A-Z

Mittelalterlicher Handel auf dem Klingenberg Lübeck

Das Gelände um den Klingenberg am Petrihügel gehört zum ältesten Lübecker Siedlungsgebiet. Die Forschung vermutet hier die schauenburgische civitas, die der Stadtgründung durch Heinrich den Löwen vorausging. Am Klingenberg verlief die Grenze zwischen der bürgerlichen Stadt und dem Domkapitel. Der Marktplatz wurde nach der Neugründung vom Klingenberg auf das Gelände südlich von St. Marien verlegt. Für bestimmte Waren aber blieb der Klingenberg Umschlagplatz. Ursprünglich wird der Platz als "Forum salis" (1296), "Salsum forum" (1320), "Sollten Marked" (1368) und "Soltmarked" (1459) bezeichnet. Die Bedeutung ist klar: Hier wurde das Salz verkauft. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts verlagerte man den Salzmarkt vom östlichen Teil des Klingenberges an das Traveufer gegenüber den Salzspeichern. Der Zeitpunkt der Verlagerung lässt sich ungefähr bestimmen. 1574 wird das Grundstück eines Hauses an der Sandstraße noch als "up dem Soltmarkede" lokalisiert, 1599 taucht für den Bereich die Bezeichnung "vormals de Soltmarkede" auf.

mittelalterlicher Handel Lübeck

Dem Salz folgten die Landleute, die auf dem Platz Torf und Holz verkauften. Bis 1830 hatte der Schweinemarkt am Klingenberg seinen Platz. Markantes Zeichen des Platzes war seit 1494 bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein drei Meter hoher Pumpbrunnen. Er wurde abgelöst durch einen neugotischen Brunnen, der allerdings Ende der 20er Jahre abgebaut wurde. Bekanntestes Gebäude am Klingenberg war das "Hotel Stadt Hamburg". 

Klingenberg Lübeck 2019Klingenberg Lübeck 2019

1444 hatte der Hamburger Rat eine Absteige-Herberge am Platz gekauft und prächtig ausgestattet. Sogar einen Spiegel gab es in einem Saal. Die Herberge enthielt eine Schlafkammer für den Bürgermeister, einen Herren-, eine Hauptmanns und eine Schafferkammer. Bei den Handelstagen sollten die Herren nicht in einer gewöhnlichen Herberge absteigen müssen.

1808 verkaufte Hamburg das Haus. Das darin eingerichtete "Hotel Stadt Hamburg" erlangte durch Thomas Manns Novelle "Tonio Kröger" Weltruhm: "Da war das Hotel, und es waren die beiden schwarzen Löwen, die davor lagen". Seit das Hotel 1942 zerstört wurde, liegen sie vor dem Holstentor. Es ist ihr dritter Ruheplatz, nachdem sie ursprünglich 1840 vor dem Haus des Kaufmanns Daniel Jacoby in der Großen Petersgrube lagen.

Löwen Holstentor

Fotomotiv Löwen vor dem Holstentor 1959

Rolf Winter (* 10. Oktober 1927 in Lübeck; † 29. September 2005 in Hamburg) schildert das Hotel am Klingenberg in seinem Buch "Hitler kam aus der Dankwartsgrube"(Rasch und Röhring Verlag, Hamburg 1991, ISBN 3-442-12383-6): "Es gab eine Zeit, in der ich an jedem Tag zum klingenberg ging und vor dem "Hotel Stadt Hamburg" stand und ungeduldig auf die Vorfahrt der Leute vom "System" wartete. 

Löwe Hotel Stadt HamburgLöwe vom Hotel Stadt Hamburg dahinter das Holstentor Lübeck

Sie kamen zu vornehmen Tanztees und Hausbällen, zu der die Jazzkapelle Fleischmann' aufspielte, und zu Mittagessen kamen Sie, das Gedeck ab 1,50 Mark, und das Hotel arrangierte "Schönheitstees", zu denen sich die Damen des Systems vorfahren ließen, um dann darüber belehrt zu werden, wie sie noch ansehnlicher werden konnten. Damen und Herren kamen zu Banketten und brachten wunderbar herausgeputzte Kinder mit, die ganz unaufgeregt waren und sich benahmen, als wären sie im Hotel Stadt Hamburg daheim, 

LöweLöwe vom Hotel Stadt Hamburg dahinter das Gewerkschaftshaus Lübeck

gleichmütig stiegen sie den breiten Treppenaufgang zwischen den Löwen hinan und verschwanden dann im Foyer, wo gelegentlich der Hoteldirektor wartete…"








 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.