegte eine russische Streitkraft unter Carl von Rönne eine schwedische Abteilung unter Kommando von Wolmar von Schlippenbach. 
Am 13. Februar 1706 kommt es zur Schlacht bei Fraustadt, der Stadt Wschowa im heutigen Polen. Es gelingt den Schweden unter Carl Gustaf Rehnskiöld ein großer Sieg über das sächsisch-russische Heer, das von Johann Matthias von der Schulenburg kommandiert wird, wobei eine ganze Kavalleriedivision desertiert und zahlreiche gepresste Soldaten zu den Schweden überlaufen. Nach den Desertionen werden dreißig sächsische Dragoner  am 27. April zum Spießrutenlaufen verurteilt, neun am Pfahl aufgehängt, drei an den Galgen gehängt, zwei enthauptet und anschließend auf das Rad geflochten.
Es kommt 1706 zum Frieden von Altranstädt, Augusts Kurfürstentum blieb besetzt, es musste für den Unterhalt des schwedischen Heeres sorgen und Kontributionen zahlen, monatlich 500.000 Taler in bar und 125.000 Taler in Naturalien. Die schwedische Besetzung kostete Sachsen etwa 23 Millionen Taler und dauerte ein Jahr. Nach der schwedischen Niederlage gegen Russland im Juli 1709 in der Schlacht bei Poltawa, setzte August II. an der Seite des Zaren den Krieg fort. Am 8. August 1709 zog er seine Unterschrift unter den Altranstädter Frieden zurück und ließ sich durch den Papst vom Vertrag entbinden.
Inzwischen hat Peter I. sein Heer erneuert und Schlüsselburg (=Nöteborg), Iwangorod und Narwa 1704 zurückerobert. 
1708/09 unternimmt Karl XII. seinen Russlandfeldzug. Es kommt zur Vereinigung mit dem Kosaken-Hetman Iwan Mazepa zur Befreiung der Ukraine und zum Vorstoß auf Moskau. Dann kam der Wintereinbruch und Seuchen und russische Überfälle dezimieren das entkräftete Heer, dennoch wagt Karl XII. die Schlacht bei Poltawa (8. Juli 1709), aber der russische Zar Peter I. besiegt Schweden in der Schlacht bei Poltawa, am Fluss Worskla in der heutigen Ukraine und leitet damit die Kriegswende im Großen Nordischen Krieg ein.
Die Kapitulation endet bei Perewolotschina als totale schwedische Niederlage. Das war die erste Russlandkatastrophe der Neuzeit, später sollten Napoleon und Hitler den gleichen dramatischen Fehler begehen. 
Die Schlacht bei Poltawa war so bedeutend, dass ihr sogar eine moderne russische Münze (in Platin) gewidmet wurde.
Der verwundete Karl II. entkommt in die Türkei und treibt den Sultan Ahmed III. zum russisch-osmanischen Krieg (1711). Das russische Heer wird am Pruth umzingelt, doch erreicht Zar Peter I. durch Bestechung freien Abzug gegen das Verzicht auf Asow im Frieden von Husi.

16. Februar 1707: Im schottischen Parlament wird über den Act of Union abgestimmt. Mit 110:69 Stimmen wird der Vereinigungsvertrag mit England gebilligt. Eine Reihe von Abgeordneten hat sich bestechen lassen oder erhofft sich mit dem „Ja“ Entschädigungen für ein fehlgeschlagenes Projekt.
25. April: Das schottische Parlament löst sich auf und wird in der Folge später mit dem englischen Parlament zum britischen Parlament vereinigt.
1. Mai: Durch die Vereinigung der Königreiche England (mit dem Fürstentum Wales 1536) und Schottland entsteht das Königreich Großbritannien.
Auf dem von ihm erbauten Schloss Clausholm stirbt am 21. Juli 1708 Conrad von Reventlow, seit 1673 Graf von Reventlow (* 21. April 1644 in Kopenhagen). Er war dänischer Premierminister und Großkanzler. 
Conrad Reventlow gründete die jüngere Linie des in Dänemark, Schleswig und Holstein weitverzweigten gräflichen Geschlechts Reventlow. Sein Sarkophag, gefertigt von dem flämischen Bildhauer Thomas Quellinus, steht im Schleswiger Dom.

Weltgeschichte
Isaac Newton entwickelt einen Sextanten, den er 1700 der Royal Society vorstellt.
Im Oktober 1704 wurde der schottische Seemann Alexander Selkirk alleine auf der zum Juan-Fernández-Archipel gehörenden unbewohnten Insel Más a Tierra zurückgelassen. Sein Schicksal wird Vorbild für den Roman Robinson Crusoe von Daniel Defoe.
Der italienische Bauer Ambrogio Nucerino entdeckt 1709 beim Ausheben eines Brunnens in seinem Gemüsegarten antike Marmorfragmente. Es stellt sich heraus, dass er das seit 1600 Jahren verschüttete Herculaneum entdeckt hat.

 

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