1649

1657 bis 1669 Das Ende der Hanse

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion

Moisling war im Besitz von Gotthard von Höveln (* 21. Oktober 1603 in Lübeck; † 14. Februar 1671 in Glückstadt) dem Bürgermeister der Hansestadt Lübeck. Er stellte 1667 das Gut Moisling unter dänischen Schutz und wurde holsteinischer Vizekanzler in Glückstadt. Der Jüdische Friedhof an der Niendorfer Straße wurde in diesen Jahren angelegt. 1669: Der Bürgerrezeß, die erste geschriebene Verfassung der Stadt Die großen finanziellen Belastungen nach dem Ende des 30-jährigen Krieges führten erneut zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Rat und Gemeinde, in deren Folge 1669 die Rechte und Pflichten von Rat und Bürgerschaft erstmals schriftlich im sog. Bürgerrezeß fixiert wurden. Festgelegt wurde, dass der Rat immer aus vier Bürgermeistern (drei Juristen und ein Kaufmann) und 16 Ratsherren bestehen musste (zwei Gelehrte, je drei Mitglieder der Zirkel - und Kaufleutekompanie und acht Kaufleute aus den sog. commercierenden Zünften, das waren die Riga-, Bergen-, Schonen-, Novgorod-, Stockholmfahrerkompanie sowie der Gewandschneiderkompanie; die Zirkel- oder Junkerkompanie war eine Gesellschaft mit Mitgliedern ausschließlich aus der obersten Oberschicht, während der Kaufleutekompanie die wirtschaftlich führenden Kaufleute angehörten).Die Bürgerschaft war in 12 Kollegien formiert, wobei jedes Kollegium ein Votum besaß. Diese Zwölfkollegienverfassung war noch weit von einer Demokratie im heutigen Sinne entfernt: In den ersten acht Kollegien (= die commercierenden Zünfte, die Zirkel- und die Kaufleutekompanie, sowie die in einem Kollegium zusammengefassten Krämer, Schiffer und Brauer) waren ca. 400 Personen repräsentiert, in den vier großen (Handwerks-)Ämtern, die ein einziges Votum abgeben durften, ca. 1600 Personen. Die commercierenden Zünfte mussten bei allen Handels- und Münzsachen und bei allen Gesandtschaften, die den Handel betrafen, gefragt werden. Zu den Gesandtschaften dürften sie auch zwei Delegierte aus ihren Reihen abordnen. Dieser Rezeß war die schriftliche Fixierung der aus dem Mittelalter überkommenen Rechtslage in dem Zustand, den sie im Jahre 1669 erreicht hatte. 


1662 wurde er Magister in Rostock und ging mit David Gloxin nach Dankerode. Adam Tribbechov, auch Tribbechovius, Tribbecho, Tribbechow (* 11. August 1641 in Lübeck; † 16. August 1687 in Gotha) wurde als Sohn des Justus Tribbechov, Lehrer am Lübecker Gymnasium, und seiner Frau Anna, Tochter des Pastors an der Lübecker Petrikirche Adam Helms, geboren. Erst unterrichtete ihn sein Vater, dann genoss er Unterricht von Privatlehrern und schließlich besuchte er das Katharineum zu Lübeck. Er erhielt vom Wismarer Bürgermeister Heinrich Schabbel ein Stipendium. Mit Schabbels Schwager David Gloxin ging er 1662 als Hauslehrer für dessen jüngsten Sohn Anton Heinrich nach Dankerode. Ob Heinrich Schabbel mit dem  Bäckermeisters in Lübeck, Heinrich Schabbel († 1904), der auf den das Lübecker Schabbel-Haus zurückgeht ist nicht bekannt.1664 wurde er Subrektor am Katharineum. Im gleichen Jahr stirbt auch Sebastian Meier (auch Meyer oder Mejer, * 24. Februar 1594 in Lübeck; † 12. Februar 1664, ebenda) Der war ein deutscher Mediziner und Pädagoge und Rektor des Katharineums zu Lübeck. David van der Brügge, auch von der Brügge, van der Brugge (* 1630 in Lübeck; † 19. April 1688 ebenda) Der Rat der Hansestadt Lübeck berief ihn als Nachfolger des zum Konrektor aufgerückten Johann Polz zum Subrektor am Katharineum zu Lübeck. Mit dieser Stelle war zugleich die Leitung der Stadtbibliothek verbunden. Daniel van der Brügge schrieb vor allem (neu-)lateinische Lyrik für Gelegenheits- und Personalschriften. Johann Wilhelm Petersen erlernte bei ihm lateinische Poetik.

