Schmidt-Römhild, das älteste Verlags- und Druckhaus aus Lübeck

"Die Druckerey sei eine freye Kunst, wer gute Lettern habe, möge ohne Behinderung drucken." So entschied der Rat der Stadt Lübeck 1613, und dieser Beschluss mutet so fortschrittlich an, als sei die sehr viel spätere Toleranz der Gewerbefreiheit oder der Meinungsfreiheit vorweggenommen. Zu entscheiden war über die Konzession zum Betreiben einer Druckerei. Als Druckerei besaß Lübeck zu jener Zeit bereits lange Tradition und frühen Ruhm. Das älteste in Lübeck gedruckte Buch war ja die 474 Blätter starke Weltchronik "Rudimentum novitiorum", welche schon 1475 aufgelegt wurde. 
Bis in die Gegenwart reicht die Bedeutung des ältesten Verlags- und Druckhauses Deutschlands, des Lübecker Verlages Schmidt-Römhild. 2019 konnte dieser Verlag sein 440-jähriges Bestehen feiern. Er ist also noch um einige Jahre älter als der kluge Beschluss des Rates zur Freiheit der Druckereien. Und betroffen war er auch davon.

Verlagshaus Schmidt-Römhild in LübeckVerlagshaus Schmidt-Römhild in Lübeck

1579 wurde Lorenz Albrecht Lübecker Bürger. Er betätigte sich als Buchhändler und Verleger. Seine Bücher bezog Albrecht von Druckern in Lübeck, aber auch aus Rostock, Greifswald, Barth, Hamburg und Ratzeburg. Sein erster Versuch, selbst eine Druckerei in Ratzeburg zu betreiben, scheiterte am Widerstand eines Konkurrenten. Ab dem Jahr 1599 hatte er es dann aber doch in Lübeck geschafft. Auf gerader Linie ist die Weitergabe der Konzession und des Erbes dieses so entstandenen Verlages von 1579 bis heute zu belegen. Albrechts Verlagsprogramm umfasste eine berühmte (in Rostock gedruckte) Reineke-Voß-Ausgabe, antike Schriftsteller, geisteswissenschaftliche Werke. Ein Werk des Kardinals Contarini über die Republik Venedig brachte er in fünf Bänden heraus. Zu seinem Programm gehörte auch die "Vandalia" des Albert Crantz, in dem über die Geschichte der Slaven im Mecklenburger-Lübecker Raum berichtet wurde und die Historikern heute noch immer wieder wichtige Aufschlüsse gibt.

Druckhaus Schmidt-Römhild in LübeckDruckhaus Schmidt-Römhild in Lübeck

Nach Albrechts Tod zahlte dessen Schwiegersohn die Erben aus und übernahm den Verlag, dessen Programm er erheblich ausweitete. Erst 1640 wechselte mit dem Verkauf des Unternehmens an den Buchdruckergesellen Johann Meyer die Eigentümerfamilie. Meyers Witwe heiratete 1646 den Buchdrucker Gottfried Jäger. Dieser verstand es, amtliche Aufträge für die Druckerei hereinzuholen. Damit stellte er entscheidende Weichen für die Zukunft des Verlages, eine Tradition, die sich heute bis zum "Amtlichen Telefonbuch" fortsetzt. Bekannt geworden sind die bei Jäger  verlegten Leichenpredigten, aber auch erfreuliches, wie die fünf Hochzeitsarien des Komponisten und Organisten Dietrich Buxtehude und Hochzeitslieder von Johann Christian Schieferdecker (auch Schiefferdecker; * 10. November 1679 in Teuchern bei Weißenfels; † 5. April 1732 in Lübeck), dessen Nachfolger an der Marienkirche
Mehrfach wechselte das Unternehmen noch den Besitzer, bevor mit Georg Franz Justus Römhild der erste Namensgeber des heutigen Verlages in Erscheinung trat. Das war 1787, als der erblindete Drucker J.D. Fuchs den Betrieb an seinen Faktor Römhild verkaufte. Der bewarb sich um den Titel eines Ratsbuchdruckers, der ihm 1792 zugesprochen wurde. Damit verbunden war die Zusicherung staatlicher Aufträge. Das Unternehmen blühte auf. 1804 wechselte es in das Haus Mengstraße16. Der amtliche Staatskalender und Kalender aller Art sicherten dem Verlag die wirtschaftliche Grundlage. 1798 erschien dann das erste Adressbuch der Stadt bei Römhild. Heutzutage, im Zuge der Digitalisierung und des Datenschutzes machen reine  Adressbücher keinen Sinn mehr. Anders wie "Gelbe Seiten", "Gewusst Wo" und Telefonbücher, für die Schmidt-Römhild in der Traveregion bekannt ist.
Römhild starb 1818. Um seine Nachfolge als Ratsbuchdrucker bewarb sich der Drucker Georg Christian Schmidt. Der Senat entsprach dem und übertrug später das Privileg auch auf dessen Sohn. Der Doppelname "Schmidt-Römhild" taucht erstmals 1925 auf. Der Verleger Georg Schmidthatte ihn für den Verlag eingesetzt, weil es "allmählich zu viele Schmidts in Lübeck gab", noch dazu im grafischen Gewerbe. 1977 trat der Essener Verleger Norbert Beleke in das Unternehmen ein, das er erheblich ausbaute. Pfeiler des Programmes sind neben den Telefonbüchern in langer Tradition Literatur um und über Lübeck. 
1986 ist Norbert Beleke nach dem Ausscheiden von Helga Schmidt-Römhild als Kommanditistin Alleininhaber mit persönlicher Haftung. Das Verlagshaus firmiert immer noch mit der Zentrale in der Mengstraße als Max Schmidt-Römhild GmbH & Co. KG.








 

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