1590

1618 - 1626 Mansfelds Truppen in Lübeck

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion

1618: Die Region gerät wieder unter den Einfluss der großen Mächte. Ein großer Konflikt beginnt zunächst als Religionskampf und endet dann in einer europäischen Katastrophe. Es entladen sich die Spannungen zwischen katholischen und protestantischen Staaten, Landständen und Fürsten, Reichsstädten und dem Kaiser, Habsburg und Frankreich. Die bis dahin längste Friedenszeit der europäischen Mitte fand so ihr Ende.
Schon von 1616 bis 1625 ließ der Rat Hamburg durch niederländische Baumeister mit massiven Wallanlagen versehen, die die Stadt vor den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges bewahrten. Auf den seit 1625 von den neuen Wallanlagen umschlossenen Wiesen entstand das Kirchspiel St. Michaelis. Hamburg erlebte auch keinen wirtschaftlichen Niedergang. Die Stadt profitierte im Gegenteil von der Einwanderung von Niederländern einerseits sowie von der modernen dänischen Regentschaft im nahegelegenen Altona andererseits.
Aus dieser Zeit stammt der Kirchspiel-Vers: „St. Petri de Rieken – Nikolai desglieken, Kathrinen de Sturen – Jacobi de Buren, Michaeli de Armen – dat mag woll Gott erbarmen“ (St. Petri den Reichen, Nikolai desgleichen, Kathrinen den Vornehmen, Jakobi den Bauern, Michaeli den Armen).
Friedrich V. macht Quartier 1621 in Köthel.
In Elbmarschen und Vierlanden entwickelte sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine blühende Landwirtschaft.
1615 nimmt das Akademische Gymnasium erste Schüler auf. Das Akademische Gymnasium in Hamburg wurde 1613 gegründet und war unter einem Dach mit dem Johanneum, einer Lateinschule, untergebracht. Das Gymnasium academicum sollte die Stellung zwischen der Lateinschule und der Universität einnehmen. Es entsprach dem Typ des Gymnasium illustre. Von 1628 bis 1657 lehrte Joachim Jungius hier. 
Christian IV. von Dänemark wollte ab 1616 lieber eigene Geschäfte in gang bringen. Er betrieb die Gründung und den Ausbau von Glückstadt als Konkurrenz zum florierenden Hamburg. 1618 fiel dann auch das Urteil des Reichskammergerichts in dem seit Langem anhängigen Rechtsstreit um den Status Hamburgs als Freie Reichsstadt, in dem das Gericht den Status Hamburgs als „Freie Stadt“ des Deutschen Reiches bestätigte. Dieser Spruch wurde wegen Glückstadt von Dänemark, das Hamburg weiterhin als Teil Holsteins ansah, nicht anerkannt. Die später vom Herzogtum Holstein gegen das Urteil eingelegte Revision wurde vom Reichskammergericht aber nicht zugelassen. 
1619 erfolgte in Hamburg eine Bankgründung, die Hamburger Bank nämlich als reine Girobank für Kaufleute. Es konnten Einlagen in Silber und ähnlichen Werten gemacht werden, um untereinander bargeldlose Geschäfte tätigen zu können. Rechnungseinheit war die neugeschaffene Mark Banco. Damit reagierten Rat und Bürgerschaft auf die Bargeldentwertung im Zuge der Kriegswirtschaft.

In Hamburg macht Zimbert Jenisch Karriere. Nachdem er 1618 das Bürgerrecht der Stadt Hamburg erhalten hatte, gründete er zusammen mit seinen Verwandten die Firma Paulus Pütz & Zimbrecht Jenisch. Schon sehr bald erzielte man zwischen Weißem Meer und dem Mittelmeer große Erfolge im Import-Export. 1618 heiratete Zimbert in erster Ehe Maria Elisabeth Putz aus Stade.
In Hamburg wird am 24. November 1619 Jakob Sebastian Lauremberg geboren. († 29. Dezember 1668 in Rostock) Er wurde ein deutscher Historiker und Jurist. Er wirkte fürstlich als Professor an der Universität Rostock. Jakob Sebastian Lauremberg galt als hochbegabt und hielt schon im Alter von 12 Jahren eine Rede auf lateinisch im Auditorium maximum der Universität Rostock. 

