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Die Beatles und ihre Zeit in Hamburg

Das war wohl ein ziemlicher Fehler:

Mit einer denkwürdigen Begründung lehnte das Schallplattenunternehmen Decca das Angebot ab, schwarze Scheiben mit den Beatles zu produzieren: "Wir mögen ihren Sound nicht. Gitarrengruppen sind ohnehin nicht gefragt." Die Firma EMI produzierte dann die ersten Singles der Beatles und landete damit prompt einen Riesencoup: Am 4. Oktober 1962 eroberte die erste Single Love me do spontan den 17. und drei Monate später Please Please Me den 1. Platz der Englischen Hitparade. Seit damals sind die LPs der Beatles weltweit über neunzigmillionenmal und die Singles mehr als hundertfünfundzwanzigmillionenmal verkauft worden.


 

Beatles

- Stuart Sutcliffe, Bassist der Beatles während ihrer Zeit in Hamburg

 


- George Harrison, Gitarre, lebte und wirkte in Hamburg 1960 und 1961


- John Lennon, Gitarre, lebte und wirkte in Hamburg 1960 und 1961


- Paul McCartney, Bassist, lebte und wirkte in Hamburg 1960 und 1961


- Ringo Starr, bürgerlich jetzt Sir Richard Starkey (* 7. Juli 1940 in Liverpool) Bevor er sich den Beatles anschloss, war er von 1959 bis 1962 Schlagzeuger in der Liverpooler Band Rory Storm & the Hurricanes. Da die Bands einander sowohl in Liverpool als auch bei ihren Auftritten in Hamburg oft ablösten und untereinander aushalfen, hatte Ringo bereits in dieser Zeit engen Kontakt mit John, Paul und George.

Bass von Paul McCartneyBass von Paul McCartney im St. Pauli-Museum

Das waren noch Zeiten, die 60er Jahre. Zuerst waren damals noch englischsprachige Lieder fast verpönt im Radio. Bei Elvis oder Bill Hailey wurde schon mal eine Ausnahme gemacht, aber dann kamen die Pilzköpfe.
Heutzutage schätzt man, dass mit mehr als 600 Millionen verkauften Tonträgern, die Plattenfirma EMI schätzte sogar mehr als eine Milliarde, die Beatles die bisher kommerziell erfolgreichste Band der Musikgeschichte bis jetzt war.
Erste wichtige Auftritte erfolgten in Hamburg. Im Jahr 1970 trennten sich die Wege der zum Schluss vier Bandmitglieder George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr aufgrund interner Spannungen. 
Besonders wichtig war für die vier der 6.Juli 1957. Da lernten sich nämlich bei einem Gartenfest der Pfarrgemeinde von Liverpool-Woolton John Lennon und der 15-jährige Paul McCartney kennen. Paul sang damals  textsicher eine Version des Cochran-Stücks Twenty Flight Rock und John war so beeindruckt , dass er ihn einige Tage später in seine damalige Gruppe aufnahm.
Einige Wochen später, am 6. Februar 1958 besuchte George Harrison, ein 14-jähriger Freund von Paul McCartney, ein Konzert der Quarrymen in der Wilson Hall von Liverpool-Garston. Er spielte während einer Busfahrt John Lennon das Instrumentalstück Raunchy vor. Danach wurde auch er in die Gruppe aufgenommen. Man nannte sich zunächst The Silver Beetles.
Ab August 1960 dann verzichtete die Gruppe auf den Zusatz Silver im Namen und nannte sich fortan The Beatles.

Beatles-PlatzGroße Freiheit Ecke Reeperbahn Hamburg

Am 16. August 1960 kamen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Stuart Sutcliffe sowie der wenige Tage zuvor rekrutierte Schlagzeuger Pete Best (* 24. November 1941 in Madras, Indien) in Hamburg an.  Am 17. August 1960 gab die Gruppe im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli ihr erstes Konzert unter dem Namen „The Beatles“. Von nun an spielten sie täglich im „Indra“, einem Stripclub an der berüchtigten Großen Freiheit. (Grosse Freiheit 64, 22767 Hamburg ) Das Gebäude steht heute aber nicht mehr.

