1461

1500 Die Schlacht bei Hemmingstedt

Dithmarschen gab sich 1447 bereits ein eigenes Landrecht, vorher schon locker eine freie Bauernrepublik, streng genommen aber unter der Lehnshoheit der Bremer Erzbischöfe.  Jetzt verwaltet durch eine Landesversammlung in Meldorf, einem Bürgermeister und 48 auf Lebenszeit gewählten Vertretern der Kirchspiele, den Regenten, verantwortlich für Verwaltung und Rechtsprechung. Es entwickelten sich keine adligen Gutsherrschaften wie in der Traveregion und dem Rest Norddeutschlands.

Am 22. Mai 1481 übernimmt Johann I. den dänischen Thron. Seine jüngere Schwester war übrigens Margarete, die  den schottischen König Jakob III. heiratete und Urgroßmutter von Maria Stuart wurde.
Die Königinmutter Dorothea dachte in dynastischen Kategorien und wollte, nachdem ihr Ältester als König von Dänemark feststand, ihren jüngeren Sohn Friedrich mit den Herzogtümern Schleswig und Holstein versorgt sehen. 
Die Bischöfe von Lübeck hatten von Kaiser Sigismund 1434 das Recht erhalten, als dessen Vertreter die Belehnung des Herzogtums Holstein durchzuführen. Johann übernahm bis zur Volljährigkeit seines Bruders Friedrich, dem Herzog von Schleswig und Holstein 1489 die Regentschaft für ihn. Die Landesversammlung der "48er" erreicht nun 1487 beim Kaiser den Widerruf der Belehnung durch die dänische Krone, so dass Johann 1500 versucht sie mit Gewalt zu unterwerfen.
An der Spitze des königlichen Heeres von 11.000 Mann marschiert die berüchtigte Schwarze Garde des Kölner Abenteurers Junker Lenz mit 4000 Köpfen.  Ihr Schlachtruf war: "Wahr Di, Buer, de Gaar de kummt" (Wehr dich, Bauer, die Garde kommt).
Dazu kamen auf dänischer Seite die adlige Ritterschaft aus Schleswig - Holstein bzw. benachbarten Ländern mit ihren Knappen, insgesamt um die 2.000 Mann, und geschätzte 5.000 Mann der Landwehr, also wehrpflichtige Bürger und Bauern, die Artillerie und der Troß.
Der vertretene Adel rekrutierte sich aus nahezu allen Häusern Schleswig und Holsteins wie die weiter unten gezeigte Gefallenenliste zeigt.
In den folgenden Tagen ging es nicht gerade zimperlich zu. Am 13. Februar 1500 stürmte und plünderte dieses Heer die einstige Dithmarscher Hauptstadt Meldorf und richteten dort angeblich ein großes Blutbad an. Am 17. Februar zog das Heer dann weiter gegen Heide.
Die Dithmarscher Bauern hatten derweil die damals etwa 3 km entfernten Deichsiele geöffnet und so mit der Mittagsflut große Teile des Landes unter Wasser gesetzt. Daneben hatten sie an dem schmalen Landweg nach Heide bei der Dusend-Düwels-Warft eine Schanze aufgeworfen. Das Wetter hatte sich ziemlich verschlechtert, sodass der dänische Troß langsam war und im Schlamm steckenblieb. Der Tross hatte Meldorf noch nicht ganz verlassen, als die Spitze schon auf diese Schanze traf.
Hier entbrannte ein heftiger Kampf, wobei die Dithmarscher Bauern - etwa 3.000 Mann, angeführt von Wulf Isebrand und der sagenumwobenen Jungfrau Telse von Hochwöhrden - trotz Unterzahl im Vorteil waren, weil sich die schweren Ritter und deren Tross auf dem schmalen, schlammigen Weg nicht besonders gut bewegen konnten. An eine Umkehr war auch nicht zu denken, die Straße war zu schmal. Die Dithmarscher dagegen trugen leichte Rüstungen und bewegten sich mit Hilfe von Springstöcken einigermaßen leichtfüßig über die Gräben.
