Katholische Pfarrkirche St. Ansgar und St. Bernhard - Der Kleine Michel von Hamburg

Der Kleine Michel (eigentlich: Katholische Pfarrkirche St. Ansgar und St. Bernhard) ist ein Sakralbau der Klassischen Moderne in der Hamburger Neustadt, dessen Baugeschichte eng mit der heutigen evangelischen Hauptkirche Sankt Michaelis – genannt „Michel“ – verbunden ist. 

Das erste Kirchengebäude an dieser Stelle wurde während der Hamburger Franzosenzeit zu einer römisch-katholischen Kirche geweiht. Nach der totalen Zerstörung durch Bombardierung wurde die Pfarrkirche mit französischer Hilfe in Form einer Passagen- und Umgangskirche wiederaufgebaut und 1955 erneut geweiht. Sie ist ein Gedenkort der deutsch-französischen Freundschaft.

Kleiner MichelKleiner Michel Hamburg

Der kleine Michel markiert den Ort des ersten evangelischen Kirchenbaus in Hamburg. Erst war es eine Friedhofskirche vor den Mauern, und wohl darum dem Erzengel Michael als Begleiter der Seelen zum Himmel geweiht. Hier stand nämlich 1605 die evangelische Friedhofskapelle St. Michaelis, die nach Errichtung der großen Michaeliskirche 1648 bis 61 "Kleine Michaeliskirche" hieß. 1811 wurde sie vom französischen Präfekten zur katholischen Pfarrkirche bestimmt. Unter den napoleonischen Truppen befanden sich nämlich italienische, spanische und französische Soldaten katholischen Glaubens. 1824 kaufen Senat und Bürgerschaft den "Kleinen Michel" der evangelischen Gemeinde für 30.000 Mark ab und überlassen das Bauwerk den mittlerweile 6.000 Hamburger Katholiken für einen niedrigeren Preis. 1825 überließ der Hamburger Staat sie offiziell der katholischen Gemeinde, die sie dem hl. Ansgar weihte.
Nach der Zerstörung 1945 entstand 1953 bis 1955 der Neubau nach Plänen von Gerhard Kamps und Jean Charles Moreux. Es waren die Franzosen, die den Kleinen Michel neu aufbauten. Mit einer Finanzierung, die der französische Generalkonsul in Hamburg, Baron Andrèa de Nerciat, organisierte, wurde ein Zeichen der Völkerverständigung gesetzt.  
"Servate unitatem spiritus in vinculo pacis"  hat der französische Baumeister nach dem Zweiten Weltkrieg über das Portal des neu entstandenen Kleinen Michel schreiben lassen: Bewahrt die Einheit des Geistes, indem ihr fest dem Frieden verpflichtet seid (vgl. Eph 4,3). Das Tor offen halten zu Gott und zur Welt, das ist heute die Aufgabe des Kleinen Michel als Römisch-Katholischer Kirche in Hamburg. An diesem Ort sind die Katholiken heute mit den vielen Christen aus der lutherischen, den anderen evangelischen und den orthodoxen Traditionen freundschaftlich verbunden.  Das Bemühen um Einheit soll also dem Frieden dienen und nicht zum Unfrieden anstiften.
Die Hälfte der Gesamtkosten wurde durch den französischen Generalkonsul in Hamburg aufgebracht. Bernhard von Clarveaux (1090 - 1153) wird Co-Patron der Kirche.

Der Silberschatz aus dem 18. Jahrhundert
Nachdem die katholische Kapelle in der Kaiserlichen Botschaft 1719 durch einen Mob geplündert und zerstört worden war, musste die Stadt dem Kaiser eine neue Botschaft samt Kapelle einrichten. Wohl aus dieser Einrichtung stammen zahlreiche Leuchter, liturgische Geräte und die Ewig-Licht-Ampel, die um 1740 in Augsburg und Hamburg entstanden.

Barocke Messgewänder
Am 20. März 1811 war Napoleon ein Sohn geboren worden und er verfügte, im ganzen Reich mögen festliche Gottesdienste gefeiert werden. Zu einem katholischen Festgottesdienst aber braucht es festliche Gewänder, die es in Hamburg nicht gab. So hat man kurzerhand wertvolle Gewänder aus dem Kölner Domrequiriert und hierher gebracht. Heute werden sie nur bei ganz besonderen Anlässen im Gottesdienst verwendet.

