Von Pferden, über die Straßenbahn zum modernen Stadtverkehr Lübeck

Im Jahr 1875 war die Einwohnerzahl Lübecks beachtlich gestiegen. Über 53.000 Menschen wohnten schon in der Stadt, und die Vororte dehnten sich immer mehr aus. Wer in die Innenstadt wollte und kein Geld für eine Droschkenfahrt hatte, musste einen tüchtigen Marsch zurücklegen. Deshalb blickten die Lübecker ein bisschen neidisch nach Hamburg, wo es bereits eine Pferdebahn gab. Am 15. März 1880 wurden auch in Lübeck die Weichen zur Gründung einer "Pferdeeisenbahn-Gesellschaft" gestellt. Die Bürgerschaft beschloss die Erteilung einer Konzession an den Regierungsrat a.D. von Warnstedt und den Bauunternehmer Vering.

In den "Concessionsbedingungen" hieß es: "Die Bahn hat zu beginnen bei dem Grundstück Adlershorst an der Ratzeburger Allee oder bei dem Grundstück Colosseum an der Cronsforder Allee und führt dann längs der Mühlenbrücke, Mühlenstraße, Klingberg, Breitenstraße, Kuhberg, großen Burgstraße, Israelsdorfer Allee bis zum Allgemeinen Gottesacker, eventuell mit Abzweigungen von der Mühlenbrücke über die Musterbahn, dem Domkirchhof, die Dankwartsgrube, längs der Trave nach dem Lindenplatz, sowie durch die Roeckstraße bis zum Wiesenweg.
Am 15. Mai 1881 war der große Tag der Einweihung. Die 29 Pferde transportierten gleich im ersten Jahr fast eine halbe Million Fahrgäste. Der Fahrpreis betrug wochentags zehn Pfennig und am Wochenende 20 Pfennig. Zur Belegschaft der Eisenbahngesellschaft gehörten neben Kutschern und Conducteuren auch ein Futtermeister und ein Hufschmied. Die Lübecker genossen nicht nur die neue Bequemlichkeit, sie sorgten sich auch um das Wohl der Zugpferde. So schlug man zum Beispiel vor, "zur  Schonung der durch das hügelige Stadtgebiet über die Maßen strapazierten Pferde sollten die Fahrgäste angewiesen werden, während der Fahrt an ihrem Zielpunkt ab- und ebenso aufzuspringen. Die Kutscher sollen die Fahrgäste im Abspringen unterweisen".
Doch die Pferde mussten bald den Elektromotoren weichen. Erste Versuche in anderen deutschen Städten mit der elektrischen Straßenbahn waren erfolgreich verlaufen. Am 17. April 1893 beschloss der Senat, dass auch in Lübeck eine moderne elektrische Straßenbahn gebaut werden sollte. 
Die AEG erhielt eine Konzession für die "Allgemeine Lokal- und Straßenbahn AG" (ALSAG). Die Gleise der Pferdebahn wurden durch neue ersetzt und ein Grundstück an der Roeckstraße zum Bau eines Depots erworben. 1894 konnten die Lübecker zum ersten Mal in ihre "Elektrische" klettern. Nach und nach wurde das Gleisnetz erweitert, In der neuen Wartehalle am Geibelplatz, heute Koberg, kündigte eine elektrische Glocke die Abfahrt nach Israelsdorf eine Minute vorher an. 1905 kaufte die Stadt Lübeck die Marlibahn für 380.000 Mark und ein Jahr später die ALSAG für 3.600.000 Mark. Durch die Straßenbahnen stieg der Stromverbrauch auf rund 4,5 Millionen Kilowattstunden an. Die städtische Straßenbahn ratterte bis zum Jahr 1959 durch Lübeck. Dann stiegen die Lübecker auf den Bus um. 

Die Stadtverkehr Lübeck hat zum IV. Quartal 2011 seinen Fuhrpark um Hybridbusse des Schweizer Unternehmens HESS erweitert.
2020 wird der ÖPNV durch das Verkehrsunternehmen Stadtverkehr Lübeck GmbH (SL) betrieben. Die SL entstand im Jahr 2000 durch Ausgliederung aus dem bis dahin öffentlich-rechtlichen Eigenbetrieb der Stadtwerke Lübeck. Alleinige Gesellschafterin ist die Stadtwerke Lübeck Holding GmbH. Die Stadtverkehr Lübeck GmbH betreibt den ÖPNV in Lübeck und seinen Umlandgemeinden in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit 31 Buslinien, die mit eigenen Bussen, durch Tochtergesellschaften und durch beauftragte private Busunternehmen befahren werden. Hauptknotenpunkt des Liniennetzes ist der ZOB am Lübecker Hauptbahnhof.

 

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