Das Ende von Gorch Fock aus Finkenwerder

Der Dichter Johann Kinau, bekannter unter seinem Pseudonym "Gorch Fock" (* 22. August 1880 in Finkenwerder; † 31. Mai 1916 in der Seeschlacht am Skagerrak; eigentlich Johann Wilhelm Kinau) wurde auf der Insel Finkenwärder bei Hamburg (heute Hamburg-Finkenwerder) geboren.
Er stammte aus der Fischerfamilie von Heinrich Kienau.
Geburtsort und Eindrücke aus dem Elternhaus sind die Grundlagen für das dichterische Wirken des jungen Johann. Auch das Pseudonym "Gorch Fock" erklärt sich aus seiner Verbundenheit zur Welt der "Fahrensleute". Gorch Fock, eine Gestalt aus einer frühen Erzählung, weist in seiner Lebensgeschichte Ähnlichkeiten mit der des Dichters auf. Der Vorname Gorch ist demzufolge eine lokaltypische Abwandlung von Georg, man nennt einen Georg auch gerne "Schorsch". Fock ist einer Linie von großelterlichen Vorfahren entlehnt. Weitere Pseudonyme des Autors sind Jakob Holst und Giorgio Focco.

Die beiden Brüder des Dichters, Jakob und Rudolf Kinau, sind im norddeutschen Raum erzählerisch auch in Erscheinung getreten.
Nach einer Kaufmannslehre bei seinem Onkel August Kinau in Geestemünde (heute ein Stadtteil von Bremerhaven) war Fock als Schreiber und Kontorist in Meinigen, Bremen und Halle an der Saale tätig. Im Jahre 1904 kam er wieder nach Hamburg und arbeitete dort ab 1907 als Buchhalter bei der Hamburg-Amerika-Linie (kurz HAPAG). 
Er begann zu schreiben unter anderem auch als Stückeschreiber für Richard Ohnsorg, dem Vorsitzenden der „Gesellschaft für dramatische Kunst“, der späteren "Niederdeutschen Bühne, dem Ohnsorg-Theater".
Im Oktober 1912 spielte Aline Bußmann  im Ohnsorg-Theater die Frauenrolle  in seinem Einakter "Doggerbank". Sie erfuhr so viel Lob, dass sie zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der späteren „Niederdeutschen Bühne“ aufsteigen sollte. Neben seiner Frau Rosa Elisabeth Reich, mit der er drei Kinder hatte, sollte Aline dann aber seine Muse und Seelengefährtin während der schriftstellerischen Jahre werden.
In seinem dichterischen Werk setzt sich Gorch Fock, der als Lyriker, Dramatiker, besonders aber als realistischer Heimaterzähler der "Waterkant" hervorgetreten ist, mit der heimatlichen Landschaft, ihren Menschen und vor allem der Liebe zum Meer, das den Menschen zum Schicksal wird, auseinander. So vermitteln seine Werke die Atmosphäre von Seefahrt, Hafen und Fischerleben, die Welt der "Fahrensleute". Zum Teil sind sie in "Hamburger Platt" geschrieben; der Ton ist teils heiter von derb-gemütvollem Humor, teils dunkel-schwermütig und gedankentief. Die Sprache ist sparsam, die Gestaltung knapp und urwüchsig.

Elternhaus von Gorch FockElternhaus von Gorch fock

Zu den Werken des Dichters gehören außer den Ohnsorgstücken: "Schullengrieper und Tungenknieper" (1910); "Hein Godenwind, de Admirol von Moskitonien" (1911), eine Seefahrergestalt; "Seefahrt ist not" (1912), sein wohl wichtigstes Werk, ein hochdeutscher Roman mit plattdeutschem Dialog; in ihm verherrlicht er das damalige Finkenwärder in der Fischerfamilie Mewes und schildert das harte Leben der Seefischer; "Sterne überm Meer" (Tagebuchblätter und Gedichte aus dem Nachlass, 1917)  