Hamburg erhält 1620 am Alstertor das erste Werk- und Zuchthaus. Im gleichren Jahr zerstörten Lüneburger Truppen an der Elbe den Zollturm und ein Jahr später wird dort das Zollenspieker Fährhaus entstehen. 
Der Gottorper Herzog Friedrich III. möchte nun auch noch Hamburg und Lübeck Konkurrenz machen. Nach der Gründung von Glückstadt kam es nun auch 1621 am Zusammenfluss von Eider und Treene durch ihn zur Gründung von Friedrichstadt. Er besiedelte die neue Stadt ebenfalls mit holländischen Glaubensflüchtlingen, vorwiegend Remonstranten. 
Friedrichstadt wird eine Planstadt nach holländischem Muster mit holländischer Verfassung. Damit er Geschäfte an sich zieht  entsendet er Wirtschaftsdelegationen nach Spanien, Algerien, Russland und Persien.
Als Maler macht David Kindt von sich reden. Das Gemälde Der reiche Mann und der Tod, welches heute in St. Jacobi Hamburg zu sehen ist, ist unter anderem von ihm.

Im Kampf gegen Piraterie wurde 1623  in Hamburg das Admiralitäts-Kollegium gegründet. Die Kaufmannschaft hatte dies empfohlen. Dieses Kollegium bekam immer mehr Aufgaben, so kam die Aufsicht über den Hafen und das Lotsenwesen hinzu. Das Kollegium bekam richterliche Befugnisse in Schifffahrts- und Versicherungsangelegenheiten, auch die Hamburger Konsuln im Ausland bekamen ihre Ernennung durch das Kollegium. 
In Hamburg stirbt am 24. Oktober 1623 der ehemalige Bürgermeister Sebastian von Bergen. Er war es, der seinerzeit Hamburg aus der Hanse gelöst hatte.
In Hamburg-Volksdorf wird das Spiekerhus gebaut. Es steht heute noch und ist das älteste erhaltene des Museumsdorfes.
1625 lässt sich Heinrich Meibom in Lübeck als Arzt nieder, er wird der erste Stadtarzt sowie auch Leibarzt des Fürstbischofs von Lübeck Johann X.
1627, der Dreißigjährige Krieg tobt hier. Die Truppen Wallensteins und Tillys plündern sämtliche Dörfer zwischen Trittau und Wandsbek. Papendorf wurde fast ganz zerstört. Der größte Teil der Bevölkerung war zuvor geflohen.

