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Die Lübecker Reichsfreiheit 1226

Der Fernhandel vor allem mit Russland hatte Lübeck schon Anfang des 13. Jahrhunderts zu einer wohlhabenden, rasch wachsenden Stadt gemacht. Doch die Lübecker waren nicht ihre eigenen Herren. Nach damaligem Recht brauchten sie einen Fürsten, der die Hand über sie hielt. Eine herrenlose Stadt musste jederzeit damit rechnen die Machtgelüste eines Potentaten zu wecken. Die Ratsherren sannen nach einem Ausweg, und sie konnten die Gunst der Stunde nutzen.

1223 war der bisherige Stadtherr Lübecks, der dänische König Waldemar II. bei einem Jagdausflug auf die dänische Insel Lyö vom Grafen Heinrich von Schwerin überfallen und gefangen gesetzt worden.  

Lüneburger Salz
Lüneburger Salz

Die Lübecker reagierten sofort und kündigten dem hilflos im Kerker schmachtenden Waldemar die Gefolgschaft auf. Doch da war schon ein anderer, der ein Auge auf die reiche Stadt geworfen hatte: Der Schauenburger Adolf IV. Ihm schlugen die Lübecker ein Schnippchen. Sie schickten in aller Eile einen Abgesandten des Lübecker Rats nach Italien zu Friedrich II., zu der Zeit Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Ihn wollten die Lübecker als obersten Herren, denn er war weit genug weg und durch ständige politische Schwierigkeiten so beschäftigt, dass er sich schon nicht in die Lübecker Belange einmischen würde. Im Gepäck hatten die Bevollmächtigten des Rats, Wilhelm Witte und Johann von Bremen, die der Stadt 188 verliehene Urkunde, das Barbarossaprivileg


Der Großvater von Friedrich II. stellte Lübeck darin schon unter seinen Schutz. Doch es handelte sich bei dem wichtigen Dokument, das dem Enkel nun vorgelegt wurde schon um eine (etwas veränderte) Kopie. Im Kopieren waren übrigens immer Mönche ganz große Künstler, ein Kloster bzw. die Kirche sicherte sich so immer ihren finanziellen Bestand. War das Kloster Reinfeld deshalb so mächtig geworden? Die Lübecker jedenfalls hatten in der Kopie den Wortlaut zu ihren Gunsten verändert. So sicherten ihnen die veränderten Teile der Urkunde das Recht zu, bei Verletzungen bestimmter Interessen der Stadt selbst zu Gericht zu sitzen, keine Heerfolge leisten zu müssen, die Münzprägung in der Stadt zu überwachen und den Pfarrer der Marienkirche wählen zu dürfen. Tatsächlich bestätigte der ahnungslose Kaiser Friedrich die Privilegien, die Barbarossa den Lübeckern in dieser weitreichenden Form nie gegeben hatte. Noch wichtiger aber war den Lübeckern eine zweite Urkunde, die sie vom Kaiser erbaten. Sie schlugen vor, ihnen die Reichsfreiheit zu gewähren. Das bedeutete, dass Lübeck als freie Stadt direkt dem deutschen König, einem Sohn Friedrichs, unterstehen sollte. Die Stadt sollte ein Teil des Reichsgutes werden. Damit durfte kein Fürst mehr den Versuch wagen, sich zum Herren über Lübeck aufzuschwingen. Das war der wichtigste Punkt. Große wirtschaftliche Vorteile erhofften sich die  Lübecker durch die Anweisung des Kaisers, dass kein Adliger mehr den Handel zwischen Lübeck, Schwerin, Hamburg, Ratzeburg und Wittenburg stören durfte. Friedrich sollte den Lübeckern auch Land in Travemünde überlassen, damit sie dort ein Hafenzeichen errichten konnten, so entstand der älteste Leuchtturm. Weiter sollten sie bei ihren Reisen nach England künftig keine Steuern mehr u.a. an die Kölner zahlen. Es gab dabei auch Zeugen (Erzbischöfe, Fürsten usw.). Zwischen dem 14. und dem 21. Juni 1226 konnten Wilhelm Witte und Johann von Bremen, die Lübecker Ratssendboten in der Reichsburg in „Borgo San Donnino“, dem heutigen Fidenza, daher mit dem Reichsfreiheitsbrief die wichtigste Lübecker Verfassungsurkunde überhaupt entgegennehmen. 
Eine kleine Formalität war zwar noch vorher zu erledigen, aber auch daran hatte Lübeck schon gedacht. Da die Stadt so weit entfernt vom königlichen Hof lag, musste ein "rector" im Range eines Fürsten vor Ort die Macht des Königs vertreten. Sie schlugen den sächsischen Herzog Albrecht I., auch als Zeuge anwesend, für diese Aufgabe vor, denn der war nicht stark genug, um sich in die lübsche Politik einzumischen.   
Zunächst stand diese Reichsfreiheit jedoch nur auf dem Papier. Erst mit der für Waldemar II. vernichtenden Schlacht bei Bornhöved am 22. Juli 1227 ließen sich die von Friedrich gewonnenen Rechte für die Lübecker in Rechtswirklichkeit umsetzen.  

 

 

 

 

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