Unter dem Schlachtruf "Hilf, Maria, milde" und mitsamt der holden Jungfrau stürzten sich die Dithmarscher Bauern auf das in dieser Situation mehr oder weniger hilflose Ritterheer.
Viele der Ritter und Landsknechte wurden nicht getötet, sondern ertranken bei dem Versuch, die Straße zu verlassen. Andere blieben wiederum hoffnungslos im Schlamm stecken und bildeten leichte Ziele. So konnte das für damalige Zeiten riesige Heer vernichtend geschlagen werden. 
Angeblich führte Hans von Ahlefeld, Ritter, Herr auf Haseldorf, Haselau, Seegaard bei Kliplev und Seestermühe in diesem Kampf die dänische  Fahne den Dannebrog. Der Dannebrog ist die Flagge der Dänen. Der Dannebrog ist eine der ältesten Flaggen der Welt. Angeblich hissten schon die Wikinger ein rotes Tuch, das den Namen Dannebrog trug. Der Legende nach entstand die Flagge Dänemarks am 15. Juni 1219, als König Waldemar II. in der Schlacht von Lyndanisse – dem heutigen Tallinn – gegen die heidnischen Esten kämpfte. Als der Krieg schon so gut wie verloren schien, soll eine große Flagge vom Himmel gefallen sein und die Esten vernichtet haben. Von den Dithmarschern umringt wickelte er das Fahnentuch schließlich um seinen Körper und wurde mit seinen 6 Knappen im Gedränge erstochen. Die Dithmarscher führten den eroberten Dannebrog nach der Schlacht zuhause als Trophäe vor.

Die Dithmarscher erschlugen dabei alle Feinde, deren sie habhaft werden konnten. Der dänische König und sein Bruder seien nur durch ein Wunder entkommen: Sie retteten sich über die Dächer der Prunkkarossen, in denen die Damen mitgeführt wurden, die den vermeintlich siegreichen Feldzug beobachten sollten.
Über die Zahl der schleswig-holsteinischen Ritter und der Ritter aus den benachbarten Ländern gibt es keine genauen Angaben. Es wird im allgemeinen angenommen, dass deren Heer aus etwa 2.000 Mann bestand, wovon etwa ein Viertel Ritter und drei Viertel Knappen (Gudemanns) waren.
Wieviel tausend Tote es tatsächlich gab ist ungewiss. Im Internet kursiert aber in Auszügen eine Gefallenenliste:
+ Graf Adolf
+ Otto Graf von Oldenburg und Delmenhorst,
   Söhne des Grafen Gerhard und Vettern des
   König Johann von Dänemark mit 12 Gudemanns*
+ Hans von Ahlefeld zu Törning, Gelting und Neuendorf
   mit 6 Gudemanns und dem Dannebrog, der dänischen Fahne
+ Hennecke von Ahlefeld zu Bossee
+ Heinrich von Ahlefeld zu Lindau
+ Marquard von Ahlefeld zu Saxtorf
+ Jürgen von Ahlefeld zu Seegard
    mit 2 Gudemanns
+ Heinrich von Ahlefeld, Amtmann zu Steinburg
    mit 2 Gudemanns
+ Lorenz von Ahlefeld, Sohn des Claus
+ Benedict von Ahlefeld zu Borghorst, Sohn des Benedict
+ Benedict von Ahlefeld, Sohn des Otto
+ Benedict von Ahlefeld zu Noer (doppelte Nennung ?)
