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Ein Volksfest für Lübeck 

Es ist jetzt schon einige Zeit her, da kommen angeblich die zurückhalten Lübecker nur zweimal im Jahr aus sich heraus: zu Silvester und zum Volksfest. Die Entstehung des Volksfestes mit seinem Umzug beweist aber, dass auch die kühlen Hansestädter zu spontaner Begeisterung fähig sind. Als 1848 in Frankfurt die Nationalversammlung tagte, mit dem Ziel, eine deutsche Reichsverfassung zu schaffen, und der österreichische Erzherzog Johann zum Reichsverweser eingesetzt wurde, löste das in Lübeck patriotische Genugtuung aus. Bürger fanden sich zusammen und beratschlagten, wie man dem historischen Ereignis in Frankfurt ein bleibendes Denkmal setzen könne. So entstand die Idee, von nun an alljährlich ein Volksfest zu feiern. Ein "Comite" aus Honoratioren bildete sich, das für Planung und Ablauf des Festes verantwortlich zeichnete. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung fand das erste Lübecker Volksfest am 23., 24. und 25. Juli 1848 auf dem Bürgerschützenhof vor dem Holstentor statt.

Lübecker Volksfest 1854Lübecker Volksfest 1854 unbekannter Zeichner., Public domain, via Wikimedia Commons

Der Höhepunkt des Festes war von Anfang an der Festzug, der sich sonntags nach dem Mittagessen in Bewegung setzte. Handwerker und verschiedene Berufsgruppen nahmen in farbenfrohen Kostümen daran teil. Bald reihten sich die ersten, phantasievoll geschmückten Festwagen ein.
Aber auch auf dem Festplatz, seit 1852 das Burgfeld, gab es viele Attraktionen, die jung und alt anzogen: die Jungen zum Mitmachen und die Älteren zum Zuschauen. Bei den "Volksbelustigungen" lachten die sonst so trockenen Lübecker wahrhaftig Tränen. Dicke Menschentrauben bildeten sich um eine Art Schiffsmast, der mit einem grünen Kranze umwunden war. An diesem Kranz hingen verschiedene Preise. Die männliche Jugend Lübecks war aufgefordert, den Mast zu erklimmen und sich die Belohnung abzupflücken. Die Aspiranten brauchten nicht nur Muskelkraft, sondern eine große Portion Optimismus. Der Mast war nämlich mit grüner Seife eingerieben. Wer nach etlichen "Ausrutschern" oben ankam, wurde mit donnerndem Applaus belohnt.
Ebenso vergnügt ging es beim Bickbeeren-Wettessen zu. Hierzu wurden die Teilnehmer in weiße Umhänge gehüllt, bekamen die Augen verbunden und mussten sich nun paarweise gegenseitig mit Bickbeeren füttern. Zur Gaudi des Publikums verfehlten die meisten Löffel ihr Ziel. Das Paar, das den Teller zuerst geleert hatte, bekam einen Preis. Ebenso tückisch war eine sich drehende Walze, über die man hinwegbalancieren musste. Wer einen Fehltritt tat, fiel in eine dicke Schicht von weißer Kreide oder, noch schlimmer, schwarzem Ofenruß.

Volksfestumzug 1973Volksfestumzug 1973 hier: Spielmannszug Rot-Weiß-Moisling


Scheibenschießen, Karussells und Buden mit Ess- und  Trinkbarem waren weitere Anziehungspunkte auf dem Volksfest. Zum Abschluss fand am Montagabend ein Feuerwerk statt, das den Himmel über Lübeck prächtig erleuchtete. Aber auch der Festplatz unten erstrahlte von Jahr zu Jahr in schönerem Glanz.
Das Komitee hatte aus den Einnahmen des Volksfestes eine ansehnliche Festhalle errichten lassen, und neu installierte Lampen leuchteten nachts so lange, bis es wirklich Zeit wurde für die Lübecker nach Hause zu gehen.  


Und heute ? 

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