Am 5.11.1667 stirbt in Lübeck Franz Tunder. Sein Nachfolger als Organist der Marienkirche wird Dietrich Buxtehude.

Briefmarke Buxtehude


1665 wird Christian Albrecht Fürstbischof von Lübeck. Maria Elisabeth von Sachsen (* 22. November 1610 in Dresden; † 24. Oktober 1684 in Husum) war eine sächsische Prinzessin aus dem Haus der albertinischen Wettiner, durch Heirat Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorp.Aus der Ehe mit dem Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf gingen 16 Kinder hervor, darunter war eben dieser Christian Albrecht (1641–1695). Zur Aussteuer Maria Elisabeths gehörten, für damalige Verhältnisse ungewöhnlich, einige Gemälde des Malers Lucas Cranach des Älteren. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie sich 1660 auf ihr Wittum Schloss Husum zurück, nachdem sie ihrem erst 18-jährigen Sohn Christian Albrecht noch ein Jahr zur Seite gestanden hatte. Sie baute dieses Schloss im frühbarocken Stil aus und tat sich als Patronin von Kunst und Kultur hervor. Husum erlebte unter Maria Elisabeth eine Blütezeit. Christian Albrecht (* 3. Februar jul./ 13. Februar 1641 greg. in Gottorf; † 27. Dezember 1694 jul./ 6. Januar 1695 greg. ebenda) war Fürstbischof von Lübeck zwischen 1655 und 1666 sowie Herzog der gottorfschen Anteile der Herzogtümer Schleswig und Holstein von 1659 bis 1695. Er war der Gründer der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Er selbst führte den Titel Christian Albrecht, von Gottes Gnaden Erbe zu Norwegen, postulirter Coadjutor des Stiffts Lübeck, Hertzog zu Schlesswig, Hollstein, Stormarn und der Dittmarschen, Graff zu Oldenburg und Dellmenhorst. Kücknitz war schon lange eine Gerichtsstätte der klösterlichen Oberherrschaft  In alten Schriften aus dem Jahr 1669 wird ein links der Travemünder Landstraße gelegener Galgen erwähnt. Die dort später erbaute  Siedlung heißt auch Galgenberg. 

Der letzte Hansetag der alten Geschichte fand Im Juli 1669 in Lübeck statt, nachdem die Wiederbelebung der Hanse durch den Dreißigjährigen Krieg bzw. die Unfähigkeit des Städtebundes, tragfähige Machtstrukturen zu entwickeln, gescheitert war. Es erschienen nur noch neun Delegierte, und sie gingen wieder auseinander, ohne irgendwelche Beschlüsse zu fassen. Die Hanse wurde also niemals formell aufgelöst, sondern ist „sanft“ beendet worden. 

Stormarn: Wesenberg:

Spätestens seit 1673 gab es im Ort eine Schule, die auch für Ratzbek zuständig war.

Hoher Besuch auf dem Schloss Trittau: Unter Herzog Friedrich III. beherbergte das Schloss 1657 König Karl X. Gustav von Schweden und 1659 den Kurfürsten Friedrich Wilhelm. 

