Carl Jacob Burckhardt - Ehrenbürger Lübecks

Ursprünglich war er sehr aktiv und interessiert als Geschichtsprofessor zuletzt in Genf. Carl Jacob Burckhardt (* 10. September 1891 in Basel; † 3. März 1974 in Vinzel, Kanton Waadt).
Der Großneffe des Kulturhistorikers Jacob Burckhardt studierte Geschichtswissenschaften an den Universitäten Basel, München, Göttingen sowie Zürich und schloss sein Studium 1918 mit der Promotion zum Dr. phil. ab. 1926 habilitierte er sich an der Universität Zürich. Drei Jahre später wurde er hier zum Professor für Neuere Geschichte berufen. Von 1932 bis 1937 und von 1939 bis 1945 war er darüber hinaus eben auch in Genf als Professor für Geschichte am Institut universitaire de hautes études internationales tätig. Dort war auch der Sitz des Völkerbundes, der als Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg 1920 entstanden ist. In Genf war auch von 1916 bis 1919 die Zentralstelle des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) im Musée Rath untergebracht. 

Im Verlauf des gesamten Ersten Weltkrieges übermittelte die Zentralstelle ca. 20 Millionen Briefe und Mitteilungen, fast 1,9 Millionen Pakete und Geldspenden in Höhe von ca. 18 Millionen Schweizer Franken an Kriegsgefangene aller beteiligten Staaten. Ferner kam es durch Vermittlung der Zentralstelle zum Austausch von ca. 200.000 Gefangenen. Die Kartei der Zentralstelle, die in den Jahren von 1914 bis 1923 entstand, enthält rund sieben Millionen Karteikarten. Sie führte in ca. zwei Millionen Fällen zur Identifizierung von Gefangenen und damit zu einem Kontakt zwischen den Gefangenen und ihren Angehörigen. Und 1923 war Burckhardt dann auch im Rahmen eines Besuches griechischer Kriegsgefangener in der Türkei erstmals für das IKRK aktiv, zehn Jahre später wurde er Mitglied des Komitees und besuchte in dieser Funktion 1935 und 1936 Konzentrationslager in Deutschland. Im Jahr 1937 wurde er vom Völkerbund zum Hohen Kommissar für die Freie Stadt Danzig ernannt. Die Hansestadt Danzig bestand als teilsouveräner, selbstständiger Freistaat mit polnischen Hafenrechten unter dem Schutz des Völkerbundes von 1920 bis (faktisch) 1939. Dann erlitt Danzig den Überfall durch deutsche Soldaten. Die Nationalsozialisten übernahmen die Schreckensherrschaft auch in Danzig und ab 1937 waren die Juden in Danzig dann in aller Härte Liquidationen und Beschlagnahmungen ausgeliefert. Man konnte aber noch auswandern, das galt es auch human zu organisieren. Die Opposition, die sich hartnäckig für Neuwahlen einsetzte,  setzte noch alle Hoffnungen auf das Wirken von Carl Jacob Burckhardt. Aber auch Polen versagte Danzig jegliche Unterstützung. So setzte der Danziger Senat am 23. August 1939 den bisherigen Danziger Gauleiter der NSDAP, Albert Forster, unter Bruch der Verfassung als "Staatsoberhaupt" der Freien Stadt Danzig ein. Ein derartiges Amt war in der Danziger Verfassung nicht vorgesehen. Der Völkerbund war also ein "zahnloser Tiger" geworden.

Carl Jacob Burckhardt kümmerte sich aber weiter um das Schicksal vor allem des jüdischen Volkes. Ab November 1943 war es dem IKRK erlaubt, Pakete an diejenigen KZ-Insassen zu schicken, deren Namen und Aufenthaltsort dem Komitee bekannt waren und die keinen verschärften Haftbedingungen unterlagen. Durch die Empfangsbestätigungen, die neben den Empfängern oft auch von mehreren anderen Insassen unterzeichnet waren, gelang es dem IKRK, ca. 105.000 Menschen in den Lagern zu registrieren und insgesamt 1,1 Millionen Pakete zu verschicken, vorwiegend in die Lager Dachau, Buchenwald, Ravensbrück und Oranienburg-Sachsenhausen. 
Am 4. Dezember 1944 wurde er, mit Wirkung vom 1. Januar 1945, einstimmig zum Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) gewählt.   Bis 1948 fungierte Carl Jacob Burckhardt als Präsident des IKRK und setzte mit aller Kraft die humanitäre Mission fort, basierend auf den Prinzipien der Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit, den Schutz des Lebens und die Würde der Opfer von Kriegen und innerstaatlichen Konflikten zu erhalten.
Der spätere Vorsitzende des schwedischen Roten Kreuzes Folke Bernadotte Graf von Wisborg hatte ja in den letzten Kriegsjahren viel mit Lübeck zu tun. Er verhandelte hier mit Heinrich Himmler, seine Verdienste galten den skandinavischen Häftlingen. 
Für Lübeck speziell setzte sich aber Carl Jacob Burckhardt als Präsident des Internationalen Roten Kreuzes ein. Lübeck stufte er auf Grundlage des Artikel 25 der Haager Landkriegsordnung, als offene Stadt ein. 
Wortlaut: Es ist untersagt, unverteidigte Städte, Dörfer, Wohnstätten oder Gebäude, mit welchen Mitteln es auch sei, anzugreifen oder zu beschießen.
Lübeck wurde durch ihn Ausfuhrhafen für Sendungen an deutsche Kriegsgefangene in Übersee ein. Desgleichen war Lübeck Anlandeplatz für Sendungen an Kriegsgefangene in  Deutschland. Den Transport besorgten schwedische Schiffe. 
Deshalb hat die Hansestadt ihm zu verdanken, dass es nicht ein zweites Mal zu Bombardierungen kommen sollte. Lübeck blieb auch nach dem Krieg Umschlaghafen für Sendungen an Flüchtlinge, befreite Insassen von Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern. 
Die Ehrenbürgerschaft Lübecks wurde ihm 1950 angetragen, da er nach Ansicht der verantwortlichen Stellen durch die Einstufung der Stadt als «offene Stadt» wesentlich zur Rettung der historischen Lübecker Altstadt beigetragen hatte. 1957 wurde ebenfalls in Lübeck das Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium in der Ziegelstraße  nach ihm benannt. 

Das Museum HAUS HANSESTADT DANZIG in der Engelsgrube, Lübeck zeigt viel aus der Geschichte der Stadt. Das Bemühen von Carl Jacob Burckhardt um diese Stadt wird in der ständigen Ausstellung "Schicksalsjahr 1945" deutlich.

 

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