1564

1590 - 1617 Die Jahre vor der Katastrophe

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion

1590 wird das Kirchspiel Schönborn aufgelöst. Bei der Auflösung der Kirche in Schönborn waren Wendisch-Tralau und Klein Boden zum Kirchspiel Oldesloe , Westerau zu Klein Wesenberg und Ahrensfelde sowie Wulmenau zu Siebenbäumen gekommen. Die Kirche lag in unmittelbarer Nähe der Grenze Holstein – Lauenburg.
Auch von Höltenklinken ist in diesen Jahren die Rede, das als Adliges Gut gegründet wurde. Der heutige Hauptort Rümpel sand die Bauern als dienstpflichtig dahin. 1593 wurde dann eine Papiermühle als Wassermühle an der Beste nachgewiesen, später wurde die Mühle als Pulvermühle und schließlich bis 1874 als Kupfermühle genutzt. 
1594 kommt das Lübsche Gut Trenthorst in die Schlagzeilen.  Gottschalk von Stiten, der Sohn des Trenthorster Gutsherrn Franz von Stiten, erklärte nämlich am 29. April 1594 vor dem Rat der Stadt Lübeck, er sei bereit, die Rückstände an Steuern und Abgaben von seinem verstorbenen Vater her, sowohl dem „hundersten Pfennig“ wie auch Schoßgeld und Türkensteuer an die Stadt Lübeck zu leisten.  Diese Vereinbarung vom Jahre 1594 entsprach durchaus der damals geübten Gepflogenheit, die im Besitz von Bürgern befindlichen umliegenden Güter für alle Zukunft in eine feste Verbindung mit der Hansestadt zu bringen.
Der rückständige „Türkenschatz“ allein betrug 50 Taler. Dazu übernahm er eine zweite Verpflichtung. „Er hat auch gewilliget vor sich, seine Erben und seine Erbnehmer, daß er seine Landgüter Trenthorst sampt Grinow, Wulffenouw und Ahrensfeldt mit allen seinen Pertinentien (Zugehörigkeiten) sowohl bei seinem Leben vor sich als nach tödlichem Abgang durch seine Erben an niemandt frembdes alinieren (entfremden) vorkauffen, vorsetzen oder vorpfanden solle noch wolle, ohne allein an einem ehrbaren Rat oder dieser Stadt Bürger“. Dafür sollte er mit seinem Besitznachfolgern den Schutz des Rates und der Stadt Lübeck genießen.
Ahrensburg 1594: Peter von Rantzau ließ in Ahrensburg die Burg Arnesvelde abbrechen und an anderer Stelle mit den Steinen der Burg Schloss Ahrensburg errichten.


