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Erste Autos in Lübeck

 


Lübeck rühmte sich einst, als erste Kommune die Innenstadt gänzlich vom Auto befreit zu haben. Vorerst nur am Sonnabend und Sonntag, um den Termin der weiteren Aussperrung wurde noch gerungen. Auch über eventuelle Ausnahmen diskutierten vor 30 Jahren die Kommunalpolitiker noch heftig und anhaltend. Fest stand aber für alle: Die für mittelalterliche Maßstäbe hervorragend geplanten Straßen der Stadt verkrafteten den Verkehr schon lange nicht mehr. Bis heute hat sich aber nicht mehr viel geändert, ständig werden neue Konzepte diskutiert.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Konzentriert auf die neue Technik, lenkten die ersten Automobilisten 1903 ihre knatternden Gefährte. Damit alles seine Ordnung hatte, war jedes motorisierte Gefährt bei der Polizei anzumelden. Gegen die Erstattung einer geringen Selbstkostengebühr bekam jeder für sein Automobil ein Erkennungszeichen mit dem "L" für Lübeck. Das galt, bis das Fürstentum Lippe den Buchstaben für sich reklamierte. Lübeck fügte sich und setzte vor das "L" ein "H". Das neue Zeichen "HL" galt bis 1937. 

Autos in LübeckFoto Oldtimer (Re. Bolzmann 2008)

Dann verlor Lübeck durch das Groß-Hamburg-Gesetz seine Selbständigkeit und wurde eingegliedert. Und damit war es auch mit dem eigenständigen Zeichen vorbei. Fortan trugen Fahrzeuge aus Lübeck das Kennzeichen "IP".  Dem folgte das Kennzeichen der britischen Besatzungszone, bis das alte "HL" wieder zu Ehren kam. Nach der Wiedervereinigung tragen Leipziger Autos jetzt das "L".Die Entwicklung des Verkehrs beschleunigte sich in Lübeck so, wie die Autos zunehmend schneller wurden. Nachdem 1903 die ersten Autos angerollt waren, hatte die Polizei bis 1906 für Krafträder 85 und für Autos 21 Kennzeichen ausgegeben. 1930 waren dann 2681 Kraftfahrzeuge zugelassen. Damals hatte Lübeck 137.000 Einwohner. Somit war jeder 48. Bürger Besitzer eines Kraftfahrzeuges. Richtig Tempo nahm die Entwicklung jedoch erst in jüngster Zeit auf. 1950 waren 5000 Autos in der Stadt angemeldet. 1960 waren es bereits 20.000 und 1992 hatte die Stadt 100.000 in Lübeck zugelassene Fahrzeuge zu verkraften.Die Grenze der Belastbarkeit ist damit deutlich überschritten.Doch wer beim Blick zurück glaubt, in der Vergangenheit sei alles einfacher gewesen, der sei an die Sorgen des Lübecker Rates aus dem Jahre 1782 erinnert. Damals sahen sich die Stadtväter veranlasst, ein Mandat "zur Ordnung der Kutschen vor dem Schauspielhaus" zu erlassen. Denn: "…wenn das Schauspielhaus stark mit Besuchern besetzt ist und sich vor dem Theater viele wieder abholend Kutschen einfinden, diese dermaßen aneinander geraten, daß daraus leicht ein Unglück entstehen kann oder Pferde und Wagen Schaden nehmen …, so wird angeordnet, daß alle Kutschen sich in Zukunft hintereinander in zwei Reihen aufzustellen haben." Ein Unteroffizier und zehn Soldaten wurden abkommandiert, auf die Ordnung zu achten.

Krupp

 

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