A-Z

Das Gotlandprivileg Heinrichs des Löwen

Schon zur Zeit der Neugründung Lübecks durch den Herzog Heinrich den Löwen im Jahr 1159 segelten Händler von der Trave nach Gotland. Die nach Seeland (Dänemark) und vor Fünen (Dänemark) sowie Saaremaa (Estland) zweitgrößte Insel der Ostsee liegt nordöstlich von Öland. Die Hafenstadt Visby war ein interessanter und gewinnversprechender Handelsplatz. Dort trafen sich Kaufleute aus dem Nordosten und dem Nordwesten Europas um ihre Waren zu tauschen. Felle, Wachs und Honig, Salz, Tuche und Waffen kamen in Mengen auf den Markt. 
Die Bewohner der Insel hatten es durch den Zwischenhandel zu Wohlstand gebracht. Zum Teil wohnten sie schon in Häusern aus Stein, die damals im Norden noch selten waren. Zuerst müssen die Beziehungen zwischen den Lübeckern und den Gotländern gut gewesen sein, denn beide profitierten von dem Handel. Doch dann kam es zu Streitigkeiten, wohl deshalb, weil immer mehr Lübecker Händler Visby ansteuerten und die Einheimischen ihre Pfründe in Gefahr sahen. Die Hanse steuerte auch viele gotische Kunden direkt an und betrieben direkt Geschäfte mit Novgorod etwa. Die Konkurrenz war groß. Auch Händler aus dänischen Städten, die der Knudsgilde angehörten, Namensgeber, Beschützer und Heiliger der Gilde war der erste Herzog von Schleswig Knud Lavard (1096−1131), trieben unter dem Schutz des dänischen Königs Waldemar auf der Insel schwungvollen Handel.

Handel mit Gotland
Handel mit Gotland

Heinrich dem Löwen konnte der Streit gar nicht recht sein. Je reibungsloser die Geschäfte zwischen Gotland und Lübeck florierten, desto fetter waren die Abgaben, die in seine Kasse flossen. Im Gotlandprivileg gewährte er den Gotländern 1161, unter Voraussetzung voller Gegenseitigkeit und der Bereitschaft der Gotländer ihm und seinen Gefolgsleuten freundlich gesinnt zu sein und gern den Lübecker Hafen aufzusuchen, den gleichen Rechtsschutz wie seinen eigenen Kaufleuten, ein frühes Handelsabkommen also.
Sollte ein Mann von Gotland bei einem Besuch in Lübeck zur Zeit des Marktfriedens erschlagen werden, so wollte er, Heinrich, die Todesstrafe über den Schuldigen verhängen. Geschah die Untat zu anderer Zeit, war immerhin eine hohe Geldstrafe vorgesehen. Bei Raub sollte dem Betroffenen der eingebüßte Besitz ersetzt werden. Starb ein Gotländer in der Fremde, durfte sich niemand an seinem Eigentum vergreifen, sein Erbe sollte Anspruch darauf haben. Sehr wichtig war auch noch die Vereinbarung, nach der die Händler aus Gotland in Heinrichs Machtbereich keine Zölle zu bezahlen brauchten. Dem Vertrag fügte Heinrich der Löwe noch einen zweiten Schriftsatz hinzu, ein Mandat. Ein Mann namens Olderich oder Odelrik sollte als Vogt des Herzogs  darauf achten, dass sich jedermann nach dessen Anweisungen verhielt. Olderich war der Ältermann der Lübecker Händler auf Gotland. Der Vertreter der Gotländer hieß Lichnatus. Ernstere Auseinandersetzungen sollten am Hofe Heinrich des Löwen geschlichtet werden. 
Das Original des Gotlandprivileges ist in den Wirren der Geschichte verlorengegangen. Die Abschrift, die Anfang des 13. Jahrhunderts auf Gotland angefertigt wurde, lagert heute im Archiv der Hansestadt Lübeck. Ein Faksimile-Druck ist im Hansemuseum zu sehen.

Airbus

 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.