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Von verschwundenen Gewerken in Lübeck

Heute wie früher immer noch ein bedeutender Werkstoff und Energieträger: Holz.
Zunächst ist deshalb einmal von den Holzsägern zu berichten. Sie mussten früher kommen, wenn der Schornstein rauchen sollte: die Holzsäger, die fest zum Bild der alten Hansestadt Lübeck gehörten. Wer es sich leisten konnte oder besonders viel zu heizen hatte, bediente sich ihrer. So waren sie besonders häufig vor Backhäusern und Stiftshöfen zu sehen, aber auch vor den Häusern der vermögenden Bürger.

BeilBeil StromBer 14:54, 27. Jan. 2008 (CET), CC BY-SA 2.0 DE , via Wikimedia Commons

Dort zersägten sie auf der Straße die großen Berge des angefahrenen Holzes, spalteten mit einem breiten Beil die schweren Kloben. Dabei stemmten sie einen Fuß gegen das Holz. Zum zwingend notwendigen Schutz des Fußes bei diesem gefährlichen Geschäft trugen sie Schuhe mit überlangen Kappen. Die Holzsäger gehörten zur Gruppe der Verlehnten. Damit waren sie zwar nicht den Handwerkern gleichgestellt, hatten aber als Facharbeiter ein gutes Ansehen. Sie hoben sich damit von der Schicht der Tagelöhner und Arbeitsmänner ab. Die Konzession für die Verlehnten gab der Rat der Stadt gegen die Zahlung einer Gebühr. Dabei wurde das Recht zur fest umschriebenen Arbeit stets nur an die Person gebunden verliehen. Entweder hatte der Verlehnte jährlich eine Pacht an die Stadtkasse zu zahlen, oder er erhielt die Arbeitserlaubnis auf Lebenszeit durch Kauf oder Erbschaft.
In den Stand der Verlehnten gehörten auch die Kornwäger und -messer sowie die Flachsbinder. Letztere gab es in Lübeck allerdings nur bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Dann verlor der Flachshandel in der Stadt so rapide an Bedeutung, dass dieser Berufsstand niemand mehr ernährte. Die Flachsbinder gehörten zu den äußerlich auffälligen Erscheinungen in der Stadt. Durch ihre weißen Röcke und die hellen Schürzen waren sie leicht zu erkennen. Besonders charakteristisch jedoch war das "Wrackholz", ein gebogener Weißbuchenschaft.
Die Holzsäger und die Flachsbinder teilten das Schicksal als verschwundene Berufe mit vielen anderen, die einmal bedeutend waren und über die die Zeit hinwegging. Wer denkt noch an den Ballastschieber, der für die richtige Lagerung des Ballastes auf Schiffen sorgte, den Holzsetzer, der Holz in Festmeter abpackte, den Karrenführer, den Leinenzieher, der die Schiffe treidelte, den Pfünder an der großen Stadtwaage, den Schlammmeister als Baggerführer auf der Untertrave, den Teerbinder, der die Taue der Schiffe teerte, den Fischweicher, der den trockenen Stockfisch wieder genießbar machte, den Corduanbereiter, der die Häute von Schafen und Ziegen zu Leder verarbeitete, den Fischbeinweicher, der die Barten des Wales für Korsetts aufbereitete, den Plüssenmacher (Plüschweber), den Senkler (Senkelmacher), den Walker (Tuchwalker), den Wergpflücker, der Flachsreste verarbeitete, den Bandreißer, der die Faßbänder machte, den Hechelmacher, der Flachskämme herstellte, den Kleinbinder (für die kleinen Gefäße) und den Küper (für die großen Fässer), den Drangfahrer, der Schweinefutter und Abfälle transportierte, den Schwertfeger, der die Schwerter schmiedete …..

Krähenstraße

 

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