Friedrich Wilhelm: Zunächst plante Friedrich Wilhelm die Annäherung an Schweden. Nachdem eine erhoffte Liaison mit dem schwedischen Königshaus durch eine Heirat mit Christine von Schweden, der Tochter und Nachfolgerin Gustav Adolfs II. auf dem Schwedenthron nicht zustande gekommen war, heiratete Friedrich Wilhelm am 7. Dezember 1646 in Den Haag die älteste Tochter des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, Luise Henriette von Oranien, mit der er sechs Kinder hatte. Die Braut brachte als Mitgift 120.000 Reichstaler in bar und Schmuck im Werte von 60.000 Reichstalern mit. Das führte zur Ansiedlung holländischer Künstler, Handwerker, Baumeister, Landwirte und Kaufleute, die moderne Techniken und Produktionsmethoden in das vom Dreißigjährigen Krieg ausgelaugte Land brachten. Christine war von 1632 bis 1654 Königin von Schweden. Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges war sie gleichzeitig Oberherrin des Hamburger Domkapitels. Als sie, nach Thronverzicht und Übertritt zum Katholizismus im Juli 1667 in ihrem Hamburger Haus, das am Krayenkamp stand, ein Fest zu Ehren des neuen Papstes Clemens IX. gab, stürmten Protestanten das Gebäude. 

Haus im Krayenkamp
Haus im Krayenkamp



Christine konnte der aufgewiegelten Menge nur mit knapper Not durch das nach ihr benannte Christinenpförtchen entkommen. Sie betrat Hamburg niemals wieder. Ihre Geschichte wurde übrigens 1933 in den USA mit Greta Garbo verfilmt.

1667 Mölln ist nach einem Urteil des Reichskammergerichts nicht länger Lübecker Pfand, 1667 entzogen sich die sogenannten „Lübschen Güter“, zehn an der Zahl - Rethwisch und Trenthorst-Wulmenau gehörten dazu – der Oberbotmäßig der Reichsstadt Lübeck. Sie begaben sich freiwillig unter dänischen Schutz und erboten sich zur Erledigung gewisser Rekognitionen an der königlichen Kasse. 

Rethwisch wird zeitweise herzoglich. Johann der Jüngere von Holstein-Sonderburg vererbte Rethwisch 1662 an seinen Sohn Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Plön. Dieser überließ den Ort seiner Schwester Eleonore, die in einer Wiesenniederung ein Fachwerk-Herrenhaus errichtete. Nach deren Tod ging der Besitz an ihren Bruder zurück, der ihn an seinen Sohn Herzog Joachim Ernst von Holstein-Rethwisch vermachte. Dieser ließ das von Eleonore gebaute Herrenhaus abreißen und erbaute ein Schloss aus Stein. Das 1699 fertiggestellte Schloss wurde im Jahr 1785 abgerissen, nachdem 1729 das Gut von Herzog Johann Adolf Ernst in ein herzogliches Plönsches Amt umgewandelt wurde, das 1761 an den dänischen König Friedrich V. fiel.

Sankt Katharinen in Hamburg bekommt 1657 den barocken Turmhelm mit mehreren Stufen. Ganz oben trägt er die Krone der heiligen Katharina. Sie wurde von Hermann Rentzel gestiftet und der Sage nach aus dem Goldschatz Klaus Störtebekers hergestellt. Im gleichen Jahr erhält auch die Lübecker Jacobikirche ihren typischen Turm. Hermann Rentzel (* 1576 in Hamburg; † 19. April 1657 ebenda) war ein deutscher Kaufmann, Hamburger Oberalter und Ratsherr. Außer der Wahl zum Oberalter von Sankt Katharinen war er schon einiges, 1629 Kriegskommissar, im selben Jahr auch Verwalter des Waisenhauses und am 2. März 1630 zum kaufmännischen Richter am Niedergericht. 1633 übernahm Rentzel die Verwaltung des Zuchthauses. 1639 wurde er Ratsherr. Von 1641 bis 1644 war er als Colonelherr Chef der Hamburger Bürgerwache im Regiment Sankt Michaelis und übernahm im Jahr 1644 die Prätur, die damalige Justizbehörde.

In Hamburg stirbt am 23. September 1657 Joachim Jungius.  Der Universalgelehrte war zuletzt Professor am Gymnasium academicum, davor auch Rektor des Johanneums. Der Herzog von Celle und der Kurfürst von Brandenburg versuchten 1661 Harburg als Konkurrenz zu Hamburg zu etablieren.