Gorch Fock Elternhaus


Als Freiwilliger im 1. Weltkrieg war er ab 1915 zunächst als Infanterist in Russland, Serbien und Frankreich. Anfang 1916 kam Fock auf eigenen Wunsch als Matrose auf den kleinen Kreuzer SMS Wiesbaden. Er tat Dienst als Ausguck auf dem vorderen Mast. Der Kreuzer geriet in die Seeschlacht vor dem Skagerrak
Der Kreuzer Wiesbaden wurde fortwährend von den britischen Schiffen beschossen. Später erhielt er noch einen Torpedotreffer ins Heck. Das Schiff zeigte dabei eine erstaunliche Standfestigkeit und ging erst nach Stunden, am 1. Juni 1916 gegen 2:45 Uhr, nahezu mit der gesamten Besatzung unter. Nur der Oberheizer Hugo Zenne konnte zwei Tage später als einziger Überlebender vom norwegischen Dampfer Willy gerettet werden. 589 Besatzungsmitglieder starben mit Gorch Fock. 
Seine sterblichen Überreste wurden auf der schwedischen Insel Väderöbod vor Fjällbacka (nördlich von Göteborg) an Land getrieben und am 2. Juli 1916 auf der nahegelegenen unbewohnten Insel Stensholmen auf einem kleinen Soldatenfriedhof neben weiteren Deutschen und Briten beigesetzt. Sein Grabstein trägt seinen Namen, seine Lebensdaten und den Titel seines Buches Seefahrt ist not!
Wenige Wochen nach seinem Tod führte die Ohnsorg-Truppe im Hamburger Thalia-Theater zu Ehren des toten Dichters „Cili Cohrs“ und erstmals seinen Schwank „De Keunigin von Honululu“ auf. 
1917 wurde das Vorpostenboot Gorch Fock (ein Bau von der Stülcken-Werft in Hamburg) nach ihm benannt, später zwei Segelschulschiffe der deutschen Marine, die 1933 gebaute Gorch Fock (die spätere Tovarishsh) und die 1958 gebaute Gorch Fock

Gorch FockGorch Fock Rückseite des 10-DM-Scheines

Lange Jahre zierte diese die Rückseite unseres Zehn-Mark-Scheines. 
Der Erhalt unseres Segelschulschiffes, immerhin 60 Jahre auf See, wird immer teurer, noch ist eine vernünftige, kostengünstige Lösung nicht in Sicht.  

Das Wrack der SMS Wiesbaden wurde von Tauchern der Bundesmarine 1983 in 52 Metern Tiefe gefunden. Der Bildzeitung vom 7. Juli 2011 nach ist geplant, Teile des Schiffes zu bergen und in Gedenken an die Seeschlacht vom Skagerrak im Internationalen Maritimen Museum Hamburg auszustellen. 

Gorch Fock ElternhausGorch Fock Elternhaus Neßdeich 6 Finkenwerder

Auf Hamburg-Finkenwerder, Neßdeich 6, steht das denkmalgeschützte Elternhaus des Dichters und seiner Familie. 
Im Haus wird aber nicht nur die elterliche Einrichtung gezeigt, wie sie zur Lebenszeit von Johann war, sondern auch Bilder, Bücher und Dokumente von ihm, seinen Brüdern Jakob und Rudolf und den Eltern sowie Mobiliar aus einem verschwundenen Bauernhaus aus der Nachbarschaft.
Im Dachgeschoss entsteht eine im Aufbau befindliche Dokumentationssammlung zu allen Finkenwerder Themen aus Gegenwart und Vergangenheit. In einem kleinen Vortrags- und Ausstellungsraum sollen Filme und Bilder mit Bildschirmunterstützung gezeigt werden.
Öffnungszeiten sind jeden 1. Donnerstag im Monat von 14.00 – 18.00 Uhr, Gruppen nach Vereinbarung. 

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