Die ehemalige Seefahrtschule in Lübeck

Viele tüchtige Seeleute haben sich das Rüstzeug für ihren harten Beruf an der Navigationsschule oder Seefahrtsschule in Lübeck geholt. Doch keiner wurde so populär wie Lübecks berühmtester Schüler Felix Graf Luckner, genannt der "Seeteufel". Dieser durchbrach 1916 die englische Blockade. Doch handfeste Kerle wie er, das waren die Männer schon, die in Lübeck die Schulbank drückten. Jahrhundertelang waren Seeleute ohne die Weisheit aus Schulbüchern über die Meere gesegelt. Was sie wissen mussten, lernten sie an Bord. Doch mit zunehmendem Handelsverkehr, mit dem technischen Fortschritt, wuchs gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Erkenntnis, dass die Seefahrt ohne Schulung bald keine Zukunft mehr haben würde. Der Gründer der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, Ludwig Suhl, machte in Lübeck 1805 den ersten Vorstoß zur Gründung einer solchen Schule. Doch das Vorhaben scheiterte, weil sich kein Lehrer fand. Den gab es erst nach abermaligem Aufruf an "alle Patrioten und Menschenfreunde" 1808. 

Bürgermeister Mattheus Rodde (* 1754 in Lübeck; † 14. Dezember 1825 ebenda) förderte das Unternehmen und stellte Unterrichtsräume in der Breiten Straße. Der Steuermann Johann Hinrich Sahn  (* 12. April 1767 in Lübeck; † 18. November 1835 ebenda) begann am 27. Juli 1808 als Leiter der Schule und als ihr erster Lehrer mit 17 Steuermannschülern den Unterricht. Dort blieb die Schule mit wechselndem Erfolg., bis sie nach Übernahme durch die Stadt am 26. August 1826 in ein neues Gebäude über dem Kaisertor umzog. Das alte Tor wurde erst später freigelegt. Als das Haus gebaut wurde, war das Tor noch vom Wall bedeckt, mit dem man es beim Bau der neuen Stadtbefestigung um 1600 zugeschüttet hatte.

Weil der Senat am 31. März 1827 beschlossen hatte, niemand dürfe mehr als Steuermann auf einem Lübecker Schiff fahren, der nicht zuvor eine Prüfung abgelegt habe, büffelten über dem Kaisertor erfahrene Männer das kleine Einmaleins im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Rechnen und das Lesen war bis dahin nie ihr Fall gewesen. Und so lernten sie neben allen seemännischen Theorien die Rechenkünste von Elementarschülern. Und sie erhielten Deutschunterricht. Das waren übrigens die einzigen Stunden, in denen nicht offiziell Plattdeutsch gesprochen wurde. Die weitere Entwicklung dieses nautischen Instituts in Stichworten: 1914 Umwandlung der Navigationsschule in die "Seefahrtsschule". 1937 Übernahme der Schule durch das Land Preußen. 1938 wird sie dem Reich unterstellt. 1948 schließlich geht sie in die Kulturhoheit des Landes Schleswig-Holstein über. Das Land benennt sie um in "Staatliche Seefahrtsschule Lübeck". Das war 1965 und 1969 macht sie daraus die "Staatliche Fachhochschule Lübeck für Technik und Seefahrt". Bis zum Kapitän auf Große Fahrt bringt es jedoch nur ein Ausbildungsgang.
Seit 1979 schließlich ist sie "Fachschule für Seefahrt". 1991 letztendlich beschließt das Land, die Schule nach Flensburg zu verlegen. Zwischenzeitlich hatte dann der Fachbereich "Informatik der Medizinischen Universität das Haus bezogen.  Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude beherbergte von Oktober 1993 bis November 2011 die mathematischen Institute der Universität zu Lübeck. 

Zwischenzeitlich wurde das erste Polizeirevier Lübeck in der Seefahrtschule untergebracht, da die Dienststelle in der Mengstraße renoviert wurde. Seit Frühjahr 2015 dient es als Unterkunft für Flüchtlinge.
Die Seefahrerausbildung erfolgt jetzt im Maritimen Zentrum - Hochschule Flensburg https://www.maritimes-zentrum.de/ 

 

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