A-Z

Die Inselstadt Ratzeburg

Ratzeburg (plattdeutsch: Ratzborg) ist eine Stadt in Schleswig-Holstein, direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

Ratzeburg ist die Kreisstadt des Kreises Herzogtum Lauenburg. Sie ist als Luftkurort bekannt und auf Grund ihrer Lage inmitten des Ratzeburger Sees und ihrer lediglich über drei Dämme verlaufenden Verbindung mit dem Festland auch eine „Inselstadt“.
Ratzeburg liegt im Naturpark Lauenburgische Seen. Die nächstgrößeren Städte sind Mölln, Lübeck, Hamburg und Schwerin. Ratzeburg ist Bestandteil der Metropolregion Hamburg und gehört dem Hamburger Verkehrsverbund HVV an.

Der Ratzeburger Dom und die Altstadt liegen auf einer Insel im Ratzeburger See.






Von 1945 bis 1949 lag Ratzeburg an der Grenze zur Sowjetischen Besatzungszone bzw. bis 1990 an der innerdeutschen Grenze zur DDR.
Der Name geht auf den Fürsten Ratibor/Ratse zurück, welcher an der Spitze des obodritischen Teilstammes der Polaben stand. Er residierte hier im frühen 11. Jahrhundert in einer Ringwallanlage. Von der „Racesburg“ ist 1062 in einer in Worms ausgestellten, aber nicht übergebenen Empfängerurkunde von Heinrich IV. die Rede. In dem Schriftstück schenkt dieser die Burg dem Billungerherzog Ordulf. Auch Adam von Bremen erwähnt 1076 das damals slawische Ratzeburg bei seiner Beschreibung des Todes von Ansverus am 15. Juli 1066 auf dem Rinsberg bei Einhaus über dem Ratzeburger See: Ansverus monacus et cum eo alii apud Razzisburg lapidati sunt. Idus Iulii passio illorum occurrit. (Der Mönch Answer und mit ihm noch andere sind bei Ratzeburg gesteinigt worden. Ihr Martyrium geschah an den Iden des Juli.) Das Ansveruskreuz ist heute noch am Waldrand in Einhaus in der Nähe von Ratzeburg zu sehen. In drei Anläufen erfolgte die Christianisierung, die Stadtgründung und endgültige Etablierung des Bistums erfolgte 1154 durch Heinrich den Löwen. An Heinrich von Badewide, den ersten Grafen von Ratzeburg, erinnert ein Gedenkstein, der nach 1163 aufgestellt wurde.
Ausgestattet mit einer Empfehlung des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock verbrachte der englische Romantiker Samuel Taylor Coleridge den Winter 1798/1799 in Ratzeburg beim dortigen Pastor. Er beschreibt Stadt und Umgebung mit sehr schmeichelhaften Worten („The whole has a sort of majestic beauty, a feminine grandeur“), kritisiert aber: „The only defect in the view is, that Ratzeburg is built entirely of red bricks, and all the houses roofed with red tiles. To the eye, therefore, it presents a clump of brick-dust red.

sehenswert:
Der die Stadtinsel überragende romanische Dom wurde 1170 fertiggestellt und beherbergt die Gebeine des Hl. Ansverus. Gestiftet wurde der Dom von Heinrich dem Löwen, er ist eine der ältesten Kirchen des Landes. Zur Kirche gehört der Kreuzgang und ein Friedhof.

Ratzeburg ist eng mit dem Rudersport verbunden:
Die Ruderakademie Ratzeburg ist der zentrale Standort der Schwerpunktsportart Rudern des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein, Leistungszentrum des Deutschen Ruderverbands und das Landesleistungszentrum des Ruderverband Schleswig-Holstein. Sie liegt in Ratzeburg auf dem Domhof am Ratzeburger See.

Die Ruderakademie wurde 1966 unter Karl Adam gegründet, der damals Trainer des Deutschland-Achters war und mit diesem zwei Olympiasiege erringen konnte. Der Achter trainierte damals an der Ruderakademie. Adam blieb Direktor bis zu seinem Tode 1976, als ihm Jürgen Zander als Akademieleiter nachfolgte. 