Kleiner Michel Innenraum

Reliquie von Ansgar
Im Jahr 1865 schenkte Bischof Paulus Melchers (1813–1895) von Osnabrück der Pfarrgemeinde eine Unterarmreliquie des Heiligen Ansgar. Sichtbar in einer Einfassung im Altar der Kirche repräsentiert sie das Grab des Hl. Ansgar. Sankt Ansgar, seit 1811 Patron der Kirche, wurde im Jahr 801 in der Normandie geboren. Er wurde Benediktiner und 831 Bischof. Als solcher wurde er zur Mission der Gebiete nördlich der Elbe bis nach Schweden gesandt und steht damit am Beginn der Kirche von Hamburg, Nordelbien und Skandinavien.
Nach der Zerstörung Hamburgs durch die Wikinger im Jahre 846 übertrug der Papst ihm zugleich das Bistum Bremen, wo Ansgar im Jahr 865 starb. Seine Gebeine gingen dort in der Reformationszeit verloren. Erhalten sind nur die Teile der Reliquien, die vor der Reformation seinem Grab entnommen worden waren. Davon wurde 1865, im eintausendsten Todesjahr des Heiligen, die Elle vom rechten Arm, "mit dem Ansgar segnete und taufte", in einen Schrein gefasst und dem Kleinen Michel geschenkt. Die Reliquie wurde 2013 in den Altar des Rendsburger Künstlers Tom Müllers eingelassen; hier ist gleichsam das Ansgar-Grab für Hamburg. Aus demselben schwedischen Granit wurde der Ambo geschaffen: Am "Altar des Wortes" wird hier die Bibel vorgelesen und ausgelegt.

Die Glasfenster
Nach Entwürfen des Architekten Jean-Charles Moreux wurden die Fenster der Kirche 1955 in einem sehr schlichten Stil gehalten. Die Ornamentik ist ein Verweis auf die Tradition der Zisterzienser, auch dass der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux 1955 Co-Patron der Kirche wurde, weist in diese ichtung. Die Fenster sind von der für Zisterzienser typischen Grisalle-Tradition beeinflusst. Sie folgen dem Grundsatz der Steigerung der Schönheit durch die Reduktion der Auswahl, einem für alle Klöster wichtigen Prinzip.

Das Kreuz
Seit 2010 verfügt der Kleine Michel über ein barockes Kreuz oberitalienischer Herkunft, das der Kirche als Dauerleihgabe durch die Frankfurter Jesuiten überlassen wurde.

Die Ansgar-Figur und die Madonna 
Die beiden Figuren haben die Zerstörungen des Krieges überlebt und wurden nach einem wechselvollen Schicksal 2013 restauriert und soweit möglich in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Sie stammen von Franz Bernhard Schiller und wurden 1856 von der Gemeinde erworben.
Die Madonna ist in ihrer Ausführung etwas Besonderes. Das Jesuskind, das sie auf ihrem linken Arm trägt, hält die Weltkugel mit einer Lässigkeit, mit der ein Hamburger Jung einen Fußball halten würde, und das Kind streckt die rechte Hand dem Betenden zum Gruß entgegen. Dies ist die Einladung an die Betenden, die Last der Welt dem göttlichen Kind anzuvertrauen und zu ihm zu kommen: " Kommt alle zu mir, die ihr schwere Lasten zu tragen habt" (Mt 11,28)

Der Kreuzweg von Fritz Fleer (1975) lädt mit seinen 14 Stationen dazu ein, betend den Altarraum zu umschreiten. Er nimmt seinen Ausgang rechts, auf der Seite des Evangeliums, wo der Kirche das Wort Gottes verkündet wird. Die vierzehn Tafeln sind eine Meditation der Stationen des Weges Jesu, vom Gebet in Gethsemane zum Kreuz auf Golgota
(immer von außen nach innen), und zeigen dabei immer auf den Altar in der Mitte, an dem die Gemeinde die Auferstehung Christi feiert. Arbeiten von Fritz Fleer (* 21. November 1921 in Berlin; † 6. Juni 1997 in Hamburg) finden sich auch in allen fünf evangelisch-lutherischen Hauptkirchen Hamburgs. An der Kennedybrücke steht auch seine Skulptur Jüngling mit Möwe.
Sehenswert auch die Beichtkapelle. Die vier neugotischen Glasfenster stammen aus der Kapelle der Schwestern von der heiligen Elisabeth (Graue Schwestern), die bis 1972 eine Niederlassung am Kleinen Michel hatten, dort wo heute die Katholische Akademie steht. Sie zeigen St. Elisabeth von Thüringen und entweder ihren Gatten, Ludwig von Thüringen, der nie offiziell heiliggesprochen wurde, dessen Verehrung aber bis ins 14. Jahrhundert nachgewiesen ist. Oder Kaiser Karl der Große. Die beiden Außenfenster der Kapelle zeigen Maria und Josef. Das Kreuz und der "Gute Hirte" in der Beichtkapelle sind zeitgenössische Arbeiten aus der Werkstatt des Klosters Monastére Notre Dame de Mogueres in Caux/Frankreich (2011) 
Heilige Bilder - Ikonen
Die beiden Bilder, die über dem Weihwasserbecken am Eingang der Kirche angebracht wurden, stammen noch aus der Vorkriegskirche und entstanden wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.  Herz Jesu und Gottesmutter von der Immerwährendenden Hilfe (Typus ursprünglich aus Kreta mit dem Namen "Muttergottes von der Passion") . Auf einem kleinen Blechschild steht im Rahmen: "Im Kriegsjahr 1945 durch Bomben beschädigt". Deutlich erkennbar ist das Splitter-Loch im Schleierrand.

