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Edith Stein wirkte auch 1906 in Hamburg

Edith Stein, Ordensname Teresia Benedicta a Cruce OCD, oder Teresia Benedicta vom Kreuz (* 12. Oktober 1891 in Breslau; † 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau) ist eine der bedeutendsten deutschen Frauen des letzten Jahrhunderts.



Über sich selbst schreibt sie: "Am 12. Oktober 1891 wurde ich als Tochter des verstorbenen Kaufmanns Siegfried Stein und seiner Frau Auguste geb. Courant in Breslau geboren. Ich bin preußische Staatsangehörige und Jüdin."
Schon die Fünfzehnjährige entzieht sich der gläubigen Religiosität des Elternhauses und empfindet sich als Atheistin.
Nach neun Schuljahren verlässt die begabte Schülerin 1906 vorzeitig das zehnjährige Lyzeum in Breslau und hilft fast ein Jahr lang ihrer ältesten Schwester Else Gordon in Hamburg, die zwei Kinder hatte.

Briefmarke Edith SteinBriefmarke Edith Stein

1911 in Breslau, nach einem - ebenso wie später Staatsexamen und Doktorarbeit - glänzenden Abitur entschließt sich die hochbegabte Edith zum Studium der Philosophie. Ihren Lebensentwurf bringt sie auf die Formel: "Wir sind auf der Welt, um der Menschheit zu dienen. Das kann man am besten, wenn man das tut, wozu man die geeigneten Anlagen mitbringt." Brennendes Interesse am politischen Gegenwartsgeschehen, ausgeprägtes soziales Verantwortungsbewusstsein, feuriger Einsatz für die volle Gleichberechtigung der Frau, während des Ersten Weltkrieges schonungsloser Dienst in einem Seuchenlazarett - all dies sind Äußerungen ihres hochgespannten Idealismus.
Begegnungen mit den größten Philosophen ihrer Zeit - jahrelang arbeitete sie bis 1918 als Assistentin des Edmund Gustav Albrecht Husserl (* 8. April 1859 in Proßnitz in Mähren, Kaisertum Österreich; † 27. April 1938 in Freiburg im Breisgau) - vermitteln ihr den Sinn für das Transzendente, für religiöse Erfahrungen und Entscheidungen; am 1. Januar 1922 lässt sie sich durch die Taufe in die Katholische Kirche aufnehmen.
Zu dieser Zeit hat sie bereits durch beachtliche philosophische Arbeiten die Aufmerksamkeit der Fachwelt erregt; Habilitationsversuche scheitern jedoch an zeitbedingten Vorurteilen. Sie richtet philosophische Kurse ein, hält Vorlesungen an der Volkshochschule, gibt Fortbildungsunterricht für Arbeiterinnen. Jahrelang arbeitet sie an verschiedenen Schulen im Dienst der Mädchenbildung, später am Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik. Sie engagiert sich in den großen Frauenverbänden und unternimmt Vortragsreisen durchs In- und Ausland. Ihr Ziel ist es, Menschen heranbilden zu helfen, die ihr Leben als gläubige Christen zu bestehen wissen. Zumal den Frauen will sie die Aufgaben bewusst machen, die ihnen in Gesellschaft und Kirche aufgetragen sind.
In diesen Jahren wendet sie sich mehr und mehr Meditation und Gebet zu. Sogleich nach der "Machtübernahme" der Nationalsozialisten verliert Edith Stein als Jüdin ihre Dozentenstelle. Am 14. Oktober 1933 tritt sie in Köln als Nonne in den kontemplativen Orden der Karmelitinnen ein und nimmt den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce OCD (vom Kreuz) an. Dort und im Kloster in Echt (Holland), wohin sie nach den Pogromen im November 1938 übersiedelt, vollendet sie ihr philosophisches Werk. Als mit der deutschen Besetzung auch in Holland die Judenverfolgungen beginnen, wird Edith Stein von der SS gefasst und nach dem Osten verschleppt. Am 9. August 1942 hat sie in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau den Tod gefunden.
Aber Edith Stein ist nicht in Vergessenheit geraten. Die Reihe ihrer posthum erschienenen Werke umfasst bis 1983 zehn Bände. Ungezählte Menschen aller Berufe und Konfessionen und aus allen Erdteilen haben in Edith Stein einen Menschen erkannt, der als Jüdin und Christin, als Wissenschaftlerin und als berufstätige Frau, als große Kontemplative und schließlich als Opfer der Gewaltherrschaft in der Gefolgschaft Jesu steht. Von ihr empfangen diese Menschen Ermutigung für den eigenen Weg. In dem Seligsprechungsprozess schließlich, den die Katholische Kirche für sie eröffnet hat, steht sie auch stellvertretend für die zahllosen Ungenannten, mit denen sie das Los der Verfolgung und Ermordung geteilt hat.
(Text weitgehend: Edith-Stein-Archiv des Karmelitinnenklosters in Köln 1983)


Papst Johannes Paul II. sprach Edith Stein oder eben Teresia Benedicta vom Kreuz am 1. Mai 1987 selig und am 11. Oktober 1998 heilig. Ihr römisch-katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 9. August. Sie gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden.
Die Edith-Stein-Kirche im Hamburger Stadtteil Neuallermöhe, ist ein modernes katholisches Kirchengebäude und erhielt ihren Namen.
Diverse Straßen, Schulen, Gebäude, Kliniken und öffentliche Einrichtungen in deutschen und österreichischen Städten sind nach Edith Stein benannt, die KiTa Edith Stein in Bergedorf z.B.

Theodor Steltzer

 

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