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Er bewahrte Kunstschätze der Hansestadt - Carl Julius Milde

Maler wollte Carl Julius Milde (* 16. Februar 1803 in Hamburg; † 19. November 1875 in Lübeck) werden. Er ist es auch geworden. Aber nur mit mäßigem Erfolg. Die künstlerische Begabung reichte nicht aus. Wahrscheinlich hat er darunter gelitten. Für Lübeck aber war es ein Glücksfall. Denn so wurde der sensible künstlerische Blick in eine andere Richtung gelenkt. Weit vorausschauend, öffnete Milde den Lübeckern die Augen für die Kunstwerke in der Hansestadt.

Als Sohn eines Gewürzhändlers und einer Bäckerstochter 1803 in Hamburg geboren, schloss sich Milde schon früh in seiner Heimatstadt dem Kreis der Hamburger Schule um Erwin Speckter (* 18. Juli 1806 in Hamburg; † 23. November 1835 ebenda) an.

Zweimal unternahm er Studienreisen nach Italien, kam mit dem Lübecker Nazarener Johann Friedrich Overbeck in Rom in Verbindung. Milde war stark beeindruckt und siedelte 1838 endgültig in die Stadt des verehrten Vorbildes nach Lübeck um, nachdem er schon 1835 bis 1837 das Haus des Kaufmanns Nölting mit Wandgemälden geschmückt hatte. Nölting müssen sie sehr gefallen haben, denn er nahm Milde bei sich auf und verschaffte ihm Aufträge bei der Restaurierung der Marienkirche




Besonders den Glasmalereien widmete sich Milde von da an mit Hingabe. Grundlage waren oft Ideen des Kunsthistorikers Carl Friedrich von Rumohr. Mittelalterliche Glasmalereien aus der Maria-Magdalenen-Kirche, auch Burgkirche genannt, das war die Klosterkirche des Burgklosters setzte er in St. Marien ein.  Die Burgkirche wurde ja 1819 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Milde schuf Glasgemälde für die Romanische Dorfkirche in Semlow, südöstlich von Ribnitz-Damgarten, die Dorfkirche im vorpommerschen Schlemmin, die Klosterkirche St. Marien in Dargun im Peenetal, die Plöner Nikolaikirche, die romanische Breitenfelder Dorfkirche und für das Westfenster des Kölner Doms.
Als Milde 1841 als Zeichenlehrer begann, den Schülern des Katharineums seine Kunst zu vermitteln, ließ er im gleichen Jahr Lübecker Kunstschätze im Chor der Katharinenkirche ausstellen. Da hatte er seine Lebensaufgabe als Kunstforscher bereits gefunden. Aus eigenem Antrieb, mit wenig Unterstützung und gegen den Widerstand der Zeit, die auf den technischen Fortschritt setzte und bereit war, die einmaligen Zeugnisse einer großen Vergangenheit bereitwillig zu opfern, sammelte und dokumentierte er Lübecks Kunstschätze. Eine Ausstellung in der Katharinenkirche und der sorgfältige Katalog dazu legten den Grundstock zu der großartigen Sammlung mittelalterlicher Kunst im St. Annen-Museum. Dabei hatte Milde immer nur ein Ziel im Sinn: Unwiederbringliche Kunst vor Missachtung, Zerstörung  oder leichtfertigem Verramschen zu bewahren. Denn all das stand in jenen Jahren auf der Tagesordnung, ohne dass sich das Gewissen der Allgemeinheit regte. Das aber sprach Milde mit seinen Zeichnungen des "Lübecker ABC", seiner Dokumentation lübscher Siegel an. Nach dem Schuldienst, den er 1864 beendete, wurde er Konservator der Naturaliensammlung, als der er "mit schonender Hand bewahren" konnte.

Mendelssohn

 

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