+ Benedict von Ahlefeld zu Lehmkuhlen
+ Laurentz Albertzen
   mit 5 Gudemanns
+ Trut Andersen
    mit 6 Gudemanns
+ Nickels Arcxsen
    Die Brüder
+ Hans Blome zu Seedorf, Testorf und Hornstorf
+ Heinrich Blome zu Deutsch - Nienhof, Amtmann (Vogt)
   zu Gottorf
   mit (?) Gudemanns
+ Ewolt Bolow ein Pamerening
    mit 2 Gudemanns
+ Marquart Bonigh (Bonick oder Rönnow)
+ Dietrich Bornstein von dem neuen Hagen
+ Gert von Bothmer
+ zwei Brüder von Breuith
+ Marquard Breide
   (Anm.: Marquard Breide zu Clausdorf,
     Sohn des Wulf, ist nicht gefallen)
+ Jens Brock mit 3 Gudemanns
+ Heinrich Brockdorf zu Schrevenborn
    mit 4 Gudemanns
+ Sievert Brockdorf zu Windeby
+ Detlev von Buchwald zu Borstel, Sierhagen
    und Neversdorf (der lange Detlev(?)
+ Detlev von Buchwald zu Hasselburg
    mit einem Gudemann
+ Hans von Buchwald, wohnhaft in Neustadt,
    Sohn des Heinrich zu Equelstorf (bei Ahrensbök)
+ Detlev von Buchwald zu Wensien
+ Otte von Buchwald
+ Hennecke von Buchwald
+ Emecke von Damme
+ das ganze Geschlecht Doberstorf
   (Pogwisch zu Doberstorf)
+ Heinrich Eickschen (Rosenkrantz)
    mit 9 Gudemanns
+ Erp Ertzen / Erßen
+ Reimer von Felbrugge
    mit 2 Gudemanns
+ Junker  Foll, ein Kölner
+ Erich Mogensen Galt und sein Bruder Ebbe,
    Söhne des Mogens Ebbesen Galt
+ Jacob von Gent
+ Gherstede, ein Mecklenburger
+ Eggert Görtzen zu Sollwig
+ Johann Grapendorf
+ Hans Griis (zu Holmegaard ?)
+ Johann Goessen ( = Hans Goes)
+ Knut Goje (ist nicht gefallen)
    mit 3 Gudemanns
+ Claus von Hagen zu Nübel
+ Johann Hassenkamp mit seinem Bruder
+ Luder Heest zu Tremsbüttel
+ Volrad und Bertram (?) Heest, Söhne des Luder
+ Erik Höeg zu Örndrup und sein Bruder
+ Jörgen Höeg, Söhne des Peder Höeg zu Eskjaer
+ Jons Holtersen, Vogt zu Gothlande
    mit 7 Gudemanns
+ Heinrich von Ilten Söhne
+ Otte Johannsenn
+ Junker Jort, Vogt zu Helgoland
+ Goswin Ketelsen Szone
    mit 2 Gudemanns
+ Heinrich Knigge von Leueste
+ Heinrich Knutzen
    mit 4 Gudemanns
+ Megels Krassenn
+ Claus Krummendieck zu Höiby
    mit 8 Gudemanns
+ Burchard Krummendieck, Vogt zu Flensburg,
   mit 5 Gudemanns (Burchard ist nicht gefallen)
+ Heinrich Kule, ein Hadeler
+ Jürgen Laer
+ Schack Moth van dem Kyle, Vogt zu Kiel,
   mit 3 Gudemanns (unsicher)
+ Herr Lablock mit 6 Gudemanns
   (Herr Lage Brock zu Eystrup ist nicht gefallen)
+ Ebbe Mangenessenn
+ Holt von Mandelslo
+ Swant Nels mit 8 Gudemanns
+ Hylmer von Oborch
+ Benedict Pogwisch
+ Wulf Pogwisch zu Elersdorf (Farwe) mit 8 Gudemanns
+ Claus Pogwisch, Sohn des Henning
+ Wulf Pogwisch zu Dobersdorf
+ Joachim und Hans Pogwisch zu Güldenstein,
    Brüder, Söhne des Hartwich Pogwisch
+ Hartwich Pogwisch zu Grünholz
+ Heinrich Pogwisch von der Werwe (?) mit 2 Gudemanns
+ Hennecke von der Wisch zu Dänisch Nienhof
+ Detlef von der Wisch
+ Wulf von der Wisch zu Rundhof
+ Joachim von der Wisch
   (Brüder zu Dänisch - Nienhof, Söhne des
   Wulf von der Wisch zu Rundhof)
+ Juncker Omeken Söhne aus Breslaw (?)
