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Der Schwarze Tod, die Pest grassiert in Lübeck

Die Pest, eine abscheuliche Krankheit, ist auch heute noch nicht besiegt: Von 1978 bis 1992 meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1451 Todesfälle in 21 Ländern. In den USA gab es beispielsweise 1992 dreizehn Infektionen und zwei Todesfälle. 
So ereignete sich eine größere Pestepidemie von August bis Oktober 1994 im indischen Surat. Die WHO zählte 6344 vermutete und 234 erwiesene Pestfälle mit 56 Toten.

Im November 2008 wurde ein erneuter Ausbruch der Erkrankung in Uganda von den lokalen Zeitungen gemeldet. Betroffen waren insgesamt zwölf Menschen, von denen drei starben. 
Heute weiß man aber wie man der Krankheit, übertragen durch Erreger mittels Tröpfcheninfektion oder dem Biss von Insekten, wirkungsvoll begegnen kann. Das war im Mittelalter anders. Viele Schutzheilige sollten damals helfen und vermochten doch nichts, wenn die Pest die Menschen dahinraffte. Um 1350 war Lübeck stark betroffen. Sechzig Schutzheilige gegen die Pest kennt die katholische Kirche, allen voran Sebastian, Rochus und die 14 Nothelfer. Zu den zusätzlichen Heiligen, deren Hilfe erfleht wurde, gehörte auch St. Jürgen. Als Henning von der Heyde seine St. Jürgen-Gruppe schuf, lagen die Züge der Pest, die über Lübeck hinweggingen, zwar lange zurück, Henning, ein Schüler von Bernt Notke, schuf den Heiligen Georg und die Prinzessin ursprünglich 1504 für die St. Jürgen-Kapelle. Die Seuche hatte ihren Schrecken aber für Lübeck keineswegs verloren, die Pest kehrte  1597 noch einmal zurück. Am fürchterlichsten war die Epidemie aber 1347 -1353. Sie war vermutlich in Zentralasien ausgebrochen und über die Seidenstraße nach Europa gekommen. Über den Schiffsweg Messina (Italien) und Frankreich gelangte sie nach England. Ein englisches Schiff, beladen mit Wolle, soll im Mai 1349 die Pest über die Nordsee nach Skandinavien (beginnend in Norwegen) getragen haben. Die Mannschaft starb auf der Reise. Fischer holten vor Bergen das treibende Schiff an Land, mit ihm die Pestflöhe, so steht es im isländischen Lögmanns-annáll. Über Dänemark gelangte die Seuche, in Norwegen svartedauden (Schwarzer Tod) genannt, nach Lübeck. Jeder vierte Bewohner der Stadt fiel ihr zum Opfer. Für das Gebiet des heutigen Deutschland wird geschätzt, dass jeder zehnte Einwohner infolge des Schwarzen Todes sein Leben verlor. Hamburg, Köln und Bremen zählten dabei zu den Städten, in denen auch ein sehr viel höherer Bevölkerungsanteil starb. 17 Jahre später, als Lübeck abermals heimgesucht wurde, starben 17 % der Bevölkerung. 

Bei Ausgrabungen neben dem Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck entdeckten Mitarbeiter des Amtes für Vor- und Frühgeschichte 1991 ein Massengrab. In zwei Gruben von nur 4,50 x 5,20 Meter lagen mehr als 700 Tote. Offenbar sind sie in kürzester Zeit und ziemlich hastig in die Gruben geworfen worden. Die Pest hinterlässt keine Spuren am Skelett, mehrere Organe versagen ihren Dienst, meist führt letztendlich ein toxischer Schock zum Tode. Es wird deshalb angenommen, dass in den Gruben einige Opfer der Pest ihre letzte Ruhe fanden. Wenn die Friedhöfe nicht mehr ausreichten, und das war schnell der Fall, wenn die Epidemie zuschlug, wurden derartige Gruben ausgehoben. Wagen mit läutenden kleinen Glocken zogen kreuz und quer durch die von der Pest gegeißelten Stadt. Die Helfer waren vermummt, aber das half natürlich auch nicht viel. Wer die Glocke hörte und einen Toten zu beklagen hatte, brachte ihn aus dem Haus und musste das Opfer selbst  auf den Wagen legen.  

Die St. Jürgen-Gruppe von Henning von der Heyde wird heute im St.Annen-Museum gezeigt. Das Hanse-Museum betreibt eine Ausstellung zum Thema Pest in Lübeck.

Die Not der Pestzeit klingt aus diesem in Lübeck niedergeschriebenen geistlichen Lied: 

Id (Es) is altiid (immer) neen Fastelavent,

De Dod kumt morgen, oft' noch t'Avent,
Wen God will, sunder Band, 
So mote wy in dat ander Lant.
Gy Medici und' gy Hochgelard,
Wuste gy my Rad in korter Fard,
Ik bleve hir gerne sund genannt (gesund genannt)
Mer (Aber) wy moten yo in dat ander Lant.
Na Deme, als men geschreve find't
Dat Levend sy men (nur) als en Wind.
De da fleget over dat Zant (Sand),
So' snel fare wy in dat ander Lant. 
(Quelle Lübeck Archiv)

 

 

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