Schallplatten aus Hamburg

1796 war es: Der Schweizer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon experimentiert mit Metallwalzen, die Melodien abspielen können. 90 Jahre später gilt der Wachszylinder von Chichester A. Bell und Charles S. Tainter als erstes Speichermedium für Musik. 1878 erhielt der US-Amerikaner Thomas Alva Edison das Patent für seinen Phonographen. 



Der hannoversche Kaufmannssohn Emil Berliner (in den USA nannte er sich Emile Berliner; * 20. Mai 1851 in Hannover; † 3. August 1929 in Washington, D.C.) meldet am 8. November 1887 sein Patent "Verfahren und Apparat für das Registrieren und Wiederhervorbringen von Tönen" beim Kaiserlichen Patentamt an. Die erste Schallplatte aus Zinkblech läuft etwa eine Minute lang, später verwendet Berliner Schellack. Das Abspielgerät nennt er Grammophon.

Die Deutsche Grammophon Gesellschaft wurde am 6. Dezember 1898 vom Deutsch-Amerikaner Emil Berliner und seinem Bruder Josef in ihrer Geburtsstadt Hannover gegründet. Als Muttergesellschaft gilt die im englischen Hayes ansässige Gramophone Company. Sie ist das älteste Schallplattenlabel bzw. Tonträgerunternehmen der Welt, aus welchem 1972 die PolyGram hervorging, die 1998 wiederum in der Universal Music Group aufging. 
Das Unternehmen galt im 20. Jahrhundert als Qualitätsführer im Bereich der Kunstmusik-LPs und war für seine hohen Ansprüche bekannt. Es produzierte zahlreiche berühmte Aufnahmen weltbekannter Orchester und Musiker.
Emil Berliner  gilt als Erfinder der Schallplatte und des Grammophons. Er erhielt auch Patente auf andere Erfindungen. 1881 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.
Er entwickelte auch das erste Mikrofon für Bell-Telefone.

Die industrielle Produktion von Single-Schallplatten und Langspielplatten nahm sofort enorme Ausmaße an. So wurden im ersten Jahr täglich rund 25.000 Schallplatten gepresst. Vorausgegangen war ein "Formatkrieg" um Größen und Tempi der Platten. Die Sieben-Zoll-Singles sollten ursprünglich als buchähnliche Sammlungen im Schuber vermarktet werden, daher stammt der Name "Album" für einen Tonträger mit mehreren Stücken.
Im Jahre 1917 wurde die Deutsche Grammophon AG an die Leipziger Polyphon Musikwerke AG verkauft und der Firmensitz von Hannover nach Berlin in die Markgrafenstraße 76 verlegt.
In den ersten Jahren war der eine Schallplatte beschreibende Engel das Markenzeichen für die Produkte der Firmen der Gebrüder Berliner. Dieser wurde durch den heute weltberühmten, vor dem Grammophon sitzenden Hund namens Nipper abgelöst. Das Markenzeichen His Master’s Voice wurde im Mutterhaus nach einem Gemälde des Künstlers Francis Barraud geschaffen. Zunächst saß der Hund vor einem Phonographen von Edison. Nachdem die Firma Edison aber den Kauf ausgeschlagen hatte, wurde der Phonograph mit einem Grammophon von Berliner übermalt und das Bild anschließend den Brüdern Berliner zum Kauf angeboten. Diesen gefiel es so gut, dass sie es kauften und weitere Kopien davon bestellten.

Aufgrund der Bestimmungen des zum Ende des Ersten Weltkrieges ausgehandelten Versailler Vertrages durfte die inzwischen vom Mutterhaus unabhängige Deutsche Grammophon AG außerhalb des deutschen Reichsgebietes ihr Markenzeichen und den Namen „Grammophon“ nicht mehr nutzen. Zum Export wurde daher das Label Polydor gegründet. Dem ehemaligen Mutterhaus, der englischen Gramophone Company, war es im Gegenzug wiederum nicht gestattet, ihre Markenzeichen und Namen in Deutschland zu nutzen, weshalb diese 1924 die Electrola-Gesellschaft in Nowawes gründete. Im Jahr 1933 fiel das Unternehmen der Arisierung zum Opfer. Die anschließende Emigration, zu der die Eigentümer und etliche der verpflichteten Künstler 1933 gezwungen waren, führte zu Einbußen in der künstlerischen Qualität sowie der Breite des Plattenrepertoires. 1937 übernahm Telefunken die DG, reichte die Anteile aber schon 1941 an Siemens & Halske weiter. 

Während des Zweiten Weltkrieges wollte das NS-Regime die Plattenindustrie durch eine Altplattenverwertung mit den benötigten Werkstoffen am Leben erhalten. Dennoch brach um 1943 die Schallplattenproduktion weitgehend zusammen; lediglich für den Bedarf des Rundfunks wurden bis Kriegsende Platten hergestellt.
Die Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. (ab 1955 Telefunken GmbH) war ein deutsches Unternehmen der Funk- bzw. Nachrichtentechnik. Telefunken und seine Nachfolgeunternehmen bauten Sende- und Empfangsgeräte für die Funktelegrafie, den Rundfunk sowie die drahtlose und kabelgebundene Übertragungstechnik. Das 1903 von den beiden Elektrokonzernen Siemens & Halske (S & H) und AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) gemeinsam gegründete Unternehmen hielt über 20.000 Patente, war führend an der Entwicklung der Radartechnik beteiligt und Erfinder des Farbfernsehens nach dem PAL-System.
AEG betrieb bis 1954 in Wedel Studio-Magnettongeräteproduktion, man engagierte sich auch im Schiffbau, z.B. war die AEG in den 1970/80er-Jahren der Generalunternehmer für den Bau von 6 Fregatten der Bremen-Klasse.
Heute gibt es von Telefunken nach der AEG-Auflösung nur noch den Namen.
SIEMENS betreibt in Hamburg und Umgebung an Produktion Elektrotechnik für den Schiffbau und vieles andere an Industrieelektronik. 

