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Brodtener Ufer in Travemünde

Wir beginnen unsere Wanderung in Travemünde am unübersehbaren Maritim-Hotel, dem imposanten Hochhaus mit seinem aussichtsfreundlichen Dachgarten-Cafe und nehmen den Weg zwischen dem Strandbad-Centrum und der Nordermole.

Beim Fehlingstein erreichen wir die Strandpromenade. 1904 eingeweiht zählt sie zu den wohl architektonisch reizvollsten Promenaden Deutschlands. Wir folgen ihr und sehen im Sommer über die Lübecker Bucht mit dem Fährverkehr und den vielen Segelbooten.

Brodtener Ufer

Für zünftige Urlauber stehen ungefähr 1700 Strandkörbe zur Verfügung. Zur linken Hand der Brügmann-Garten mit der Konzert-Kuppel, in der im Sommer Kurkonzerte und andere musikalische Highlights erklingen und das ehemalige legendäre Spiel-Casino. An die Promenade schließt sich der 280 Meter lange Steinwall des Söhrmanndamms an, ein wichtiger Teil für Travemündes Uferschutz.
Über Stufen nach links zur Strasse hoch und ansteigend weiter geht es auf das Buchenwäldchen zu. Hier beginnt der eigentliche Uferweg, teilweise von Drahtzaun gesichert. Er führt durch Wäldchen, Gehölze über freies Feld und schließlich auch am Golfplatz von Travemünde vorbei.

Das Steilufer ragt bis zu 20 Meter hoch senkrecht über der Ostsee auf. Die stürmische See, Wind, und Regen nagen an dieser Stelle. Jedes Jahr rauben die Wellen dem Steilufer Felsbrocken, Erde und Sand, manchmal bis zu 50 Zentimeter im Jahr. Regelmäßig muss dann der Wanderweg verlegt und sichererer gemacht werden. Also Vorsicht am Steilrand, insbesondere für Kinder.
Wenn der Weg endet, sind wir an der Hermannshöhe angelangt. Das Restaurant mit Cafe profitiert ungemein von der wunderbaren Aussicht. 
Den Weg benutzte um die Jahrhundertwende übrigens der Konsul Hermann Fehling um hierher zu kommen. Gerade er setzte sich für den Bau der Strandpromenade in Travemünde ein, ihm zu Ehren wurde diese wunderschöne Stelle so benannt. Hier können die Besucher auf einem Treppensteilpfad nach unten kommen - auch sehr schön, wenn die Steilküste aus dieser Perspektive betrachtet werden kann. Wir wandern aber den Uferweg weiter, wenig später heißt die Straße dann Großenhof, die wir nehmen um zum Dorf Brodten zu gelangen.