Ausflugstipp:

Mit der Draisine ab Ratzeburg fahren

Ehrenbürger
1877: David Joachim Jakob Richter (1794–1880), 1821–1877 Stadtsekretär der Stadt Ratzeburg und Herausgeber einer Sammlung lauenburgischer Verordnungen und Gesetze; Verleihung der Ehrenbürgerschaft anlässlich der Pensionierung 1877.
1890: Otto von Bismarck (1815–1898), Reichskanzler; Verleihung der Ehrenbürgerschaft anlässlich seines 75. Geburtstages in Anbetracht seiner Verdienste um das Wohl der Stadt und ihrer Bewohner.
Johannes Spehr (1849–1916), Kaufmann, Senator, 2. Bürgermeister; Verleihung der Ehrenbürgerschaft anlässlich der Niederlegung seines Bürgermeisteramtes (genaues Datum unbekannt).
1962: Karl Saalfeld (1887–1963), 1926–1938 Bürgermeister, 1951–1962 Bürgervorsteher der Stadt Ratzeburg; Verleihung der Ehrenbürgerschaft anlässlich der 900-Jahrfeier der Stadt 1962.
1962: Karl Adam (1912–1976), Lehrer und Rudertrainer; Verleihung der Ehrenbürgerschaft anlässlich des Sieges bei der Ruder-WM 1962.
1975: Gustav Drevs (1907–1988), Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtags, Kreispräsident.


Söhne und Töchter der Stadt
1581 wird Franz II. von Sachsen-Lauenburg  (* 10. August 1547 in Ratzeburg; † 2. Juli 1619 in Lauenburg/Elbe) Herzog von Sachsen-Lauenburg. Franz gelang es, die desolaten finanziellen Verhältnisse des Landes etwas zu ordnen, aber die Zwistigkeiten mit der Stadt Lübeck wurden unter Franz wieder heftiger geführt. 
August von Sachsen-Lauenburg (1577–1656), von 1619 bis 1656 Herzog von Sachsen-Lauenburg
Niclas Herbst (* 28. Februar 1973 in Ratzeburg) (CDU) von 2005 bis 2012 war er Mitglied des Landtages, seit 2008 stellvertretender Vorsitzender der überparteilichen Europa-Union Schleswig-Holstein, seit Juli 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP).

Conrad Nahmmacher (* 24. Mai 1734 in Ratzeburg; † 6. Mai 1768 in Ilfeld) gilt als gründlicher und vielseitig gebildeter Gelehrter, der sich besonders mit den älteren Sprachen auskannte. 1759 wurde er Direktor des evangelisch-lutherischen Gymnasiums in Osnabrück. Außerdem wurde er Professor an der Universität Osnabrück. Später wurde er auch noch Direktor des Stiftspädagogiums in Ilfeld und Superintendent der Grafschaft Hohnstein.
Gunther Tiersch (* 30. April 1954 in Ratzeburg) Meteorologe und Goldmedaillengewinner bei Olympischen Spielen in Mexiko im Rudern
Friedrich Wilken (1777–1840), Historiker (Orientalist) und Bibliothekar
Carl Friedrich Wilhelm Catenhusen (1792–1853), evangelisch-lutherischer Theologe
Ernst Brockelmann (1799–1878), deutscher Kaufmann und Politiker
Karl Friedrich Wilhelm Rußwurm (* 25. November 1812 in Domhof Ratzeburg; † 5. Februar jul./ 17. Februar 1883 greg. in Reval), Historiker und Genealoge

Richard Eckermann (1862–1916), deutscher Marineoffizier, Schiffskommandant, Vizeadmiral im Ersten Weltkrieg, Oberwerftdirektor der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven
Vollrath von Hellermann (1900–1971), General und Ritterkreuzträger
Fritz Berendsen (1904-1974), Politiker (CDU), Prokurist der Klöckner-Werke AG in Duisburg sowie Oberst der Wehrmacht und Brigadegeneral der Bundeswehr
Hermann Bengtson (1909–1989), Althistoriker
Hans Barlach (1955–2015), Unternehmer
Carsten Köthe (* 1962), Hörfunkmoderator (R.SH)


Grabstätte der Familie Barlach auf dem „Vorstadtfriedhof“ mit der Skulptur von Ernst Barlach: „Der singende Klosterschüler“ (1931)

Mit Ratzeburg verbunden
Regine Bonke (* 1948 in Kiel) Objektkünstlerin, sie ist eine Vertreterin der Konkret-Konstruktivistischen Kunst, lebt und arbeitet in Ratzeburg
Neithard Bethke, Kirchenmusikdirektor sowie Gründer der Ratzeburger Sommerakademie
Ernst Barlach, wuchs in Ratzeburg auf und ist hier begraben.
Karl Adam, Rudertrainer, trainierte den legendären „Ratzeburger Achter“, der 1960 und 1968 Olympiasieger wurde. Adam wurde 1962 zum Ehrenbürger Ratzeburgs ernannt.
Karl Gatermann d.Ä., Maler, Zeichner und Graphiker, lebte und arbeitete von 1942 bis zu seinem Tod 1959 in Ratzeburg

Stand Mai 22 

Wismar


 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.