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Mittelalter in der Krähenstraße Lübeck

Nicht gerade feine Düfte zogen in den frühen Jahren durch das Johannis-Quartier in der ehrwürdigen Hansestadt, in dem die Krähenstraße liegt. Alle Betriebe, die mit Fellen und Häuten zu tun hatten, bevorzugten die Gegend wegen ihrer Nähe zur Wakenitz. Weißgerber, Gerber, Handschuhmacher und Pelzer benötigten für ihre Aufgabe viel Wasser. Benachbart zur Krähenstraße, in der Stavenstraße, verarbeiteten Riemer das Material zu Lederriemen, Pferdegeschirr, Reit- und Zaumzeug. Allererste Adresse in der Sozialstruktur der Stadt war die Umgegend der Krähenstraße also von Anbeginn nicht.
Dieser Bereich der Stadt zwischen Domkapitel und Johanniskloster wurde nach 1180 erschlossen. 1235 sicherte die Stadt das Gebiet durch den Bau einer Mauer. Entsprechend dem sozialen Stand der Bewohner (neben den Gerbern waren es Fischer, Heringswäscher, Kohlenhändler, Fleischhauer, Weber, Böttcher), waren die Grundstücke schmal geschnitten, jeweils eine Hausbreite. Hinzu kamen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, die Gänge mit traufenständiger Bebauung durch Buden, ein- bis zweigeschossige Häuser.

Krähenstraße Lübeck 2018Krähenstraße Lübeck 2018

So blieb das Quartiere kleinen Leuten vorbehalten. Eine Bestandsaufnahme von 1633 verzeichnet 34 Arbeitsmänner, 20 Soldaten, neun Weber und neun Witwen in dem Bereich zwischen Krähenstraße und Stavenstraße. Seit 1500 zählte dieser Block zum Johannis-Quartier. Damals war Lübeck im Zuge einer Neuplanung der Verteidigung in vier Quartiere aufgeteilt worden. Als die Lübecker Stadtbefestigung neu gebaut wurde, entstanden 1646 - 47 unterhalb der Krähenstraße und der Stavenstraße jeweils eine Schanze.
Wovon sich der Name der Krähenstraße ableiten lässt, ist nicht geklärt. Sie liegt benachbart zum Krähenteich und sie führte einst auf das Krähentor zu. Aber wer Namensgeber für die anderen war, ist nicht sicher. Anders verhält es sich bei der den Block abschließenden Stavenstraße. Dort gab es im Haus Nummer 33 vom 14. bis ins 19. Jahrhundert eine Badestube (Badestaven).
Auch die Tradition des einfachen Lebens setzt sich fort in den lübschen Stadtquartieren. Wer erfolgreich aufstrebte, zog in einen anderen Teil der Stadt, wer blieb, konnte vielfach auch das kleine Häuschen nicht mehr halten. Viel wert war es ohnehin nicht, etwa 1000 lübsche Mark. Lediglich das Brauhaus, das Backhaus und das Badehaus brachten es auf einen Wert von 2000 lübsche Mark. Nahezu alle Häuser wurden im Laufe der Zeit vermietet, nur sieben in dem Block noch von ihren Eigentümern bewohnt (davon fünf in der Krähenstraße).
Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert. Lediglich 14 Häuser waren um 1900 vermietet. Doch auch die neuen Eigentümer und Mieter blieben in dem sozialen Stand, der von jeher kennzeichnend für das Quartier war: Das Adressbuch wies um diese Zeit 225 Haushalte aus. Von den Haushaltsvorständen waren 61 ohne Berufsangabe, 60 Frauen (28 Witwen, 25 in Zerrentins Armenhaus), 56 Handwerker, 29 Arbeiter, Boten, Träger, Straßenreiniger.

 

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