1660 bekommt Hamburg einen besonderen Professor: Rudolf Capell (* 24. Januar 1635 in Hamburg; † 24. April 1684 in Hamburg), Historiker und Philologe. Geboren als Sohn des Hamburger Predigers Jodocus Capell, besuchte Rudolf ab 1652 die Universität Rostock, dann die Universität Wittenberg sowie die Universität Gießen und erwarb sich 1656 die Magisterwürde. Nach dem Besuch anderer Akademien kehrte er nach Hamburg zurück, wo er im Februar 1660 die Professur für Beredsamkeit am akademischen Gymnasium erhielt. Diese Professur tauschte er 1675 mit der Professur für Geschichte und griechische Sprache. Capell genoss zu seiner Zeit im In- und Ausland einen Ruf als einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit.

1663 stirbt Heinrich Scheidemann in Hamburg, Mitbegründer der Norddeutschen Orgelschule in Hamburg. Sein Nachfolger wird Johann Adam Reincken, auch Jan Adams (Jean Adam, Jan Adam) Reincken oder Reinken, Reinkink, Reincke, Reinike (getauft 10. Dezember jul./ 20. Dezember 1643 greg. in Deventer; † 24. November 1722 in Hamburg).In Deventer erhielt dieser Anfang der 50er Jahre des 17. Jahrhunderts seinen ersten Musikunterricht. Ab 1654 folgte ein Studium des Orgelspiels und der Komposition bei Heinrich Scheidemann in Hamburg. Nach einer kurzen Tätigkeit als Organist in Deventer kehrte er gegen 1658 nach Hamburg zurück, um dort wiederum mit Scheidemann zusammenzuarbeiten. Etwa im Jahre 1663 trat er dessen Nachfolge als Organist an der Hamburger Katharinenkirche an. Hier wirkte er bis zu seinem Tode. 1678 war er Mitbegründer der Hamburger Oper am Gänsemarkt. 1701 besuchte ihn Johann Sebastian Bach während dessen Lüneburger Jahren in Hamburg, um sich im Orgelspiel bei ihm ausbilden zu lassen. Die Orgel der St. Katharinenkirche, die als berühmtestes und schönstes Instrument Norddeutschlands galt, hinterließ bei ihm einen bleibenden Eindruck.Bach war zutiefst von Reinckens Improvisationen über den Choral „An Wasserflüssen Babylon“ beeindruckt. Später verwendete Bach Teile (Einzelsätze und Satzfolgen) aus Reinkens Suitensammlung Hortus Musicus (1687) in seinen Klavierkompositionen BWV 954, 965 und 966.Reincken starb 1722. Sein Grab und Epitaph befinden sich nicht in der Hamburger, sondern in der Lübecker Katharinenkirche. Hier hatte sich Reincken 1702 von der Familie seines Schwiegersohnes Andreas Kneller eine Grabstätte gekauft. 1663 bis 65 gab Georg Greflinger dann die Zeitung  Norddeutscher Mercurius heraus.

1665 wurde die Commerzdeputation (ab 1867 Handelskammer) als Interessenvertretung der Seekaufleute gegründet.Im Jahre 1665 wurde der Jungfernstieg zur Flaniermeile umgebaut. Acht Jahre später wurde die erste öffentliche Straßenbeleuchtung mit 400 Tranlampen eingeführt.

1659 brennt Stade. Der Stadtbrand zerstörte zwei Drittel aller Stader Gebäude. Auch das Rathaus gehörte dazu, nur seine Gewölbe mit dem Ratskeller blieben erhalten.

Deutsche Geschichte

1657 öffnet Münchens erste Oper. Das Reich besteht jetzt aus etwa 300 souveränen Teilen ohne gemeinsames Reichsgefühl. Reichsorgane sind zwischen Kaiser und Reich nach dualistischem Ständeprinzip aufgeteilt in: Hofkanzlei (Wien) und Reichserzkanzlei (Mainz); Reichshofrat (Wien 1664) und Reichskammergericht (Wetzlar 1693).