Das Umfeld färbte jetzt auf die Jungs ab. Immer mehr Gewalt, Alkohol, Drogen und Sex stellten sich ein. Es wurde aber auch viel gearbeitet. Die Arbeit dauerte täglich bis zu neun Stunden, dadurch vergrößerten sich aber auch Repertoire, Spontaneität und Selbstbewusstsein. Der Clubbesitzer animierte dazu, eine „Schau“ zu machen. Dies mündete in wüsten Bühnenauftritten, die das Publikum anlockten. Die Band wurde so zum angesagtesten Geheimtipp der Großen Freiheit.

Star-Club HamburgStar-Club Hamburg 1968 Foto: ThomasFHH, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Weil der Indra Club wegen Ruhestörung geschlossen werden musste, zogen die Beatles Anfang Oktober in den Kaiserkeller um. Hier trat auch die ebenfalls aus Liverpool stammende Gruppe Rory Storm & the Hurricanes mit ihrem Schlagzeuger Ringo Starr auf. Am 15. Oktober 1960 vereinigten sich die beiden Gruppen zu einer privaten Aufnahme des Titels Summertime in einem kleinen Studio an der Kirchenallee 57.
Ende November mussten die Beatles wegen der Minderjährigkeit von George Harrison (der zu diesem Zeitpunkt erst 17 Jahre alt war) und einer angeblichen Brandstiftung durch Paul McCartney und Pete Best Deutschland verlassen. Nur Stuart Sutcliffe blieb bei seiner Freundin Astrid Kirchherr in Hamburg, wo er am 10. April 1962 im Alter von nur 21 Jahren an einer Hirnblutung starb. In den folgenden zwei Jahren absolvierten die Beatles noch vier weitere Spielzeiten in der Hansestadt, davon eine im Top Ten Club, die restlichen im renommierten Star-Club.
Der Star-Club war ein Musikclub im Hamburger Stadtteil St. Pauli , der am 13. April 1962 eröffnet und am 31. Dezember 1969 geschlossen wurde. Die Adresse war Große Freiheit 39. Bekannt wurde der Club vor allen durch die Auftritte der Beatles, aber auch anderer bekannter Künstler. Das Gebäude steht nicht mehr. Der Star-Club-Gedenkstein im Hinterhof auf der Großen Freiheit erinnert an den Ort.

Gedenk-TafelGedenk-Tafel Star-Club Hamburg Foto: Lipinski, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Während ihres zweiten Deutschland-Aufenthaltes begleiteten die Beatles zwischen dem 22. und 23. Juni 1961 den britischen Sänger Tony Sheridan bei einigen Aufnahmen für die Plattenfirma Polydor in der Friedrich-Ebert-Halle in Hamburg-Heimfeld , darunter befanden sich die Stücke My Bonnie , The Saints (When The Saints Go Marching In), Why (Can’t You Love Again) , die Harrison/Lennon-Instrumentalkomposition Cry for a Shadow und Nobody’s Child. Diese ersten professionellen Aufnahmen der Gruppe (später auf den deutschen Veröffentlichungen als The Beat Brothers bezeichnet) wurden von dem deutschen Komponisten und Bandleader Bert Kaempfert (* 16. Oktober 1923 in Hamburg, eigentlich Berthold Heinrich Kämpfert; † 21. Juni 1980 in Llucmajor, Mallorca) produziert. Das galt auch für die folgende Session am 24. Juni 1961, die im Studio Rahlstedt (Rahlau 128, Hamburg-Tonndorf) stattfand. Hier entstanden Ain’t She Sweet und Take Out Some Insurance on Me.
Kurz vor den ersten Plattenaufnahmen entließen die Beatles überraschend den beim Publikum beliebten Schlagzeuger Pete Best und ersetzten ihn durch Ringo Starr, der mit seiner Gruppe Rory Storm & the Hurricanes gerade in Skegness aufgetreten war. Die Gründe für die Trennung von Best wurden nie vollständig geklärt. Der Schlagzeuger war wegen mangelnder Kontaktfreudigkeit wohl eher ein Außenseiter innerhalb der Band, zudem hatte sich George Martin nach den ersten Probeaufnahmen ebenfalls für einen Wechsel ausgesprochen. Das erste gemeinsame Konzert von Lennon, McCartney, Harrison und Starr fand am 18. August 1962 in der Hulme Hall von Birkenhead statt.
Am 22. August 1962 wurden die Beatles bei einem Auftritt im Cavern Club (10 Mathew Street · L2 6RE Liverpool) von einem Granada-TV-Team gefilmt – der erste Fernsehauftritt der Gruppe. Zu Silvester 1962 spielte die Gruppe ihr letztes Konzert im Star-Club in Hamburg.
Vom 24. Juni bis zum 4. Juli 1966 absolvierten die Beatles eine weitere Welt-Tournee, die im Rahmen der BRAVO-Beatles-Blitztournee auch sechs Konzerte an drei Tagen in Deutschland umfasste (München , Essen und – zum letzten Mal am 26. Juni – Hamburg). Meistens verweilten sie dann in "Ihrem Schloss", dem Schloss Tremsbüttel.

