Der Stuhlmannbrunnen Hamburg "erfreut die Sinne"

Um die Jahrhundertwende meldeten die Altonaer Nachrichten: Als eine "Sehenswürdigkeit ersten Ranges in der Stadt Altona" nahm der Stuhlmannbrunnen zu Pfingsten am 1. Juni 1900 seine Wasserspiele auf. 

Halb Altona muss auf den Beinen gewesen sein, um dieses Schauspiel "Schlag Zwölf" mitzuerleben.

Einen Boom öffentlicher Skulpturen gab es um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderts. Der Bildhauer Paul Türpe (* 16. Juni 1859 in Berlin; † 20. Juni 1944 offenbar in oder bei Posen) schuf für Altona ein eindrucksvolles Brunnenszenario. Zwei mächtige Kentauren, mythische Wesen aus der Antike, halb Mensch halb Pferd, ringen um ihre Beute, einen großen Fisch. 


Weitere Fabelwesen wie Triton, Nereiden sowie 4 Echsen sprühen Wasserstrahlen auf die kämpfenden Kentauren - anscheinend voller Zorn über den Fang. In der Bildenden Kunst dieser Zeit wurden oftmals Gestalten aus antiken Mythen zu Sinnbildern der in der Natur wirkenden Kräfte. Sich im spritzenden Wasser scheinbar bewegende Meereswesen waren das Motiv vieler Brunnenanlagen.
Solche Kunst- und Zierbrunnen sollten Plätze und Grünanlagen verschönern und die Errungenschaft fließenden Wassers aus der Leitung feiern. So war es denn auch der Gründer der Altonaer Wasserwerke, der wohlhabende Bürger Günter Ludwig Stuhlmann (* 10. Februar 1797 in Neumühlen; † 30. März 1872 in Nizza), der den nach ihm benannten Brunnen stiftete. Trinkwasser zu liefern war nicht mehr Aufgabe des Stuhlmannbrunnens, vielmehr sollte er die Sinne erfreuen. Mit der Vielfalt und Fülle seines Wasserspiels übertraf er alle anderen Brunnen seiner Zeit in Hamburg und Altona.

Der seit 1895 angelegte heutige Platz der Republik sollte die Funktionen von Stadtverwaltung, Kultur, Wirtschaft und Verkehr repräsentativ vereinen. Die Gebäude des Bahnhofs, der Königlichen Eisenbahndirektion, des Museums sowie des Rathauses wurden um den Platz herum im prunkvollen, historisierenden Stil der Kaiserzeit errichtet. Auf dem damaligen Kaiserplatz, dem neuen Zentrum des preußisch regierten Altona, wurde der Stuhlmannbrunnen als das bürgerliche Gegenstück zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal vor dem Altonaer Rathaus aufgestellt.
Die Familie von Günther Ludwig Stuhlmann besaß in Neumühlen im Stadtteil Ottensen eine Kalkbrennerei. 1854 übergab die Stadt Altona Günther Ludwig Stuhlmann die Rechte für beine moderne Gas- und Wasserversorgung der Stadt. Er leitete schon mehrere Jahre lang eine Gasanstalt, die zur Erleuchtung des Kasinos in Kopenhagen diente und auch von ihm errichtet worden war. 
Schon ein Jahr später verkauften Stuhlmann und sein Compagnon die neugegründete Gas- und Wasser Aktiengesellschaft.
Die Altonaer Gasanstalt wurde 1857 auf dem Stuhlmannschen Gelände in Neumühlen errichtet, die Wasserkunst allerdings aus Platzgründen elbabwärts nach Blankenese verlegt. Aus der Pacht für das Grundstück der Gasanstalt vermachte Stuhlmann der Stadt Altona eine Geldsumme für die Errichtung eines öffentlichen Brunnens.
1896 schrieb die Stadt Altona einen Wettbewerb zur Bestaltung eines Brunnens aus, den der Bildhauer Paul Friedrich Carl Türpe (* 16. Juni 1859 in Berlin; † 20. Juni 1944) gewann. 1859 als Sohn eines Bäckermeisters geboren, hatte er an der Berliner Akademie Bildhauerei bei Fritz Schaper (* 31. Juli 1841 in Alsleben (Saale); † 29. November 1919 in Berlin) studiert, dem Schöpfer des Lessing-Denkmals auf dem Hamburger Gänsemarkt. Türpe war nicht nur in Deutschland tätig. 1893 beteiligte er sich an der Weltausstellung in Chicago. Er erhielt für seine Plastik eine Bronzemedaille. Nach der Prämierung seines Entwurfes arbeitete er zweieinhalb Jahre lang mit der Berliner Metallwerkstatt Otto Bommer an der Ausführung der in Kupfer getriebenen Figuren.

Das Brunnenschauspiel Der Kampf um den Fisch wurde schon bald von den Altonaer Bürgern als Sinnbild für den bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Konkurrenzkampf der Fischereihäfen Altona und Hamburg gedeutet. Altona hatte sich um die Jahrhundertwende zum Zentrum der deutschen Fischindustrie entwickelt. Mehr als hundert fischverarbeitende Betriebe waren hier ansässig. Transportiert wurde der Fisch vom neu angelegten Altonaer Hafen durch die unterirdische "Schellfischbahn" zum nahegelegenen Altonaer Hauptbahnhof.

 

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