In Lübeck wird Sebastian Meier geboren (auch Meyer oder Mejer, * 24. Februar 1594 in Lübeck; † 12. Februar 1664, ebenda). Er war ein deutscher Mediziner und Pädagoge und Rektor des Katharineums zu Lübeck. 1595 bis 1604 baut man in Lübeck an den westlichen Bastionen der Wallanlagen
Der Däne Tycho Brahe war auf dem Schloss Wandsbek zu Gast. Rantzau hatte 1597/98 den berühmten Astronomen zu Gast, der von dort aus den Nachthimmel erforschte. 
Der dänische König Christian IV. übernahm von 1614 bis 1641 den Ort Wandsbek als Gutsherr. 
In Hamburg wird auf Initiative von niederländischen Einwanderern 1604 am Rödingsmarkt das erste Waisenhaus der Stadt gegründet und 1620 am Alstertor das erste Werk- und Zuchthaus. 
Nach fünfjähriger Bauzeit wurde das vierflügelige Schloss Reinfeld 1604 fertiggestellt. Die Abmessungen des Gebäudes: Etwa 50 m lang und 60 m breit und von einem Wassergraben vollständig umgeben. 
Eine lange Brücke führte von Norden her über den Graben. Der Innenhof war den 500 m² groß. 
Im Südflügel des Schlosses richtete man die Amtsbierbrauerei ein.
Heute steht an dieser Stelle die "Alte Schule", damals war das Schloss von ausgedehnten Gärten umgeben. Im Nordwesten entstand der "Neue Garten", der ehemalige Klostergarten hieß nun "Alter Garten". Die heutigen Straßennamen zeugen noch davon.
Gärten waren damals auch nicht nur zur Erholung da. Praktischerweise versorgte so ein Garten auch die Schlossküche mit Kräutern und Gemüse.
Jedes Jahr kam dann der Herzog selbst mit seiner großen Familie (er war Vater von 23 Kindern)  für einige Wochen nach Reinfeld und empfing hochgestellte Gäste, so wurde Reinfeld wieder ein Mittelpunkt in dieser Gegend.
1594 erhielt der Künstler Tönnies Evers in Lübeck einen interessanten Auftrag, er sollte ein neues Gemach im Rathaus im Stil der Renaissance mit ersten Ansätzen zum Barock ausstatten. 20 Jahre lang arbeitete er daran. 
Tönnies („Antonius“) Evers der Jüngere (* 1550 in Lübeck; † 1613 ebenda) gilt als der bedeutendste Lübecker Bildschnitzer der Spätrenaissance.
Er hatte sich bereits als Holzschnitzer und Künstler erwiesen, der dem Neuen gegenüber zwar aufgeschlossen war, die alten Traditionen aber achtete und bewahrte. Die Schnitzkunst hatte in seiner Familie auch Tradition. Sein Vater schuf das Portal im Audienzsaal des Rathauses Lübeck. In der Werkstatt, zur Abgrenzung war fortan immer von Tönnies Evers dem Jüngeren die Rede. In seiner Werkstatt entstanden so bekannte Arbeiten wie der Singechor und der Orgelprospekt in St. Petri und der Lettner in der Aegidienkirche. Tönnies war wiederholt Ältermann des Tischleramtes. Seine Witwe heiratete im September 1614 den Kunsttischler und Bildschnitzer Hinrich Wittekop. 
Die Kriegsstube des Lübecker Rathauses, sein Hauptwerk ist nach dem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg nur noch mit skulpturellen Fragmenten erhalten.

1604 gelingt ein Bündnis zwischen Lübeck, Bremen, Hamburg, Magdeburg, Lüneburg und Braunschweig.
1590 stirbt in Hamburg Henning Conradinus. Er war ein deutscher Lehrer und Dichter und ist auch 1538 in Hamburg geboren. 1566 wurde er Rektor der Schule in Stade und nahm 1570  eine Stelle als Hofmeister der Familie Rantzau in Schwabstedt an. Seine Karriere setzte sich 1575 fort, da wurde Conradinus Konrektor der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg und gleichzeitig Vikar am Mariendom in Hamburg. Er verfasste zahlreiche Gedichte in lateinischer Sprache und wurde daher von Kaiser Rudolph II. zum Poeta laureatus erhoben. Gemeinsam mit Heinrich Rantzau war er Mitverfasser zahlreicher Ranzovia. 
Nach seinem Tode brachte dann Theodor Glazer seine Gedichte im Auftrage des Hamburger Bürgermeisters Eberhard Twestreng heraus.

In Wöhrden wird 1595 Heinrich Scheidemann geboren. Er wird im Jahre 1604 das Amt des Organisten an der Hamburger Kirche St. Katharinen antreten und blieb dies bis zu seinem Tod.
Die Hansestadt Stade wurde 1601 zum zweiten Mal und dieses Mal sollte es  dauerhaft sein, aus der Hanse ausgeschlossen, da die Stadt 1587 englische Tuchkaufleute der Merchant Adventurer aufgenommen hatte. 
Vermutlich in Lübeck stirbt 1603 Johann Balhorn (auch Ballhorn) der Jüngere. Auf ihn geht die Geschichte mit dem „verballhornen“ zurück.
Heinrich Scheidemann ( † 1663 in Hamburg) wird 1604 Organist an der Katharinenkirche zu Hamburg, im gleichen Jahr wird es Jacob Praetorius der Jüngere an der Petrikirche.
Die Dorfkirche in Zarpen erhält 1604 den typischen achtseitigen gedrungenen Helm
1609 wechselte das stormarnische Köthel in das Amt Trittau.

