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Schlösschen Bellevue - das Krönchen von Lübeck

 

Früher, also bis 1869 hieß sie noch Einsegelstrasse, heute heißt sie Einsiedelstrasse, sie liegt im Stadtteil Lübeck-St. Lorenz. Hier erwarb der wohlhabende Kaufmann Jeronymus Küsel einen Garten. An Industrie hier war überhaupt noch nicht zu denken. Erst sein Sohn Hieronymus Küsel, erbte das ansehnliche Vermögen seiner Mutter 1752 und ließ dort ein Herrenhaus mit großem Garten als Sommerhaus anlegen.

Schlösschen Bellevue Lübeck

Schlösschen Bellevue Lübeck

Küsel war seinerzeit reichster Kaufmann der Hansestadt. Ihm gehörten etliche Kupfermühlen. Außerdem war er im Besitz von Handelsmonopolen für Kupfer. Die Firma Küsel produzierte auch hochwertiges Messing. In der Breiten Straße betrieb Küsel eine Kupfer- und Messinghandlung. Sein Barvermögen muss beträchtlich gewesen sein. 
Das Sommerhaus, auch Schlösschen Bellevue oder Palais genannt, wurde zwischen 1754 und 1756 von dem Lübecker Stadtbaumeister Johann Adam Soherr im Stil des Rokoko erbaut.
Es gilt als eines der frühesten Lusthäuser vom der Epoche her aus der Zeit des Überganges vom Barock zum Rokoko im französischen Stil.
Zur Trave hin wurde eine Allee angelegt. Dort befand sich ein Steg, wo Boote anlegen konnten. Zahlreiche Gäste nutzten die Anlegestelle, wenn sie aus der Stadt kamen. 
Nach dem Anlegen spazierten diese durch einen Garten , der streng in französischem Geschmack gehalten war. Aufsehen erregten auch die aufwendig gestalteten Torhäuser, sie mussten recht teuer gewesen sein. die Torhäuser besaßen von Beginn an Kaskadendächer aus blaugetönten Ziegeln. 
Von einem fragwürdigen Gast ist jetzt die Rede. Egmont von Chasôt kam auf Umwegen zu seinem Freund Küsel und wohnte eine Weile bei ihm. Dieser einst einer der engsten und ältesten Freunde Friedrich II. von Preußen, war auffällig geworden und von diesem König aufgefordert worden sich ein wenig zu entfernen. Grund dafür sollen seine Spielsucht, seine Frauenaffären und seines chronischen Mangels an Geld gewesen sein. Chasôt wurde später 1759 Stadtkommandant von Lübeck und übte dieses Amt bis zu seinem Tod in den späten 1790 Jahre aus. Seinem Freund Küsel ging es aber wirtschaftlich nicht mehr ganz so gut.1765 geriet die Firma Küsel & Hartmeyer in Konkurs.
Die Küselschen Liegenschaften wechselten für einen Spottpreis die Besitzer, das Schlösschen 1774. Hieronymus Küsel hatte aber Freunde, die ihm eine Rente von 200 Talern im Jahr zahlten. Küsel kam im Herrenhaus Nütschau, das seinem Freund Christian von Brömbsen gehörte, unter. Küsel starb dort 1793. 

Schlösschen Bellevue Lübeck- jetzt Hotel

Schlösschen Bellevue Lübeck- jetzt Hotel

Das Grundstück wechselte im Frühjahr 1878 erneut den Besitzer. Die Dortmunder Holz-Großhandlung „W. Brügmann“ benötigte das Grundstück, um dort die erste große Holzhobelei Lübecks anzusiedeln. Hierfür wurde die untere Hälfte an der Trave gebraucht. Dazu erwarb man die Grundstücke links und rechts Nr. 8 sowie Nr. 12–20 für deren ausgedehnte Holzlager, sowie die Nr. 22 – das Wirtschaftsgrundstück „Zum Einsegel“.
1950 fusionierte die LMG (Lübecker Maschinenbau Gesellschaft) mit der Firma Orenstein & Koppel. Zunächst fertigte das Unternehmen noch zahlreiche Spezialschiffe, hauptsächlich Schwimmbagger. Das erste schwimmfähige Gerät wurde 1876 ausgeliefert; 1882 folgte der erste dampfgetriebene Trockenbagger. Das Unternehmen war auch als Zulieferer am Bau der Lübeck-Büchener Eisenbahn beteiligt. Ab dem Jahr 1930 wurden außerdem Großbagger für den Braunkohletagebau hergestellt, darunter 1963 der mit 8000 Tonnen Gewicht größte Schaufelradbagger der Welt für den Tagebau. 1955 lieferte die Werft, die damals über vier Helgen und ein Schwimmdock verfügte, ihren 500. Neubau ab. 1959 arbeiteten mehr als 4200 Beschäftigte im Werk, da brauchte man schon sehr viele Gebäude und sehr viel Grund hier. Nach 1955 als der  Dortmunder Holzhändler W. Brügmann & Sohn hier aufhörte gehörten Schlösschen und Grundstück der Firma Orenstein & Koppel um die nächsten Firmengebäude zu errichten.

Lübecker Krönchen

Lübecker Krönchen

1984 ging das Schlösschen an den Lübecker Kaufmann Heinz Arnold, der es sanieren ließ und mit seiner Familie bewohnte. Auch die Torhäuschen wurden saniert und zeitweilig für Wohnzwecke vermietet. 
Nach dem Tod von Heinz Arnold im Jahr 2005 übernahm sein Sohn das Anwesen. 
2014 erwarb das Ehepaar Annett und Peter Ganswindt das Schlösschen, das es zu einem Hotel umgestaltete und im Mai 2017 unter dem Namen „Lübecker Krönchen“ eröffnete.
Vom Ehepaar Küsel sind neben dem Schlösschen auch Portraits erhalten, die der italienische Maler Stefano Torelli um 1760 schuf. Sie werden zur Zeit (2015) im Raum zum 18. Jahrhundert im Museumsquartier St. Annen gezeigt. 
Von der einstigen stolzen Lübecker Maschinenbau Gesellschaft ist nach mehreren Fusionen, Zerschlagungen, Konkursen nichts mehr aktiv. 

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