Europäische Geschichte

Deutschland stand 1618 abseits vom Welthandel. Die Städte verarmten zusehends, die Reichsautorität schwand und große Persönlichkeiten fehlten. Die Stände wurden von beiden Seiten umworben, es kommt zu den „Bündner Wirren“ zwischen den Koalitionen Frankreich-Venedig und Spanien-Österreich um den heutigen Kanton Graubünden. 
Am 23. Mai 1618 kommt es zum Prager Fenstersturz. Es ist eigentlich genau der zweite Prager Fenstersturz. Nach dem Ersten kam es ja schon 1419 zu den Hussitenkriegen.  Dieses mal standen sich Protestanten und königliche Statthalter auf der Prager Burg gegenüber. Es ging um die Ausübung der Religionsfreiheit. Ein Misthaufen dabei ist aber Legende, ein Sturz aus 17 Metern Höhe wohl auch. Vertreter der protestantischen Stände drängten die königlichen Statthalter Jaroslav Borsita, Graf von Martinitz und Wilhelm Slavata sowie dem Kanzleisekretär Philipp Fabricius aus relativ kleinen Fenstern, sodass diese überleben konnten. Ursachen des glimpflichen Ausgangs dürften die damalige Mode und das kühle Wetter gewesen sein. Alle Beteiligten trugen weite schwere Mäntel, die den Fall stark dämpften. Wesentlich war wahrscheinlich, dass die Fenster, aus denen die drei geworfen wurden, sehr klein waren und sie somit nicht mit Schwung nach draußen befördert werden konnten. Außerdem haben sich alle drei gewehrt und Martinitz hielt sich noch am Sims fest, als er bereits draußen hing. Zudem ist die Wand unterhalb des Fensters nicht gerade, sondern nach außen angeschrägt, sodass die drei wohl eher hinunterrutschten als fielen.
Wie auch immer, diese Gewalttat markiert den Beginn des Dreißigjährigen Krieges und stellt einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte Europas dar. 
Im Sommer 1618 begannen jedenfalls die ersten Gefechte in Südböhmen, während beide Seiten Verbündete suchten und sich für einen großen militärischen Schlag rüsteten.
Siegreich kämpfte dann Tilly am 8. November 1620 in der Schlacht am Weißen Berg in der Nähe von Prag, gemeinsam mit dem kaiserlichen Feldmarschall Charles Bonaventure de Longueval. Sie unterwarfen das westliche Böhmen mit der Eroberung von Pilsen im März 1621.
Unglücklich verlief es für Tilly dann aber am 27. April 1622. Da wurde er in der Schlacht bei Mingolsheim von Peter Ernst II. von Mansfeld geschlagen. Man nannte diese Schlacht auch Schlacht am Ohrenberg, das war in der Nähe von Karlsruhe.
Man setzte die Auseinandersetzung immer weiter fort. Der Feldherr Tilly eroberte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal (Pfalz). Dann folgte ein erneuter Sieg über den Herzog Christian am 5. und 6. August 1623 in der Schlacht bei Stadtlohn.
Die Kriege im Ostseeraum, die auch als Nordische Kriege bekannt sind, sahen vor und während des Dreißigjährigen Krieges drei Hauptakteure: Polen, Schweden und Dänemark. 
Ein Waffenstillstand zwischen Schweden und Polen lief im November 1620 aus, woraufhin die Schweden unter Gustav II. Adolf erneut in die Offensive gingen. Im Jahr 1621 gelang es den Schweden, Riga einzunehmen. Polen konnte nicht seine ganzen Kräfte zum Einsatz bringen, da es sich im Krieg mit dem Osmanischen Reich befand. Im Vertrag von Mitau vom 1. März 1625 wurde erneut ein Waffenstillstand für drei Jahre abgeschlossen. 
Nach dem Sieg Kaiser Ferdinand II.  über die protestantischen Fürsten im Reich betrieb Frankreich ab 1624 wieder eine antihabsburgische Politik und ein neuer Spieler betritt die Bühne: Graf Peter Ernst II. von Mansfeld, meist einfach „Ernst von Mansfeld“ genannt (* 1580 in Luxemburg; † 29. November 1626 in Rakovica bei Sarajevo). Er war im Süden schon aktiv, für unterschiedliche Geldgeber, zum Teil auch geheim. 1611-1621 als Obrist in Diensten der Protestantischen Union unter Führung von Kurpfalz, da war er aber noch kein Heerführer. Später diente er auch katholischen Herren. 1616 bis 1618 diente er in Italien in Diensten von Herzog Karl Emanuels I. von Savoyen (Carlo Emanuele I. di Savoia), der zugleich Fürst von Piemont war. 
Im November 1618 gelang ihm die Einnahme der bis dahin kaisertreuen Stadt Pilsen; zur Strafe verhängte der Kaiser die Reichsacht über ihn. In Böhmen kämpfte er noch weiter bis Mai 1621. Er war aber auch korrupt, an der Schlacht am Weißen Berge nahm er nämlich nicht persönlich teil. Aus Tilly's Kriegskasse erhielt er dafür 100.000 Gulden. Im Juli 1622 wurde sein Dienst und der Dienst des tollen Halbestädters mit der ganzen Söldnerarmee quittiert, die Lage war zu aussichtslos. Man zog durch die Niederlande, traf auf Spanier, kämpfte in der Schlacht bei Fleurus am 29. August 1622 und besetzte danach Ostfriesland. Es gab danach dann aber nur Niederlagen (Schlacht bei Stadtlohn) und die Armee wurde 1624 aufgelöst.
Die Lage verschärfte sich nachdem in einem Dekret von Ferdinand II. am 7. April 1625 Wallenstein zum Führer und Haupt aller kaiserlichen Truppen im Reich ernannt wurde. Allerdings hatte dieser noch nicht das Recht, dieses Heer auch aufzustellen. Man war auch ratlos, wie große Kriege zu finanzieren seien, bis er am 13. Juni die Direktiven für die Kriegsführung bekam. Wallensteins Idee war, dass ein Krieg "sich selbst ernährt".