Schloss TremsbüttelSie nannten es "Ihr Schloss" - Schloss Tremsbüttel

Sie schrieben Hits zuhauf - von "She Loves You" über "Strawberry Fields forever" bis "Hey Jude", von "Help" über "Yellow Submarine" bis "Her Comes the Sun", "Penny Lane" von Udo Lindenberg gecovered als "Reeperbahn" bis "Yesterday", "Let it Be" über "Get back" bis "All You need is Love" und, und, und …
Obwohl sie nur über einen Zeitraum von acht Jahren Plattenaufnahmen machten, sind die Beatles die Gruppe mit den meistverkauften Tonträgern der Welt. (Stand 2021).
Die Beatles hatten mehr Nummer-eins-Singles als alle anderen Gruppen oder Sänger (22 in den USA, 23 in Australien, 23 in den Niederlanden, 22 in Kanada, 21 in Norwegen, 18 in Schweden, 12 in Deutschland).
Matthias Halbig schrieb einmal: Durch John Lennon (scharfsinniger Beatle), Paul McCartney (hübscher Beatle), George Harrison (stiller Beatle) und Ringo Starr (lustiger Beatle) war der Globus britisch geworden.
Am 10. April 1970 trennten sich die Beatles. Den Todesstoß versetzte Paul McCartney an diesem Tag. Er hatte 100 Presseexemplaren seines für die folgende Woche zur Veröffentlichung vorgesehenen ersten Soloalbums eine Notiz beigelegt. Er hatte sich darin selbst interviewt und sich die Frage "Können Sie sich eine Zeit vorstellen , in der Lennon und McCartney wieder eine aktive Songwriterpartnerschaft eingehen?", einsilbig mit "Nein" beantwortet. Die zu jenem Zeitpunkt schwierigen Beziehungen zwischen Paul und den anderen war damit nicht mehr zu kitten.
Die vier machten solo erfolgreich weiter.
Ihre Musik gehört wegen ihrer Vielseitigkeit zum Lehrplan vieler Musikhochschulen dieser Welt.
Am Abend des 8. Dezember 1980 schoss in New York der geistig verwirrte Attentäter Mark David Chapman aus etwa sechs Metern Entfernung mit einem Revolver auf John Lennon.
Das erste John-Lennon-Denkmal in Deutschland wurde 2008 in Verden (Aller) enthüllt, exakt an der Stelle, wo er 1966 eine Szene in dem Film Wie ich den Krieg gewann gespielt hatte.
Am 29. November 2001 starb George Harrison (* 25. Februar 1943 in Liverpool) im Alter von 58 Jahren in Paul McCartneys neuem Anwesen in der Heather Road in Beverly Hills. Als Todesursache wurde Lungenkrebs angegeben, der durch Metastasen auch das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen hatte. Die Musikzeitschrift Rolling Stone listete 2015 Harrison auf Rang 11 der 100 besten Gitarristen sowie auf Rang 65 der 100 besten Songwriter aller Zeiten.

Beatles-PlatzBeatles-Platz Hamburg

Hamburg erinnert an die legendären Musiker mit dem Beatles-Platz. Dieser Platz ist ein öffentlicher Platz in Hamburg-St. Pauli im Verlauf der Reeperbahn und der Einmündung Große Freiheit, kreisrund mit einem Durchmesser von 29 Metern und schwarzem Bodenbelag, der optisch an eine Vinyl-Schallplatte erinnert. Am Rand des Platzes sind Silhouetten-Skulpturen der fünf Beatles-Musiker (inklusive Stuart Sutcliffe, dessen Skulptur allerdings etwas abseits von den restlichen vier positioniert wurde) aufgestellt worden. Die Figur des Schlagzeugers lässt offen, ob es sich um den späteren, bekannten Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr oder den während des Großteils der Hamburger Zeit der Band aktiven Pete Best handelt. Am 29. Mai 2008 um 13:00 Uhr wurde seinerzeit die Bauphase mit dem symbolischen ersten Spatenstich gestartet.

Beheim-Schwarzbach

 

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