In Afrika gehen geheimnisvolle Dinge vor. Am 28. März 1659 wurde in Hamburg die Glückstädter Africanische Kompanie – eine Tarnorganisation – von Heinrich Carloff, den Amsterdamern Jan de Swaan und Isaac Coymans, Vincent Klingenberg sowie Jacob del Boe gegründet. Am 20. Mai bestätigte der König Friedrich III. in Kopenhagen den Vertrag und verlieh für 25 Jahre einen Octroi. Die Festung Friedrichsburg, heute ein Teil von Cape Coast, wurde ihr Haupt- und vornehmster Handelsplatz. 

1659 wurde Sebastian Heimreich Prediger der Dänischen Westindien-Kompanie, er starb 1662 in Friedrichsburg in Ghana. 

Berühmt geworden ist sein jüngerer Bruder Anton und das erst sehr viel später. Anton verfasste nämlich die Nordfresische Chronik, in der er von der sagenumwobenen Stadt Rungholt Einzelheiten preisgab, die bei einer Sturmflut mit weiten Teilen der Insel Strand in der Nordsee versank (Trutz Blanker Hans). 

Seit 1663 gibt es den permanent tagenden Reichstag in Regensburg, ein Gesandtenkongress, gegliedert in die drei Kurien der 8 Kurfürsten, der 165 Fürsten, der 61 Reichsstädte, die in sich noch in Konfessionsparteien gespalten sind. Nur nach Beschluss kann es einen Reichskrieg geben, mit Bildung einer Reichsarmee, diese hatte aber keinen militärischen Wert. Friedrich Wilhelm I, genannt der Große Kurfürst wird Schöpfer der brandenburgisch-preußischen Staatsnation durch Entmachtung der Stände (Steuerbewilligung), dafür aber Privilegierung des Adels (Steuerfreiheit, Gutsherrschaft). Das geht natürlich nicht glatt über die Bühne. Den stärksten Widerstand leisten die Stände in Ostpreußen, ihr politischer Rückhalt an Polen geht im schwedisch-polnischen Krieg (1655 bis 60) verloren. Die Hoheit über Ostpreußen wird von Schweden und Polen anerkannt und im Frieden von Oliva 1660 bestätigt.

1661 bis 1663 tagt ein Dauerlandtag in Königsberg. Die Führer der Stände werden hingerichtet oder zur Festungshaft verurteilt. Eine Verwaltung wird aufgezogen. Beamte werden eingesetzt zur Erfassung von Kontributionen (direkte Grund- oder Kopfsteuern) und der Akzise (indirekte städtische Verbrauchssteuern). Finanzbehörden werden für das Land eingerichtet, die sog. Kriegskammern und für den eigenen Besitz die Domänenkammern. Die Verwaltung wird durch einen Geheimen Rat geleitet. Um den Wohlstand zu heben und die Steuerkraft zu stärken wird die Merkantilwirtschaft aufgebaut. Es kommt zu Straßen-, Deich- und Kanalbauten. 1668 wird der Friedrich-Wilhelm-Kanal in Brandenburg eröffnet, er ermöglicht den Schiffsverkehr bis nach Schlesien und spielt eine wichtige Rolle für den Fernhandel. Landwirtschaftliche Musterbetriebe entstehen und eine Kolonialpolitik nach holländischem Vorbild wird betrieben. Das führt unter anderem zur Gründung der schon erwähnten Faktorei Groß-Friedrichsburg 1683 in Westafrika. Die Kolonie bestand aus mehreren, durch Befestigungen geschützten Niederlassungen an einem rund 30 Kilometer langen Küstenstreifen am Kap der drei Spitzen (Cabo tres Puntas, Cape Three Points) im heutigen Ghana, genannt die Goldküste.  Im Edikt von Potsdam 1685 kam es zur Aufnahme von 20.000 Refugies in Preußen. Durch die Hugenotten, die sich in Berlin niederließen, stieg die Einwohnerzahl um ein Drittel an, was maßgeblich zur Belebung der Manufakturen, meist der Textil-Manufakturen in Berlin führte. Die Wirtschaftskraft führte aber auch zur Verstärkung des stehenden Heeres von 8.000 auf 23.000 Mann. Man erzielte Erfolge im Krieg gegen Frankreich und Schweden (1672 bis 1678). Bedeutend war dann die Schlacht bei Fehrbellin. Schon zum damaligen Zeitpunkt erregte die Schlacht in ganz Europa Aufsehen. Die brandenburgische Armee, die noch niemals zuvor allein in die Schlacht gezogen war, hatte die hervorragende schwedische Truppe aus dem Feld geschlagen.  Als Folge dieses Sieges der Brandenburger wurde Schweden militärisch weiter in die Defensive gedrängt. Die Mark Brandenburg wurde danach von den Schweden bis zum Friedensschluss 1679 nicht mehr militärisch bedroht. Eine weitere Folge dieses Sieges war, dass die sich bis dahin unter fadenscheinigen Gründen aus dem Konflikt heraushaltenden Dänen und das Heilige Römische Reich ihrer Bündnisverpflichtung nachkamen und Schweden den Krieg erklärten. Mit dem Sieg über die bis dahin führende Militärnation Europas beginnt die preußische Militärtradition.

