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Hans Blumenberg - Der Ehrenbürger zumindest in unseren Köpfen

Seine Mutter war jüdisch, unter diesem Handikap musste Hans Blumenberg (* 13. Juli 1920 in Lübeck; † 28. März 1996 in Altenberge bei Münster) in den unsäglichen Jahren leiden. 1939 machte er am Katharineum sein Abitur, übrigens in dem Jahr das Beste Schleswig-Holsteins. In Lübeck wirkte der NS-kritische Kaplan Johannes Prassek, der zu den Lübecker Märtyrern gehört, als Jugendseelsorger und spiritueller Begleiter prägend auf ihn. Blumenberg musste jedenfalls wegen des jüdischen Hintergrundes seiner Mutter Else Blumenberg, geb. Schreier (1882–1945) im Herbst 1940 das Studium der Katholischen Theologie zuletzt im Jesuiten-Studium in Frankfurt-Sankt Georgen abbrechen. Zurück in Lübeck wartete zunächst zwangsweise der Arbeitsdienst auf ihn, er hatte dann auch die Möglichkeit beim Drägerwerk arbeiten zu dürfen. 1945 wurde er in Zerbst interniert, konnte jedoch auf Initiative Heinrich Drägers freikommen und sich bis Kriegsende bei der Familie seiner Frau Ursula Heinck (1922–2010) verstecken, die er 1944 geheiratet hatte. 

Drei chinesische Philosophen: Lao Tzu, Wen Wang und ConfuciusDrei chinesische Philosophen: Lao Tzu, Wen Wang und Confucius Nobody60, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Von Heinrich Dräger erhielt er auch finanzielle Unterstützung und konnte so sein Studium wieder aufnehmen, zunächst an der Universität Hamburg. Er promovierte an der Christian-Albrechts-Universität, Kiel, 1947. Hier habilitierte er auch 1950 und ging nach Professuren in Hamburg, Gießen und Bochum 1970 nach Münster, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte. Dort in der Nähe, in Altenberge, erlag er einem Herzinfarkt.
Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer nannte ihn nach der Vorstellung des ihm gewidmeten Filmes


Hans Blumenberg – der unsichtbare Philosoph. Dokumentation, 102 Min., Ein Film von Christoph Rüter, Produktion: Tag/Traum Filmproduktion, Erstaufführung: 60. Nordische Filmtage Lübeck 2018:
Er ist Ehrenbürger zumindest in unseren Köpfen
Im Hochschulstadtteil erinnert jetzt der Hans-Blumenberg-Weg an ihn. 2006, zu seinem zehnten Todestag wurde an seinem Geburtshaus in der Hüxstr. 17 eine Gedenktafel enthüllt. Hier ist von ihm zu lesen:
Nachdenklichkeit heißt: Es bleibt nicht alles so selbstverständlich, wie es war.

Friedrich Bölck

 

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