Der französische König Ludwig XIII. schmiedete dazu nicht nur ein Bündnis mit Savoyen und Venedig in Italien, sondern sorgte auch für ein Bündnis der protestantischen Herrscher in Nordeuropa gegen den habsburgischen Kaiser. 1625 kam es zur Gründung der Haager Allianz zwischen England, den Niederlanden und Dänemark. Christian IV. von Dänemark sollte die Führung übernehmen.  Er versprach, nur 30.000 Soldaten zu benötigen, von denen der Großteil vom niedersächsischen Reichskreis bezahlt werden sollte, in dem Christian als Herzog von Holstein stimmberechtigtes Mitglied war.  Gustav II. Adolf, der König von Schweden forderte sogar 50.000 Soldaten. Unterlag aber Christian, der sich zudem von seiner Führung ganz offen versprach bei der Aktion Verden, Osnabrück und Halberstadt für seinen Sohn gewinnen zu können.
Sodann lässt er sich In seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein zum Obersten des Niedersächsischen Reichskreises wählen, zu dem auch Holstein seit der Kreiseinteilung Karls V. gehört. Er greift sodann, gesichert durch  niederländische und französische Subvention im Süden ein. Zur gleichen Zeit zog Ernst von Mansfeld, diesmal für die Engländer, mit 5000 Mann aus den Niederlanden heran. 
Teile seiner Truppen befanden sich 1625 auch auf Lübecker Gebiet. Mitte Juni 1625 überquerten die so vereinigten Truppen die Elbe und im Juli in Hameln die Weser und marschierten damit in gegnerisches Gebiet ein. Bei Höxter traf der Dänenkönig auf Truppen Tillys, der den vereinigten Truppen aus seinem Hauptquartier in Hersfeld entgegengezogen war.
Bis Ende Juli 1625 waren das Anwerben von 14 neuen Regimentern durch Wallenstein weitestgehend beendet. Hinzu kamen fünf Regimenter in Böhmen und zehn Regimenter, die von Ungarn bis ins Elsass verstreut waren und ebenfalls seinem Oberbefehl unterstellt wurden. Bis Ende September gelangte diese Armee nach Göttingen, und Wallenstein traf sich am 13. Oktober südlich von Hannover mit Tilly, der die Monate zuvor den Dänenkönig Christian wieder in den Norden zurückdrängen konnte.
Tilly versuchte die Stadt Nienburg an der Weser zu belagern. 


Als das misslang zog er Wallenstein entgegen. Man einigte sich, dass Wallenstein Winterquartier in den Bistümern Magdeburg und Halberstadt nehmen und Tilly in der Gegend von Hildesheim und Braunschweig bleiben sollte. 
Wallenstein entschied sich zur Besetzung der Elbbrücke bei Dessau, das Herr des Dänenkönigs sollte daran gehindert werden die Elbe in Richtung Schlesien und Böhmen zu überqueren. Das ging den ganzen Winter über gut. Anfang April erschien Mansfeld mit seinem Heer von rund zwanzigtausend Mann vor dem festungsartigen Brückenkopf der Elbebrücke bei Dessau und ließ seinerseits mit Kanonen bestückte Schanzen bauen und Approchen graben. Mansfeld versuchte am 25. April dann aber die Überquerung der Brücke. Die Schlacht kostete etwa drei- bis viertausend Soldaten von der Armee des Dänenkönigs das Leben, darunter auch hohe Offiziere, Oberste und Kapitäne. Etwa 1500 Mann wurden gefangengenommen. Üblich war es damals auch, dass diese wenig später zwangsweise in das Heer Wallensteins eingegliedert wurden. Trotzdem wurde Wallenstein vorgeworfen, dass er den Erfolg nicht dazu ausgenutzt habe, Mansfeld endgültig zu besiegen. Der erholte sich nämlich schnell von der herben Niederlage und füllte seine Truppen durch Schotten, Dänen und das Heer des Herzogs Johann Ernst von Weimar wieder auf. Nach nur sechs Wochen Aufenthalt in der Altmark hatte Mansfelds Armee die gleiche Truppenstärke wie vor der Dessauer Schlacht. So brach er im Juni zu einem Feldzug nach Ungarn auf, wo er sich mit Gabriel Bethlen, dem Fürst von Siebenbürgen zum gemeinsamen Angriff auf die kaisertreuen Gebiete vereinigen wollte. Wallenstein verfolgte Mansfeld seit Juli  durch Schlesien bis nach Mähren und Ungarn. Mansfeld gelang es zwar nicht nennenswert in Böhmen Fuß zu fassen, Wallenstein hatte mit dem Fürsten genug zu tun, eine nennenswerte Schlacht fand dann aber dort nicht statt.
So vereinbarten Wallenstein und Tilly im Juni, dass sie ihre Heere vereinigen und die Elbe entlang nach Norden ziehen sollten, um das Dänenheer im Norden anzugreifen. Doch Wallenstein wartete vergebens auf Tilly, der lieber andere Pläne verfolgte und stattdessen Göttingen belagerte. Im Juli wurden die finanziellen Mittel aber so knapp, dass Wallenstein sogar erwog seinen Befehl niederzulegen. Unterwegs waren von seinen Truppen 3000 Mann durch Krankheit, Erschöpfung und Hunger gestorben. Es gab keinerlei Lebensmittel und Vorräte für das Heer, so dass Wallenstein eine Meuterei befürchtete und dies auch wutentbrannt nach Wien meldete.

1635

 

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