1666 wird die älteste Chronik Nordfrieslands gedruckt. Darin schildert Anton Heimrich die Auswirkungen der zweiten Marcellusflut („Grote Mansdränke“) von 1362 und die damit verbundene Zerstörung der Landschaft Strand. Allerdings datiert Heimreich die Flut auf 1300. Seine Beschreibung des Untergangs des Ortes Rungholt gilt als erste Erwähnung der Rungholtlegende und als Vorlage für das Gedicht Trutz blanker Hans von Detlev von Liliencron.

Europäische Geschichte

Die erste Eisdiele soll 1668 der Sizilianer Francesco Procopio de Coltelli, ein ehemaliger Koch des Sonnenkönigs Ludwig XIV., in Paris eröffnet haben.

Weltgeschichte 

Der Große Brand von London war eine Feuersbrunst, die vom 2. bis 6. September 1666 vier Fünftel der City of London, darunter die meisten mittelalterlichen Bauten, zerstörte und etwa 100.000 Einwohner obdachlos machte, aber nach offiziellen Zahlen nur sechs Personen das Leben kostete. In Amerika regt Benjamin Franklin die Einrichtung von freiwilligen Feuerwehren an. Unter anderem seine Idee wird nach und nach überall in der westlichen Welt umgesetzt.Und dann gab es noch Hennig Brand (~1630–1692). Brand war eigentlich Soldat möglicherweise sogar Offizier. In Hamburg  verlegte er sich  auf alchemistische Experimente und als das Vermögen seiner Frau aufgebraucht war, auf den Handel mit Chemikalien und Medikamenten. Wie jeder Alchemist in dieser Zeit versuchte er den Stein der Weisen zu finden, einem „Stein“, Lapis philosophorum, der aus einer Substanz bestehen soll, die unedle Metalle in edle Metalle und vor allem in Gold und Silber verwandeln kann. 1669 geschah es dann in Hamburg, das Brand den Phosphor und damit das erste Element in der Chemiegeschichte der Neuzeit (und das erste Element, dessen Entdecker namentlich bekannt ist) fand. Der neuartige Stoff wurde beim Erhitzen von Urin gewonnen, er schlug sich in einem Gefäß mit Wasser als weiße wachsartige Substanz nieder, wobei das Vorgehen wegen der Entzündbarkeit des Phosphors nicht ungefährlich war. Brand nannte es kaltes Feuer und die Substanz erhielt später einfach den Namen phosphorus (aus dem Griechischen für Lichtträger). Die Entdeckung war bald in Hamburg und darüber hinaus bekannt, da Brand mit der Demonstration und dem Verkauf Geld verdiente. Den Durchbruch erzielte seine Entdeckung in der Geschichte erst später. Gottfried Wilhelm Leibniz wurde  auf Brand aufmerksam, besuchte ihn 1677 in Hamburg und erreichte im Auftrag des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg Johann Friedrich, dass Brand gegen Bezahlung 1678 und 1679 nach Hannover kam um Phosphor herzustellen und eine Manufaktur einzurichten. Zu Reichtum kam Brand allerdings nicht dadurch.

 

 

 

 

1835


 

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