1604 kommt Erasmus Sartorius an den Hamburger Mariendom als Vikar. 
Erasmus Sartorius (* 1577 in Schleswig; † 17. Oktober 1637 in Hamburg). Mit zehn Jahren schon war er als Sänger Mitglied der Kapelle am Hof in Schloss Gottorf. Es schloss sich ein Studium der Theologie an der Universität Rostock an, Organist in Bordesholm und Kantor an der Marienkirche in Rostock. 
1605 wird er Kantor am Hamburger Johanneum und Director Musices
Im Jahr 1609 führte Sartorius die erste Passionsmusik mit Sängern in der Gertrudenkapelle auf. Er begründete damit eine Hamburger Tradition, die bis zu Christian Friedrich Gottlieb Schwencke zu Beginn des 19. Jahrhunderts anhielt. 
Nach Erasmus Sartorius ist eine Straße in Hamburg-Eimsbüttel benannt.  

Am 27. Mai 1605 wurde David Kindt Meister des Maleramtes. Er durfte mehrere Porträts in Lebensgröße von Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf und dessen Frau Maria Elisabeth fertigen. Das mit Ölfarben auf Holz gemalte Gemälde Der reiche Mann und der Tod, das an der Nordwand im nördlichen Seitenschiff des Langhauses der Hauptkirche Sankt Jacobi in Hamburg hängt ist auch von ihm.
1609 erhielt Joachim Jungius an der Universität Rostock eine Professur für Mathematik, die er bis 1614 innehatte.

Am 6. Dezember 1608 wurde in Lübeck Eberhard Baring geboren. Er zählt zu unseren Universalgelehrten  und war Erzieher der Prinzen Johann Friedrich und Ernst August von Hannover sowie Professor in Marburg und Rektor in Hannover. Dort starb er auch am 6. März 1659
In Lübeck wird 1614 Franz Tunder geboren. Er war von 1632 bis 1641 in Schloss Gottorf als Hoforganist für Friedrich III tätig. Danach war er von 1641 bis zu seinem Lebensende als Nachfolger von Peter Hasse, dem Urgroßvater des großen Bergedorfer Komponisten Johann Adolph Hasse Organist an der Marienkirche in Lübeck. Tunder war der Vorgänger und Schwiegervater des Orgelvirtuosen Dietrich Buxtehude. Er führte in Lübeck die bis heute andauernde Tradition der Abendmusiken ein.
Ab 1610 gründete Sebastian von Bergen eine umfangreiche Sammlung für die Bibliothek des Johanneums, schrieb auch selbst und stiftete größere Summen. Aus dieser entstand später die heutige Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.
1614 wird er dann in Hamburg Bürgermeister.
Das Herrenhaus Jersbek wurde in den Jahren 1617 bis 1620 durch Jasper von Buchwald errichtet.

Deutsche Geschichte
Da beim Bierbrauen häufig etwas daneben ging, was man sich aufgrund des damaligen Wissensstandes nicht immer erklären konnte, suchte man in vielen Fällen den Schuldigen im Bereich des Mystischen. Viele wundersame Kräutlein und kultische Gegenstände wurden auch noch im späteren Mittelalter um den Sudkessel herumgelegt, um böse Geister fernzuhalten. Dieser Aberglaube ging soweit, fehlgeschlagene Brauversuche sogenannten „Brauhexen“ oder „Bierhexen“ zuzuschreiben. Die letzte Verbrennung einer „Brauhexe“ erfolgte im Jahre 1591. Dies kann man wohl als den „dunkelsten“ Aspekt der Bierherstellung ansehen.
Europäische Geschichte
Lübeck (ca. 1590): Am Ende des 16. Jahrhunderts verbot die Stadt fremden Kaufleuten die Durchfuhr. Alle Waren, die nach Lübeck transportiert wurden, mussten an Lübecker Kaufleute verkauft werden. Dieses sogenannte Durchfuhrverbot wurde bis 1730 aufrechterhalten. Aber trotz dieser Regelung wurden Wertgüter, die für den Ostseebereich bestimmt waren, weiterhin nach Lübeck gebracht. Auch im 18. Jahrhundert scheint das Risiko, den Kattegat mit Schiffen voller Luxusgüter zu umsegeln, so groß gewesen zu sein, dass man das Durchfuhrverbot in Kauf nahm bzw. die Möglichkeiten nutzte, es zu umgehen. 

1598 kommt es zur Ausweisung der Hansekaufleute aus London.
1610 bekommt in Bayern der Generalleutnant Tilly das Oberkommando des Heeres von Herzog Maximilian I. von Bayern und die Aufgabe es zu reorganisieren, Europa schlittert in die Katastrophe.

1635