Eine Goldene Schallplatte ist in der Musikindustrie ein Preis, der an Musiker, Produzenten und Komponisten für den Verkauf einer Mindestanzahl an Ton- oder Bildtonträgern in einem Land verliehen wird, wobei alle Formate wie CD, LP, DVD und auch Downloads gezählt werden.
Zusätzlich gibt es die Auszeichnung Platin-Schallplatte für noch höhere Verkaufszahlen, in der Regel doppelt so hohe wie bei der Goldenen Schallplatte. Zur weiteren Steigerung gibt es Dreifach-Gold, Doppel-Platin, Fünffach-Gold und so weiter, in einigen Ländern wie den USA als besondere Steigerung die Diamantene Schallplatte. Die Silberne Schallplatte für eine geringere Anzahl von verkauften Einheiten wird nur in wenigen Ländern, wie etwa Großbritannien, verliehen. 
Die Preise werden in den USA seit 1958 von der Recording Industry Association of America (RIAA) und in anderen Ländern seit den 1970er Jahren von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) verliehen. Die Goldene Schallplatte soll dabei als Auszeichnung für eine „gleichermaßen künstlerisch wie wirtschaftlich erfolgreiche Produktion“ stehen. 
Die Idee der Goldenen Schallplatte geht auf die Plattenfirma American Record Corporation zurück. Ihr Vorstand Arthur E. Satherly überreichte gegen Ende des Jahres 1931 Gene Autry öffentlich eine mit Gold überzogene Kopie seiner Single That Silver Haired Daddy of Mine, nachdem diese über 500.000-mal verkauft worden war. Am 10. Februar 1942 bekam Glenn Miller während einer Radiosendung eine goldene Schallplatte von der Plattenfirma RCA-Victor für den Verkauf von über 1,2 Millionen Exemplaren von Chattanooga Choo Choo. Dies gilt nach einigen Quellen als erste offiziell verliehene Goldene Schallplatte. Dieser Titel feierte später in der deutsch-sprachigen Version als Sonderzug nach Pankow mit Udo Lindenberg große Erfolge.
Von einigen Stars, die die Plattenverkäufe ankurbelten wollen wir hier auch berichten.

Grand Prix Eurovision de la Chanson in London 1968: Der junge Karel Gott (* 14. Juli 1939 in Pilsen; † 1. Oktober 2019 in Prag) erreicht zwar nur den 13. Platz (mit "Tausend Fenster", komponiert von Udo Jürgens),  das war dann aber sein Durchbruch. Die Polydor aus Hamburg kümmerte sich um ihn, später wurde der Vertrag für "Die goldene Stimme aus Prag" -so der Titel eines Albums - auf Lebenszeit verlängert. Schätzungen zufolge verkaufte er in seiner Karriere mehr als 50 Millionen Tonträger. Er nahm mehr als 120 Alben und 75 Singles auf. In Erinnerung wird er uns immer bleiben mit seinem Hit zur Kinderserie "Die Biene Maja".


Andere Tonaufzeichnungsmedien entwickelten sich unterschiedlich erfolgreich. 
Die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) entwickelt das erste Kunststoff-Magnettonband, das L-Typ-Band. Es basiert auf einer Erfindung des Deutsch-Österreichers Fritz Pfleumer, der 1928 in Dresden erfolgreich mit Papiertonbändern experimentiert hatte. 1953 folgt mit dem Stereo-Tonband das erste Massenmedium im Zweikanalton.
Philips stellt am 28. August 1963 auf der 23. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin die Kompaktkasette sowie den Kasettenrekorder Philips EL 3300 vor. Die Musikindustrie befürchtet Umsatzeinbußen durch Direktaufnahmen aus dem Radio und startet später die Kampagne "Home Taping Is Killing Music". Der digitale Nachfolger DAT floppt.
Am 17. August 1982 beginnt im Polygram-CD-Werk in Langenhagen bei Hannover die Produktion der ersten kommerziellen Compact Disc (CD). Es handelt sich um Abbas letztes Album "The Visitors". Die CD war 1981 auf der Berliner Funkausstellung als digitaler Nachfolger der LP präsentiert worden. 1983 kostete eine CD zwischen 30 und 45 DM. 
Im Fraunhofer- Institut Erlangen beschließen acht deutsche Wissenschaftler das von ihnen entwickelte Dateiformat "ISO Standard IS 11172-3 MPEG Audio Layer 3" ab sofort mit der Endung mp3 zu versehen. Das Format komprimiert Musikdateien auf etwa ein Zwölftel ihrer Größe im Vergleich zur CD-Datei und löst damit eine Revolution aus.
Ab 1999 dann wird das Tauschen von digitalen Musikdateien zu einem globalen Phänomen. Das führt dazu, dass die Umsätze in der Musikindustrie einbrechen. Die Musiktauschbörse Napster geht online. Schon kurz nach dem Start werden monatlich rund zwei Milliarden MP3-Dateien getauscht. 2001 stellt Apple den iPod vor, zwei Jahre später den iTunes Music Store.
Das im Augenblick größte Musikstreamingportal mit Namen Spotify startet 2008. Seit 2012 ist es auch in Deutschland aktiv. Streaming, also die Miete einer Datei, ist die populärste Art des Musikkonsums, Videos folgen. Die Downloadraten für Kaufdateien sinken. Auch Apple steigt 2015 mit Apple Music in das Streaminggeschäft ein. 
Die alte gute Vinyl-Schallplatte rettet sich für Nostalgiker in eine Nische. 

 

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