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Der Alte Friedhof in Bad Oldesloe

 

In Oldesloe bestattete man bis 1823 noch ausschließlich an der Peter-Paul-Kirche, bis es dort zu eng wurde.
So genehmigte man dann einen "neuen Begräbnißplatz" vor dem Bestetor am Travehang. Eine Anlage mit Alleen und kreuzförmig angelegten Wegen entstand. Das backsteinerne Torhaus wurde gebaut, die Pläne dazu stammten vom Hamburger Architekten Alexis de Chateauneuf (* 18. Februar 1799 in Hamburg; † 31. Dezember 1853 ebenda). In Hamburg hatte dieser schon bemerkenswertes abgeliefert. Fritz Schumacher, der noch seinen Nachlass studieren konnte, bezeichnet dessen Werk als die „größte künstlerische Leistung Hamburgs im 19. Jahrhundert“. 
Das Torhaus war ursprünglich konzipiert als Durchfahrt mit symmetrischen Anbauten. Gebaut wurde aber nur der Mittelbau auf quadratischem Grundriss mit Rundbögen auf vier Seiten. 

Torhaus
Torhaus des Alten Friedhofes Bad Oldesloe

Rund 60 Jahre bestattete man hier. 1871 stellte man auch einen Obelisk zum Andenken an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges auf und errichtete einen neuen Friedhof an der Hamburger Straße. Der Ort bekam 1920 noch einmal eine gewisse Bedeutung als man eine für diese Zeit typische Ehrenmal-Anlage für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges hier schuf. Entworfen hatte den "Heldenhain" aus Eichen mit der Feldsteinrotunde der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz.

Ehrenfriedhof Bad Oldesloe
Ehrenfriedhof Bad Oldesloe

Harry Maasz (eigentlich Maaß) (* 5. Januar 1880 in Cloppenburg; † 24. August 1946 in Lübeck) war er von 1912 bis 1922 Leiter des Gartenamtes der Freien und Hansestadt Lübeck. Er war der Nachfolger von Erwin Barths. 1922 gründete er ein eigenes Atelier für Gartengestaltung in Lübeck. Maasz erdachte den durch die Straße Sandberg vom Burgtorfriedhof separierten und im Jahre 1917 erweiterten Ehrenfriedhof Lübecks. Maasz starb 1946 und ist übrigens als letzte Person auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt worden.
Weitere interessante Arbeiten von ihm sind auch noch 1913: Lübecker Schulgarten
1913: die noch bestehende Gartenanlage Villa Dräger (Lübeck) und 1924–1926: Landhausgarten für das Verlegerehepaar Wachholtz in Neumünster.

In der Anlage findet man seit 1954 auch die Figur der "Trauernden". Sie stammt vom Bildhauer Richard Kuöhl, dem wir auch unter anderem den Gänselieselbrunnen, Bad Oldesloe und den Hummelbrunnen in Hamburg verdanken. Seine Werkstatt hatte er in Hoisdorf.
Ein aufmerksamer Besucher findet unter den Gräbern auch das von Franz Daniel Hagelstein. Dieser Mediziner gehörte einer alten Oldesloer Familie an. Schon sein Vater war Mediziner, Chirurg in Lübeck. So studierte Hagelstein zunächst in Berlin "chirurgische Collegia", in Rostock erwarb er den Doktortitel und praktizierte dann in Bad Oldesloe. Er genoß hohes Ansehen und verfasste zusammen mit dem Justizrat Dr. Friedrich August Lorentzen die Idee eines Bades für die Stadt, zusammengefasst in der Schrift "Bemerkungen über das Baden in Beziehung auf die Salz- und Schwefelbäder in Oldesloe".


Hagelstein-Grab
Hagelstein-Grab


 

 

 

 

Das Bad von Bad Oldesloe wurde so mit Leben erfüllt.  Auch Hagelstein wurde von höchster Regierungsebene zum "Justizrat" ernannt und zum Ritter des Danebrogordens geschlagen. Im Jahre 1823 erhielt er als Interimsphysikus quasi die Stelle eines Kreisarztes. Am 24. Januar 1832 starb Franz Daniel Hagelstein und wurde hier begraben, nachdem er der Stadt als erster wissenschaftlich vorgebildeter Arzt 33 Jahre gedient hatte.

Das Torhaus und die Gesamtanlage stehen seit dem 5.3.1980 jetzt unter Denkmalschutz.

Cap-Anamur-Gedenkstein