+ Heinrich von Oprade
+ Detlev von Qualen zu Coselau
+ Benedict von Qualen
+ Joachim Rantzau zu Ascheberg
+ Otto Rantzau zu Rastorf mit 2 Gudemanns
+ Breide Rantzau, Kanzler des Königs von Dänemark,
   Sohn von Heinrich Rantzau und Ollegard Buchwald,
   mit einem Gudemann
+ Heinrich Rantzau zu Karlswraae, Sohn Elers
+ Schack Ranzau
+ Claus Ratlow zu Hohenfelde und Lindau mit einem Sohn (?)
+ Michael Ratlow
(Brüder, Söhne des Joachim)
+ Emeke Ratlow zu Futterkamp
+ Sievert Ratlow zu Lensahn
+ Wuolf torney von Rethem
+ Iven Reventlow zu Gaartz
+ Hartwig Reventlow zu Gram
+ Sven von Reventolw (?)
+ Joachim von Reventlow (sein Bruder)
+ Otte Rode
+ Claus Rode
(Brüder)
+ Tönnies Ropolle
+ Hans Roßenhaghen
+ Schack Rumohr zu Röest
+ Jürgen Rute mit 5 Gudemanns
+ Benedict Schmalstede
+ Hans Schmalstede
+ Schack Schmalstede
(Brüder)
+ Marquard und Heinrich Schwabe (Swan),
   Brüder, zu Nordsee (Eider)
+ Paul Sehestedt zu Stendorf, Amtmann zu Rendsburg
+ Benedict Sehestedt zu Cluvensieck mit 2 Gudemanns
+ Hans Sehestedt zu Sehestedt
+ Paul Sehested zu Kohoude (Kohöft = Ludwigsburg)
    mit 2 Gudemanns und seinen Knechten
+ Joachim Sehestedt zu Buckhagen, Sohn des Reimer
+ Burchard Sehestedt
+ Detleff van Segge / Siggen
+ Junker Slens mit seinen mede (?) Brüdern, genannt
    "die große Garde", etwa 8 Dutzend Leute mit Slenitz
    als Capitein)
+ Otto Stacke (Schack) zu Buckhagen
+ Henning Stacke (Schack) zu Nütschau
+ Hans von Steinberg
+ Hinrich und ... Stur, Brüder
+ Erp von Szwensze
+ Boye Tetens, Vogt in Eiderstedt
+ Volquard Tetensen, Vogt in Nordstrand,
    Bruder zu Boye
+ Otto von Thienen zu Kühren und Walstorf,
    Sohn von Detlev und Cecilie, geb. Ahlefeld
+ Symen Veltbruggen (Feldbrücke ?)
+ Hans Walstorp
+ Heinrich Walstorp
+ Claues Wensynn (Wensien) zu Radelsdorf
+ Jürgen Wernersen zu Parsberg, Hauptmann zu Vordingborg,
    mit 6 Gudemanns
+ Gerdt Westerholt
+ Syvert von Weyge von Botresen
+ Lutke Heinrich von Wigger von Botresen
+ Hellrick Wulff
Der nächste, nun gründlich vorbereitete Einmarsch dänisch-schleswig-holsteinischer Truppen unter dem Feldherrn Johann Rantzau, die so genannte Letzte Fehde, konnte dann allerdings 1559 von den Dithmarschern nicht mehr aufgehalten werden. Die Bauern wurden besiegt und verloren ihre Freiheiten.

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