Man sagt ja immer wieder Lage, Lage, Lage!
Bezogen auf den Reiz ist die Lage der "Hermannshöhe" goldwert. An einem der schönsten Wege der Küste Schleswig-Holsteins gelegen, erfreut sich immer noch das traditionelle Ausflugslokal großer Beliebtheit. Da kann es äußerlich ruhig etwas bescheidener auftreten, mit Strandkörben usw. Die Hauptrolle auf der Hermannshöhe spielt eben die Natur. Sie ist hier noch ungezähmt. Etwa in der Mitte des Steilufers zwischen Travemünde und Niendorf gelegen, muss auch die Hermannshöhe alljährlich ihren Tribut ans Meer zahlen. Von dem hier zwischen 15 und 18 Meter hohen Ufer rutschen Jahr um Jahr zwischen 75 und 85 Zentimeter abwärts zum Strand, von wo Ton und Mergel von der See fortgespült werden. Es gibt an der Ostsee Zehr- und Nährküsten. Das Brodtener Ufer ist eine Zehrküste. Was dort abgetragen wird, spült die See anderenorts wieder als feinen Sand an. Und die See trägt viel ab. Seit 1877 wird genau registriert, wieviel Land am Brodtener Ufer verlorengeht. Und so wurde errechnet, dass seit 1810 schätzungsweise 160 Meter des Ufers abgetragen wurden. Rechnet man nach, ragte das Ufer vor 6.000 bis 7.000 Jahren zwei Kilometer weiter in die See. Dort, wo heute das Ausflugslokal "Hermannshöhe" steht, gab es einst seewärts eine kleine Schutzhütte. Auch ihr wurde der Boden wörtlich unter den Grundmauern entzogen.
Es ist nicht allein die See, die an der Küste nagt. Mit der Brandung im Bunde sind Klima, Grund- und Sickerwasser. Setzte der Frost dem Ufer zu, gerät es ins Rutschen, wenn das Tauwetter beginnt. Das Grundwasser wächst an zu breiten Schlammströmen. So ist der Wanderweg am Brodtener Ufer selbst ständig landeinwärts in Wanderschaft. Fachleute haben errechnet, dass das Dorf Brodten (1188 erstmals erwähnt) in 800 bis 900 Jahren unmittelbar an der Abbruchkante liegen wird. Noch weit davor aber liegt Hermannshöhe. Unmittebar in Travemünde schützt der "Söhrmanndamm" ein geringes Stück das Ufer.
Seit den 1930er Jahren führt eine Straße unmittelbar bis an das Ausflugslokal. Wer bis dahin diesen schönen Platz erreichen wollte, der musste kräftig wandern. Konsul Hermann Fehling , der sich auch für den Bau der Travemünder Promenade intensiv eingesetzt hat, war Förderer des Wanderweges auf dem Brodtener Ufer. Hermannshöhe soll sein Lieblingsplatz gewesen sein, und so ist das Ausflugslokal auch zu dem Namen gekommen. Die allseits beliebte und akzeptierte Erklärung: Fragte jemand in Travemünde, wo der Konsul sei, wurde ihm geantwortet: "Ja, der Hermann, der ist auf seiner Höhe." Ein Findling an der Strandpromenade erinnert an Konsul Hermann Fehling und seinen Einsatz für Lübecks "schönste Tochter".  Das Denkmal trägt als Inschrift:

Dem Förderer Travemündes
Konsul Hermann Fehling
im Juli 1908

Hermann Fehling  (* 23. April 1842 in Lübeck; † 7. Dezember 1907 ebenda), sein Bruder  Emil Ferdinand Fehling (* 3. August 1847 in Lübeck; † 3. August 1927 ebenda) wurde 1917–1920 Bürgermeister von Lübeck, war in Sachen Wanderfreude Schrittmacher. Mit wachsendem Fremdenverkehr fand er zunehmend Nachahmer. Der Travemünder Hotelier Wilhelm Beythien erkannte die Zeichen der Zeit. Er baute 1914 eine Schutzhütte auf Hermannshöhe in einen Pavillon mit Bewirtung um. Damit hatte er sich auf eine mühevolle Aufgabe eingelassen, denn da jegliche Straßenverbindung fehlte, musste alles für die Gäste auf dem schmalen Pfad oberhalb des hohen Ufers herangeschleppt werde.
Jetzt ist die Örtlichkeit aber leichter erreichbar. Der damalige Bau wurde inzwischen durch ein größeres Haus ersetzt in dem jetzt die Familie Beckhaus ein Hotel, Restaurant, Erlebniscafe betreibt mit der Möglichkeit einen Parkplatz zu bekommen.

Brodten mit seinen hübschen Reetdachkaten lässt sich leicht durchwandern und wir folgen der Fahrstraße, die sich Wedenberg nennt. Am Ortsrand von Travemünde biegen wir links ein, in den Kowitzberg. Auf ihr zur Kaiserallee nach rechts und parallel zur Strandpromenade geht es wieder an den Ausgangspunkt.
 

Weglänge: ca. 8 km • Gehzeit: 2 Stunden • Steigung: 30 Meter • Einkehrmöglichkeit: in Travemünde längs der Promenade und auf dem Steilufer im Bereich Hermannshöhe

Kinder und Ostsee


 

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