Die Weihnachtskrippe
Die Figuren der Krippe stammen von dem Bildhauer Leo Ohl (1912 - 1979) aus Buchholz/Nordheide, der auch eine Statue des Hl. Josef geschaffen hat, die im Saal unter der Kirche steht.

Der Weihnachtsstern
Vom Advent bis zum 2. Februar hängt hoch in der Kuppel des Altarraumes ein Weihnachtsstern, der einzig in seiner Art ist. Er wurde 2013 von der Glaswerkstatt Schneemelcher in Quedlinburg aus Gläsern gefertigt, die aus der Restaurierung der Fenster des kleinen Michel stammen. Der Stern ist ca. 1,50 m im Durchmesser groß.

Die zwölf Apostelleuchter
Der Grundriss der Kirche verweist auf die Struktur romanischer Hallenkirchen in Burgund. Die zwölf Apostelleuchter betonen diesen Hallencharakter. Sie verweisen auf die zwölf Apostel und damit auf die zwölf Stämme des Volkes Israel.

Die Glocken
Im Kirchturm hängen seit 1959 vier Bronzeglocken der Glockengießerei Otto aus Bremen mit den Tönen e'-g'-a'-c'' "St. Maria","St. Ansgar","St. Bernhard","St. Michael".

Die Orgel
1957 wurde eine Krell-Orgel mit 33 Registern angeschafft, die schon seit den 1980er Jahren nicht  mehr funktionierte. Für ein Jahrzehnt diente eine historische Mauracher-Orgel als Ersatz. Die Laden und Pfeifen dieser beiden Orgeln werden 2017/18 vom Orgelbauer Thomas B. Gaida (saarländischen Wemmetsweiler bei Merchweiler) beim Bau einer neuen Orgel zusammen mit ergänzenden Registern verwandt. Die Orgel ist ein Geschenk im Gedenken an Detlev Louis, der Hamburger Motorradlegende ( † 13. Oktober  2012 im Alter von 93 Jahren) und drückt zugleich den bleibenden Auftrag an diese so vielfältige aus, sich "für Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz" in Hamburg einzusetzen.

Bevor der Komponist Gustav Mahler (1860–1911) nach Wien an die Hofoper berufen wurde, bereitete er seinen Übertritt zum katholischen Glauben vor. Am 23. Februar 1887 konvertierte er gemeinsam mit seinen beiden Schwestern Justine und Emma und ließ sich in der St. Ansgarkirche in Hamburg durch den Vikar Swider taufen. Der Taufpate war Theodor von Meynberg. Neben Gustav Mahler wurden auch 1847 der Pianist Hermann Cohen und 1889 der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky hier getauft. Der Selige Johannes Prassek, einer der vier Lübecker Märtyrer hat hier 1923 seine Firmung empfangen.
Der Jesuit Eduard Profittlich (* 11. September 1890 in Birresdorf, heute zu Grafschaft; † 22. Februar 1942 in Kirow im Stadtgefängnis Nr. 1) wirkte von 1928 bis 30 als Kaplan hier mit der besonderen Aufgabe der Polenseelsorge und wurde 1942 Opfer der stalinistischen Christenverfolgung in Estland. Die Kirche in Estland und Russland bemüht sich um seine Seligsprechung. Am 31. Mai 2003 wurde in Sankt Petersburg feierlich der Seligsprechungsprozess eröffnet.


weitere Kirchen beschreiben wir hier:

Die Kirche mit dem dritthöchsten Turm in Schleswig Holstein St. Petri zu Schleswig

Die St.Lorenz-Kirche Travemünde

Marienkirche Bad Segeberg

Stormarn:

Dorfkirche ZarpenPeter-Paul-Kirche Bad OldesloeFriedenskirche SiekMartin Luther Kirche TrittauMaria-Magdalenen-Kirche Reinbek

Hamburg:

MariendomMichelSt. JacobiSt. KatharinenSt. PetriSt. NikolaiDas Mahnmal St. NikolaiKleiner Michel

LübeckDie Synagoge

Die sieben TürmeMarienkircheDomPetrikircheKatharinenkircheAegidienkircheJakobikirche

Propsteikirche Herz Jesu

  

 

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