Aus der Heilanstalt Strecknitz wird das UKSH Lübeck

1912 wurde die Heilanstalt Strecknitz auf dem Gelände des Gutes Strecknitz eingeweiht, ein Krankenhaus für psychiatrische Behandlung. Die Urzelle der heutigen Medizinischen Universität zu Lübeck war von Stadtbaudirektor Balzer konzipiert worden. In lockerer Bauweise gruppierten sich 28 Einzelhäuser mit roten Dächern zu einer weitläufigen Anlage, in deren Gärten und Alleen die Patienten spazieren gehen konnten, denn man war zu der Überzeugung gelangt, dass viel frische Luft und Bewegung eine Heilung fördern konnten. Die Anstalt war eine Stadt für sich mit einem Gesellschaftshaus, Wirtschaftsgebäuden und Werkstätten sowie Wohnhäusern für die Ärzte und das übrige Krankenhauspersonal, überragt von einem hohen Wasserturm. Den Baugrund hatte das Heilig-Geist-Hospital zur Verfügung gestellt, zu dessen Besitz das Gut Strecknitz gehörte.

Zeichnung von Häcker aus dem Jahr 1912, koloriert von L. Trauenfelt im Jahr 1921

Seit 1927 wurden Patienten aus Hamburg in der Heilanstalt Strecknitz aufgenommen. Ein entsprechender Vertrag zwischen den beiden Hansestädten beinhaltete auch die Errichtung eines Erweiterungshaus. Zwischen 1927 und 1930 entstanden die beiden "Hamburger Häuser".
Die Nationalsozialisten beendeten die Geschichte der Heilanstalt Strecknitz auf schreckliche Weise. Im September 1941 ließen sie 605 Patienten, nach ihrer Ideologie "unwertes Leben",  nach Eichberg bzw. auch nach Weilmünster in Hessen bringen und dort ermorden. 
Die Stadt Hamburg nutzte das Krankenhaus in der folgenden Zeit als Ausweichquartier und erweiterte es durch Baracken. In den Nachkriegsjahren bekam die Klinik ihren selbständigen Status zurück. Sie diente nun als "Krankenhaus Ost" der allgemeinen medizinischen Behandlung von Patienten im Großraum Lübeck.
Die Hansestadt hatte schon einmal eine Universität, wenn auch nur zu Gast. Von 1487 bis 1490 nahm ein Teil der Universität Rostock hier ihre Lehrtätigkeit auf. Die Rostocker Hochschule war 1419 als erste im Norden Europas gegründet worden. Aufgrund politischer Querelen geriet die Stadt 1431 in die Reichsacht. Papst Eugen IV.belegte sie zudem mit dem Kirchenbann. Etliche Professoren, die zugleich Geistliche waren, suchten Zuflucht in Lübeck und kehrten erst nach Aufhebung des Bannes nach Hause zurück. Ein zweites Mal wurde Rostock 1487 gebannt. Die Universität musste auf Befehl des Landesherren die Stadt verlassen, machte zunächst in Wismar Station und reiste dann weiter nach Lübeck. Die Lübecker empfingen die Professorenschaft mit offenen Armen und quartierten sie im Katharinenkloster ein. Die Ratsherren hätten die Universität wohl zu gern behalten, aber Rostock wollte sie schließlich doch selbst wiederhaben.
Mit zu wenig Nachdruck, so wird vermutet, hatten sich die Lübecker um die Gründung einer eigenen Universität bemüht. Möglicherweise scheuten sich die kühl rechnenden Kaufleute auch vor den Kosten einer solchen Einrichtung.
Erst viel später wurde wieder an eine Universität mit Standort Lübeck gedacht. Die Initiative dazu kam aus Hamburg. 1843 machte der Hamburger Ratssyndikus Karl Sieveking den Vorschlag, in Lübeck eine "Hanseatische Universität" zu gründen. Um das Vorhaben zu finanzieren , sollten reiche lübsche Stiftungen säkularisiert werden. Einzelne Lübecker Bürger machten sich stark für die Idee, aber sie fand keine Mehrheit. Im Herbst 1964 wurde die Medizinische Akademie geründet und am 24. April 1985 die "Medizinische Universität zu Lübeck".
An der Universität sind 2019 knapp 5.000 Studenten eingeschrieben. Es sind 150 Professoren und 100 Privatdozenten tätig. Das Universitätsklinikum Lübeck wurde 2003 mit dem Universitätsklinikum Kiel zum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und damit zum zweitgrößten Universitätsklinikum Deutschlands zusammengeschlossen. Mit über 5300 Mitarbeitern gehören die Universität und das Klinikum zu den größten Arbeitgebern der Region Lübeck. 

 

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