Rauhe Sitten an der Trave - Das Artlenburger Privileg

Schon zur Zeit der Neugründung von Lübeck segelten Händler von der Trave nach Gotland (Schweden), der größten Ostsee-Insel. Hier trafen sich Kaufleute aus dem Nordosten und Nordwesten Europas um ihre Waren zu tauschen: Felle, Wachs und Honig, Salz, Tuche und Waffen kamen in Mengen auf den Markt.  Das Artlenburger Privileg ist eine Urkunde Heinrichs des Löwen aus dem Jahr 1161. Die Urkunde wurde anlässlich eines Landtages im Oktober auf der Ertheneburg am Elbübergang unterzeichnet. Sie schuf einen Ausgleich zwischen den in der Ostsee Handel treibenden Kaufleuten der Insel Gotland und denen der damals von Heinrich stark geförderten Stadt Lübeck.
Die Dauer und der Anlass des wohl um 1159/60 entstandenen Streits lässt sich nicht mehr klären. Ein möglicher Grund: Immer mehr lübsche Händler kamen nach Visby und den einheimischen Händlern war der Wettbewerb zu groß. Die abschriftlich erhaltene Urkunde müsste die älteste erhaltene Urkunde des sächsischen Herzogs sein, das Vorhandensein gilt jetzt aber nicht mehr als sicher. Vom Inhalt her gibt sie eine Rechtsschutzgarantie für die Gotländer auf der Grundlage der Reziprozität. Sie bestätigte den Gotländern die ihnen ehemals von Lothar III. verliehenen Rechte in Sachsen. Den Kaufleuten von der Insel Gotland wurden im Lübecker Hafen bestimmte Rechte eingeräumt und garantiert, die auch den Lübeckern im Handel auf Gotland zustanden. „Sollte ein Mann von Gotland bei einem Besuch in Lübeck zur Zeit des Marktfriedens erschlagen werden, so wollte er, Heinrich, die Todesstrafe über den Schuldigen verhängen.“ Sehr wichtig war auch die weitere Vereinbarung, nach der die Händler aus Gotland in Heinrichs Machtbereich keine Zölle zu zahlen brauchten. Heinrich räumte den Gotländer Waren die Zollfreiheit in seinem Herrschaftsbereich ein. Gleichzeitig setzt er mit begrenztem Mandat einen Boten Odelrich als Aldermann der niederdeutschen Kaufleute auf Gotland ein und verlieh den sich in der Folge in der Gotländischen Genossenschaft zusammenschließenden deutschen Kaufleuten die Rechtsfähigkeit. Indirekt wird das Bestehen eines Streits durch ein weiteres Privileg des Königs Waldemar I. von Dänemark an die Gotlandfahrer der Knudsgilde etwa im Jahr 1177 bestätigt. Sowohl die dänischen Kaufleute der Knudsgilde als auch die niederdeutschen Kaufleute aus Lübeck unterhielten aufgrund des Umfangs ihrer Handelsaktivitäten bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Visby auf Gotland feste Häuser. In diese Zeit fällt auch der Bau des Domes zu Visby, der als deutsche Kaufmannskirche St. Marien entstand und auch als Warenlager und zur Aufbewahrung von Wertsachen von den deutschen Kaufleuten genutzt wurde.

 

 

 

 

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