Historisches von einer Lastadie in Lübeck

Die alte Bezeichnung für eine Werft in einer Hansestadt war "Lastadie". Als die Werften noch diesen Namen trugen, wurde die Tragfähigkeit eines Schiffes in "Lasten" berechnet. Daher die Bezeichnung. 

Der hansische Schiffsbau in Lübeck stand unter strenger Aufsicht des Rates. Der Schiffbau war in einer maritimen Stadt der Schlüssel zur Wirtschaftspolitik und zur Politik ganz allgemein. Entsprechend fest hatte der Rat das Ruder in der Hand. In seinem Auftrag kontrollierten das Kämmerei- und das Gewerbeoffizium die Einhaltung der Bestimmungen. Teilweise wurde sogar ein spezielles Ratsoffizium, die Lastadieherren, eingesetzt.
Das von ihnen zu überwachende Schiffsrecht von 1591 verdeutlicht die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Schiffbaues im hansischen Lübeck. Nur "hansische Personen" dürfen ein Schiff auf Kiel legen lassen. Auftraggeber, die nicht zum Kreis der Hanse gehören, sind damit ausgeschlossen. Die hansische Flotte bleibt damit kontrollierbar und von fremden Einfluss frei. Auch für die Zeit nach dem Bau sicherte man sich ab: Vor Ablauf etlicher Jahr durfte das Schiff nicht nach außerhalb der Stadt verkauft werden. Das mussten Schiffer und Reeder durch einen Eid versichern. Die neuen Schiffer, die besten und seetüchtigsten, fuhren auf diese Weise immer im Zeichen des lübschen Adlers. 

Damit niemand windige Geschäfte mit dem Schiffbau machen konnte, oder zum Verkauf gezwungen wurde, weil er sich übernommen hatte, legte das Schiffsrecht auch die Regeln der Finanzierung genau fest: Schließt sich ein Kreis von mehreren Schiffsfreunden zusammen, um das Geld für den Neubau aufzubringen, darf der Auftrag erst erteilt werden, wenn auch wirklich alle Reeder ihre Teilnahme an dem Gemeinschaftswerk erklärt haben, das Geld auch für die letzte Planke ausreicht. Auch wer das Projekt vollständig aus eigener Tasche bezahlt, durfte nur dann mit dem Bau beginnen, wenn die gesamte Finanzierung stand. Zudem musste jeder der künftigen Schiffseigner versichern , den Neubau vollkommen mit eigenem Geld zu bestreiten. Auch dies war eine Schutzmaßnahme, mit der heimliche Teilhaberschaften verhindert werden sollte. Insbesondere die Holländer hatte man dabei im Auge. Die Arbeit auf der Werft war hart. In seinem Lehrbuch über die Schiffbaukunst (De Nederlandsche Scheeps-Bouw-Konst) schildert der Holländer Cornelis van Yk die zeitgenössische Schufterei so: "Der Schiffszimmermann muss bei seiner täglichen Arbeit auf unzählige Weise Kraft anwenden, dass ihm die Kleider vom Leibe gescheuert werden und der Körper durch das angestrengte Arbeiten vom Kopf bis zu den Zehen ausgelaugt wird so, dass der Werkmann wünscht, dass die Essenszeit käme."

 

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