Bugenhagenkirche Hamburg ein Wahrzeichen der Backsteinmoderne

Die Bugenhagenkirche war im Baujahr ein Wahrzeichen der Backsteinmoderne für Hamburg. Mit ihrer kraftvollen Architektur ist sie einer der bedeutendsten Hamburger Sakralbauten aus der Zeit der Weimarer Republik. 
"Ein feste Burg" sollte sie sein (so der Name des Entwurfs), die sich augenscheinlich und sinnbildlich behauptete, sowohl gegen die benachbarte St. Sophien-Kirche als auch gegen die Hochburg der Arbeiterbewegung, den PRO-Block.
Etwa an derselben Stelle, wo heute die Bugenhagenkirche steht, an der Westseite des Platzes, wurden schon 1907/8 ein Pastorat und ein Gemeindesaal gebaut. Nur fünf Jahre nach der Heiligengeistkirche also: Mühsam versuchte die evangelische Kirche mit dem rasanten Bevölkerungswachstum in Barmbek Schritt zu halten. Erster Weltkrieg und Inflation trugen dazu bei, dass die seit 1919 bestehende Gemeinde Westbarmbek erst Mitte der 1920er Jahre darangehen konnte, den Bau ihrer Kirche zu planen. Ein Wettbewerb mit vier Teilnehmern wurde veranstaltet. 

Ausgewählt wurde der Entwurf von Emil Heynen (* 18. Juni 1877 in Hamburg; † 22. April 1946 ebenda). Heynen hatte die Uhlenhorster Heilandskirche gebaut, sich aber unter den Hamburger Architekten der Zeit keinen wirklich großen Namen gemacht. Heynen wandelte seinen Entwurf während der Planungszeit und noch in der Bauphase mehrfach ab. Dadurch erst wurden die Klarheit und Strenge der Gestaltung erreicht, die die Kirche auszeichnen. Bei der Grundsteinlegung 1927 wurde die Kirche im Hinblick auf das 400jährige Hamburger Reformationsjubiläum 1929 nach dem Hamburger Reformator  Johannes Bugenhagen (* 24. Juni 1485 in Wollin, Herzogtum Pommern; † 20. April 1558 in Wittenberg, Kurfürstentum Sachsen) benannt.

Als erste in Hamburg wurde die Bugenhagenkirche aus armiertem Beton und in der Formgebung des "Neuen Bauens" errichtet. Erstmals auch wurde der Andachtsraum über den Gemeindesaal gebaut: eine Anordnung, die als großstadtgemäß galt, weil sie Grundstücksfläche sparte und die "Anwesenheit" der Kirche im Stadtbild betonte. Die Wettbewerbsbedingungen hatten einige Merkmale des Gebäudes vorweggenommen. Deutlich drückt sich in ihnen der Wunsch aus, der Sophienkirche ein - in wörtlichem und übertragenen Sinne - herausragendes Bauwerk gegenüberzustellen.
Tatsächlich ist die Bugenhagenkirche noch jetzt, selbst vor der unförmigen Kulisse der sogenannten Alster-City, die städtebauliche Dominante des Platzes.
In der Bugenhagenkirche wurden auf ungewöhnliche Weise Räume für verschiedene Nutzungen zusammengefasst. In den Turmgeschossen z.B. wurden Räume für Jugendgruppen eingerichtet. So bildete die Bugenhagenkirche einer Art Kulturzentrum - wie auf ihre Art auch die Sophienkirche und der PRO-Block Ecke Lohkoppelstr. Während sich der Wettstreit mit der Sophienkirche wohl eher aufs Erscheinungsbild, aufs Repäsentative, beschränkte, war das Kulturzentrum der Arbeiterbewegung ein Konkurrent um die Herzen und Hirne. In Barmbek mit seinen vielen zuziehenden Menschen, die oft eine unkirchliche Einstellung mitbrachten, fühlte sich die protestantische Kirche vor dem Ersten Weltkrieg gleichsam im Missionsgebiet. Nehmen wir zum Beispiel die Jugendarbeit. Im PRO-Block fand der SPD-nahe Jugendbund kurz nach 1906 seine erste Heimstatt. Pastor Böhme von der ehemaligen Heiligengeistkirche begann schon Anfang des Jahrhunderts seinen Jugendbund um sich zu scharen. Nach Böhmes Pensionierung wanderte der Jugendbund zur Bugenhagengemeinde zu Pastor Manshardt ab. Manshardt war - eine Rarität unter Hamburgs Pastoren - SPD-Mitglied, seiner Haltung nach christlicher Sozialist. Vielleicht war er gerade deshalb besser als die meisten seiner Kollegen befähigt, in der Konkurrenz mit der "Arbeiterkultur" zu bestehen.

Nach der Zusammenlegung von drei Gemeinden in Hamburg-Barmbek wurde die Bugenhagenkirche 2004 geschlossen. Zeitweise wurde sie für Theaterproben und -aufführungen genutzt. Die Burg - Das Theater am Biedermannplatz, wie sich das Theater zuletzt nannte, stellt aber zu Beginn der Pandemie 2020 am Freitag 13.3.20 alle Aktivitäten ein. Von 2007 bis 2018 wurde vorübergehend der Bulgarisch-orthodoxen Gemeinde Hl. Kyrill und Hl. Methodius in Hamburg zur Verfügung gestellt. 2019 wurde sie entwidmet.


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