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Elly Heuss-Knapp und das Müttergenesungswerk

Am 25. Januar 1881 wird Elisabeth Eleonora Anna Justine Knapp, genannt Elly, in Straßburg als Tochter des Nationalökonomen Georg Friedrich Knapp und seiner Frau Lydia, geb. Karganow, geboren. 1899 legt Elly Knapp ihr Lehrerinnen-Examen ab. Als freiwillige Mitarbeiterin der Armenpflege in ihrer Heimatstadt wird ihr deutlich, dass christliche Nächstenliebe und soziale Gesetzgebung eine Synthese eingehen müssen. Bildung zu vermitteln, die zur Einsicht in Zusammenhänge befähigt, hält Elly Knapp für die sinnvollste Art von Prophylaxe gegenüber sozialen Fehlentwicklungen. In einer Zeit wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen sieht sie besonders die für berufstätige Frauen und Mütter belastenden Folgen der Industrialisierung. Sie entschließt sich, an der Fortbildungsschule für Mädchen "Bürgerkunde" zu unterrichten. 1905 beginnt sie ein Studium der Volkswirtschaft in Freiburg, das sie in Berlin fortsetzt. Sie lernt dort Alice Salomon und die Frauenbewegung kennen. Von Friedrich Naumann (* 25. März 1860 in Störmthal, heute Teil von Großpösna bei Leipzig; † 24. August 1919 in Travemünde) erhält sie wesentliche Anregungen für eigenes Denken und Urteilen.

Für seine Zeitschrift "Die Hilfe" liefert sie Beiträge, und durch ihn kommt es zur Bekanntschaft mit dem jungen Theodor Heuss (* 31. Januar 1884 in Brackenheim; † 12. Dezember 1963 in Stuttgart). Dem Studium folgt eine Zeit intensiver Vortragstätigkeit in Straßburg, die ihren Niederschlag auch in dem 1910 erschienenen Buch "Bürgerkunde und Volkswirtschaftslehre für Frauen" findet. 1908 heiraten Elly Knapp und Theodor Heuss und ziehen nach Berlin. Für kurze Zeit widmet Elly Heuss-Knapp ihre ungeteilte mütterliche Aufmerksamkeit dem 1910 geborenen Sohn Ernst Ludwig. 1911 übernimmt sie wieder stundenweise Unterrichtstätigkeit. 1912 wird Theodor Heuss Chefredakteur der "Neckarzeitung" in Heilbronn. Sein Einzug in den Landtag steht bevor. Die Familie muss umziehen. Bald arbeitet das Ehepaar gemeinsam in der Redaktion der Halbmonatsschrift "März". Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellt Elly Heuss-Knapp vor neue Aufgaben. Sie richtet mit Heilbronner Mitarbeiterinnen eine Arbeitsbeschaffungsstelle für Frauen ein, die erste in Deutschland überhaupt. Man will Soldatenfrauen helfen, Arbeit mit Kinder- und Haushaltsversorgung zu verbinden. Erholungsaufenthalte für Mütter und Kinder werden vermittelt. Im November 1918 - nach Berlin zurückgekehrt - textet Elly Heuss-Knapp Plakate und Flugblätter, die Frauen zur Wahlteilnahme ermutigen sollen. Neben der erneut aufgenommenen Lehrtätigkeit im Pestalozzi-Fröbelhaus und an der Sozialen Frauenschule kandidiert sie auf Bitten Naumanns für die "Deutsche Demokratische Partei".

1922 entdeckt sie Bibelkunde als neues Fach, knüpft erste Kontakte zum Burkhardthaus und arbeitet bei Pfarrer Otto Dibelius in der Gemeinde "https://homepagedesigner.telekom.de/.cm4all/uproc.php/0/.TheodorHeuss.jpg/picture-400?_=17f55e83ff5 Zum Heilsbronnen" mit. Literarische Arbeiten erscheinen im "Eckart", ein Erinnerungsbuch an ihren Vater wird von ihr herausgegeben. 1930/31 schreibt sie regelmäßige wöchentliche Radiokritiken für die Zeitschrift "Der Rundfunkhörer", hält Rundfunkvorträge - z.B. über Mütterschulen - und gehört dem Kulturbeirat des Berliner Rundfunksenders an. 1933 wird für das Ehepaar Heuss ein Jahr tiefer innerer Resignation und existenzieller Sorge. Die mit Frau Heuss geplanten Vorträge in Stuttgart und Heilbronn werden verboten, die Mitarbeit im Burckhardthaus wird auf Grund einer Denunziation gekündigt, die Entlassung aus dem Programmbeirat ausgesprochen. Theodor Heuss verliert sein Lehramt an der Deutschen Hochschule für Politik, sein Reichtagsmandat wird ihm aberkannt.

Elly Heuss-Knapp wagt den Sprung in die Werbewirtschaft und hat damit bald unerwarteten Erfolg, was die Existenz der Familie sichert. 1934 erscheint ihr autobiographisches Buch "Ausblick vom Münsterturm". 1945 wird Theodor Heuss Kultusminister von Württemberg, seine Frau zieht mit ihm nach Stuttgart und wird 1946 selbst Landtagsabgeordnete. 1948 geht sie mit ihrem Mann nach Bonn. Sie übernimmt dort das Präsidium der Hooverspeisung, die hungernden Schulkindern zu einer Mahlzeit am Tage verhilft. Im gleichen Jahr lernt sie bei einem Besuch in Stein bei Nürnberg den Bayerischen Mütterdienst der evangelisch-lutherischen Kirche und seine Schöpferin, Dr. Antonie Nopitsch, kennen. Der tiefe Eindruck bewegt Elly Heuss-Knapp im Januar 1950 zur Gründung der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung "Deutsches Mütter-Genesungswerk".
Die Stiftung soll laut Satzung unter der Schirmherrschaft des Ehepartners des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin stehen.
In den beiden ihr noch verbleibenden Lebensjahren - schon von schwerer Krankheit gezeichnet - widmet sie ihre ganze Kraft diesem Werk, das in seiner tätigen Hilfeleistung ihrem Wesen so sehr entspricht. Sie stirbt am 19. Juli 1952 in der Universitätsklinik Bonn.
Nach Elly Heuss-Knapp wurden zahlreiche Schulen und Straßen benannt.
Theodor Heuss war von 1949 bis 1959 erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Im Müttergenesungswerk haben sich die folgenden fünf Trägergruppen zusammengeschlossen, um gemeinsam die Gesundheit von Müttern zu fördern:
Arbeiterwohlfahrt (AWO)
Der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV)
Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
Evangelischer Fachverband für Frauengesundheit e. V. (EVA, Diakonisches Werk)
Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung e. V. (KAG, Caritas)
Sie sind 2020 Träger der vom Müttergenesungswerk anerkannten 5 Mütter- und 71 Mutter-Kind-Einrichtungen für Mütter- bzw. Mutter-Kind-Kuren sowie von ca. 1.300 Beratungs- und Vermittlungsstellen. Im Jahr 2015 konnten ca. 49.000 Frauen mit 72.000 Kindern an einer Maßnahme des Müttergenesungswerks teilnehmen.
TIPP: Bei der Auswahl der Klinik haben Sie ein gesetzliches Wunsch- und Wahlrecht, die Krankenkassen sind verpflichtet, die berechtigten Wünsche der Versicherten zu berücksichtigen.
An der Ostsee in der Lübecker Bucht bei Niendorf befinden sich zwei Einrichtungen und in der Holsteinischen Schweiz bei Plön laden auch zwei Einrichtungen zur Erholung ein.
Stand März 2022

Hans Holbein d.Ä.

 

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