Idylle und Entspannung - Der Kurpark Malente

Neben den bekannten Seebädern an Nord- und Ostsee, darunter Travemünde (1802) als erstes Seebad in Schleswig-Holstein, entstanden auch im Landesinnern verschiedene Heil- und Kurbäder. Der in dem idyllischen Hügelland der Holsteinischen Schweiz zwischen Dieksee und Kellersee gelegene Ort Malente galt seit dem 19. Jahrhundert als beliebtes Ausflugsziel. 1925 wurde Malente-Gremsmühlen zum Kurort ernannt. Auf Anregung von Prof. Noack, einem Anhänger der Kneipp'schen Behandlungsmethode, entstanden in der Nachkriegszeit erste Kneippanlagen. Das Kneipp-Heilbad Malente war 1955 das einzige seiner Art in Norddeutschland. Für die Anlage eines Kurparks konnte 1959 der renommierte Hamburger Landschafts- und Gartenarchitekt Karl Plomin (* 1. Januar 1904 in Hamburg-Winterhude; † 7. Januar 1986 in Hamburg-Poppenbüttel), bekannt ist er durch die Parkanlage „Planten un Blomen“ im Zentrum Hamburgs, gewonnen werden. Der 1966 eröffnete, rund 6 ha umfassende Park setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem aus einem Moränenhügel gebildeten Brahmberg und den zeitweise überfluteten Wiesen an der Schwentine.

Kurpark MalenteKurpark Malente

Im Anschluss an die 1962 begonnenen Gartenarbeiten wurden die für einen Kurpark erforderlichen Gebäude auf dem Brahmberg errichtet. Zwischen 1965 und 1969 entstanden nach Entwürfen der Eutiner Architektengemeinschaft Arp & Eckoldt das Haus des Kurgastes, die Liegehalle, der Musikpavillon und ein Toilettenhäuschen. Die übrigen Einrichtungen, wie die Freilichtbühne für Theater- und Konzertveranstaltungen, vier Kaminhäuser mit Wasserspielen, der "Schachgarten", die Bocciabahn, die Kneipp-Becken und Eingangstore, gehen auf Plomin zurück.
Kennzeichnend für die Gärten Plomins sind sein behutsamer Umgang mit der vorgefundenen Topographie des Ortes sowie die differenzierte Komposition von Vegetationsbildern. Tragendes Element des gartenarchitektonischen Entwurfs bilden die sorgfältig ausgewählten Pflanzungen, die Plomin unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Blütezeiten kombinierte. Parallel zu den Gartenplänen entstanden Skizzen einzelner Pflanzenkompositionen, die sich zu individuellen "Vegetationsbildern" verbinden.
Der Buchen- und Eichenbestand des Brahmbergs blieb bestehen und wurde mit 2.500 Rhododendren, 5.000 Waldstauden und 33.000 Blumenzwiebeln unterpflanzt. Die große Zahl an Rhododendren, meist ostasiatischer Herkunft, war in Norddeutschland zu diesem Zeitpunkt ohne Vorbild. Für die feuchte Schwentinewiese wählte Plomin Sumpfzypressen, Judasblattbäume und kaukasische Flügelnüsse, die sich den wechselnden Wasserständen anpassen. Die neu angelegten Teiche sind durch ihre kreisrunde Form als künstlerische Elemente erkennbar. Holzstege erlauben den Besuchern, bis zur Wasserfläche vorzudringen, wo sich verschiedene Wasservögel sowie Fische, Lurche und Frösche tummeln.


Luisenhöhe MalenteLuisenhöhe Malente

Die Promenadenwege und Sitzplätze werden von den für Plomin typischen Staudenpflanzungen gesäumt. Mehrere Aussichtspunkte, vor allem die Luisenhöhe als höchste Erhebung  des Brahmbergs, erlauben Ausblicke auf den Park und den nahegelegenen Dieksee. 
Den Namen erhielt dieser idyllische Ort zur Erinnerung an die Luise aus dem Gedicht Luise (1795) von Johann Heinrich Voß, dem bekannten Dichter der Holsteinischen Schweiz. Luise war wohl sein bekanntestes Werk.

" Väterchen, danken wir Gott? Luiſe be-
gehrt den Geburtstag
Lieber im Wald’, als unten am Bach in
der Laube zu feiern.
Lieblich ſcheint ja die Sonn’, und am wal-
digen Ufer iſt Kühlung."

Idylle im Kurpark MalenteIdylle im Kurpark Malente

Die mit Bänken ausgestatteten Ruhepunkte sind über breite Treppen mit zwischengelagerten Podesten erreichbar. Die Freilichtbühne mit 600 Sitzplätzen wurde in eine natürliche Geländemulde eingebettet.
Darüber hinaus können die Gäste von einer bestuhlten Terrasse aus den Darbietungen im Musikpavillon folgen. In den Abendstunden werden die Spazierwege und Terrassen von insgesamt 150 Lampen erleuchtet.
Auch die Hochbauten nehmen - den Vorstellungen Plomins folgend - Rücksicht auf den Baumbestand und die natürliche Beschaffenheit  des Geländes. Um Trockenlegungen und Planierungen zu vermeiden, wurden die Bauten auf dem sumpfigen und unebenen Untergrund aufgeständert. Die eingeschossige Liegehalle erstreckt sich über dem nach Süden steil abfallenden Terrain. Eine breite Galerie bietet Platz für ein Sonnenbad bei gleichzeitigem Ausblick in den Park. Ein nahe am Gebäude stehender Baum konnte durch einen Rücksprung der Galerie erhalten werden.

Brahmberg MalenteBrahmberg Malente

2003 wurde der Park unter Denkmalschutz gestellt, kurz darauf gründete man den Verein "Freunde des Kurparks e.V.", die Spiegelteiche wurden wiederhergestellt, 2005 die Staudenflächen neu angelegt und 2006 bis 2007 die Parkflächen (Brahmbergteil) saniert. Die Sanierung erfolgte durch Siller Landschaftsarchitekten, Kiel sowie durch Krug + Schwinghammer Kiel.
Am 26.4.2008 wurde dann feierlich die Wiedereröffnung vorgenommen.
Für Kneippanwendungen stehen in den frostfreien Monaten ein Wassertretbecken und ein Armtauchbecken zur Verfügung.
Es kann Gartenschach und Boule gespielt werden.
Im Haus des Kurgastes befinden sich der Kursaal sowie Fernseh- und Leseräume.
Für die Benutzung der Kaminhäuschen liegt während der Sommermonate Brennholz bereit.
Die "Freunde des Kurparks" bieten (für Gruppen ab 6 Personen) botanische Führungen an.

Gedenkstein Joh. H. VoßGedenkstein Joh. H. Voß am nahen Dieksee

Inschrift Gedenkstein Johann Heinrich Voß am nahe gelegenen Dieksee:
"Es giebt ohne Zweifel Landschaften von auffallenderer Schönheit, von großartigerer Wirkung, von reicherer Fruchtbarkeit des Bodens, Sicherlich aber keine, die lieblicher zum Auge und gewinnender zum Herzen guter sinniger Menschen spricht, als die unsrige."

 

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