Ein Casino für Lübeck

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Travemünde als "Riviera des Nordens" entdeckt, das Glücksspiel war dabei Motor des Ortes auf dem Weg zum touristischen Hotspot. 

Die ersten Spieler in Travemünde versuchten heimlich ihr Glück. Angeblich war es der französische Marschall Jean Baptiste Bernadotte, der spätere Karl XIV. Johann (* 26. Januar 1763 in Pau, Frankreich, † 8. März 1844 in Stockholm) König von Schweden, der zuerst die Roulettekugel an der Ostsee rollen ließ. Das war, nachdem Lübeck 1806 von den Franzosen besetzt worden war. Die Franzosen mussten wieder abziehen, aber die Lust am Spiel blieb in Travemünde. Nachweislich rollt die Elfenbeinkugel seit 1822. 


Offiziell war das Glücksspiel zwar nicht erlaubt, aber der Senat drückte beide Augen zu. Sein stilles Einverständnis wurde ihm mit Spenden für Notleidende und Waisenkinder abgekauft. Bis dann Heinrich Behrens (1804–1874) den Antrag auf die Konzession für eine Spielbank 1833 stellte. Die Erlaubnis wurde ihm gegen die jährliche Zahlung von 350 Mark erteilt. Sie beinhaltete die Berechtigung für die Spiele Roulette, Rouge et Noir und Pharao. Gespielt wurde nicht im Casino, das damals noch nicht stand, sondern im alten Kurhaus. Um Mitternacht mussten die Spieler die Spieltische verlassen haben. Dienstboten und Bauern war der Zutritt verboten. Wie es in der Spielbank zuging, schilderte der Travemünder Arzt Wilhelm Saß (* um 1792 in Lübeck; † 10. September 1859 ebenda) 1835 in seinem "Taschenbuch für gebildete Badegäste oder Anleitung zum zweckmäßigen Gebrauch des Seebades" : "Kurz vor Tische sieht man eine beträchtliche Menschenmenge im höchsten Staate auf der Promenade wandeln, ebenso lebhaft ist es auf der Terrasse vor dem Wirtschaftsgebäude, und besonders im Spielzimmer, wo der Meister des Spiels leidenschaftslos am grünen Tische sitzt und die launige Kugel im Kreise schwingt, während er zugleich das künstliche Glücksrad mit seltener Fertigkeit dreht. Wer des Geldes Fülle besitzt, und den etwaigen Verlust leicht verschmerzen kann, treibe das Spiel nach Belieben; wer aber seiner Leidenschaft nicht Meister ist, wem der Verlust Kummer und Sorgen bereitet, der unterlasse es, die launige Glücksgöttin zu versuchen."
Auf so wohlmeinenden Rat hörten natürlich am wenigsten die, die ihn hätten beherzigen sollen. Immer wieder machten Geschichten von Spielern die Runde, die zu viel riskiert hatten. Insbesondere Gäste aus Russland taten sich dabei hervor. Dostojewski und sein Landsmann Turgenjew gehörten zu den Spielern. Der Schriftsteller Iwan Turgenjew verlor so viel, dass er keine Barschaft mehr hatte und im Hotel de Russie (das seit 1914 "Hotel Deutscher Kaiser" heißt) so lange logieren musste, bis vom väterlichen Gut Spasskoje das Geld kam, mit dem er sich auslösen konnte.
Solche Geschichtchen gaben der nie abreißenden Diskussion um die Moral der Spielstätte immer wieder Auftrieb. 1849 verbot die Frankfurter Nationalversammlung das Glücksspiel in Deutschland. Lübeck kümmerte sich nicht darum. In Travemünde lief die Kugel weiter. Der Norddeutsche Bund schaffte es 1868, ein Spielverbot an Sonn- und Feiertagen durchzusetzen. Zwei Jahre später war dann ganz Schluss. Das Deutsche Reich verbot 1870 die Glücksspiele.
Bis 1949 war Travemünde ohne Casino. Als dann die neue Konzession erteilt wurde, richtete sich die Spielbank in dem ehemaligen städtischen Kursaal ein. Das "nordische Monte" wurde Travemünde bald darauf genannt. 1952 schwärmte man davon so: "Das Nordische Monte ist heute ein internationaler Begriff geworden, den man überall kennt, wo Menschen leben, die wissen, wo es schön ist. Man hat den Parkplatz vor dem Casino als eine Autoschau von internationalem Gepräge bezeichnet. In der Tat stauen sich dort im Sommer die Autos aus aller Herren Länder. Man sieht Kennzeichen, die sonst nur in großen Weltstädten zu finden sind …"  
Zu den prominentesten Gästen zählte man  den griechischen Reeder Aristoteles Onassis und den Schauspieler Curd Jürgens. Im weithin bekannten Nachtclub Belle Epoque traten Vico Torriani, Lale Andersen oder Josephine Baker auf.

Das Gebäude des ehemaligen Spielcasinos wurde 1913/1914 im Jugendstil als „Städtischer Kursaal“ bzw. „Konversationshaus“ erbaut. Die Außenanlagen wurden im Jahr 1915 von dem bekannten Lübecker Gartenarchitekten Harry Maasz gestaltet, dieser ist ja auch federführend bei der Anlage des Lübecker Schulgartens gewesen.. 
Doch 1978 ist die Einführung der Spielautomaten der Anfang vom Ende. 2012 gibt die zuständige Spielbank Schleswig-Holstein GmbH den Spielbetrieb endgültig auf.
Glücksspiel hat für viele Menschen einen negativen Beiklang. Dieser wird auch mit den Wörtern Casino oder Spielbank verknüpft. So erfolgte zwischenzeitlich eine Umbenennung von Casino in Clubsino. Das Clubsino sollte das Spielen in einem positiven Licht erscheinen lassen. Neben dem Namen wurde auch die Ausrichtung geändert. Das Etablissement war als eine Mischung zwischen Spielen, Club und Events geplant. Aber der erhoffte Erfolg blieb aus. Schon 2012 wurde ein Verlust von 410.000 Euro eingefahren. Dieser stieg zu 2013 auf 672.000 Euro an. Dies ist mit einem Rückgang der Besucher verknüpft. 44.300 Gäste erschienen 2012. Ein Jahr später waren es nur noch 39.500 Kunden.
2004 meldete die Betreibergesellschaft des Hotels Casino Travemünde Insolvenz an.
2005 übernahm die Hotelgruppe Columbia Hotels & Resorts das Hotel vom Casino, das Hotel erhielt den Namen „Columbia Hotel Casino Travemünde“. Das Casino zog innerhalb des Hauses um. Seit 2009 wird das Hotel mit fünf Sternen bewertet.
Im Dezember 2012 zog das Spielcasino nach Lübeck um. In Sichtweite zum Holstentor befindet es sich jetzt im Lysia-Hotel bzw. Mövenpick-Hotel.
Welche Chancen sich unseren Casinos noch bieten ist ungewiss, gerade hat die Spielbank Westerland ihr endgültiges Aus verkündet.

 

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