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Delvenau, Stecknitz und der Kanal mit der Hubbrücke

Die Delvenau ist ein ca. 50 km langer Fluss im Kreis Herzogtum Lauenburg des deutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein. Sie entspringt bei Büchen und fließt bei Lauenburg in die Elbe.

Von Niebuhrschleuse bis kurz vor Lauenburg bildet der Wasserlauf die Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern und von 1945 bis 1990 auch die innerdeutsche Grenze.
Der Name geht auf das mittelniederdeutsche Wort delf für Graben zurück und wurde später umgedeutet.
Im Text zum Limes saxoniae von Adam von Bremen heisst es "A quo sursum limes currit per silvam Delvunder usque in fluvium Delvundam" übersetzt:" Von ihm (nämlich dem Flüsschen Mescenreiza) verläuft die Grenze aufwärts durch den Delvunderwald bis in den Delvunderfluss."

 

Hubbrücke
Hubbrücke Elbe-Lübeck-Kanal

Heutigen Erkenntnissen nach (Heinz Willner) war mit Mescenreiza offenbar die Boize gemeint und zwar bis dort, wo sie ihre Laufrichtung (Knick nach Nordosten) ändert, aber ein Nebenbach, der Wallmoorbach offenbar, diese weitere Funktion behielt. Heute wird dieser Lauf als Bek oder Moorbek bezeichnet. Ab dem Delvenauknick bei Bergholz übernahm die Delvenau dann die Limes-Funktion. 
Die Delvenau wurde bereits im Mittelalter als Stecknitzkanal reguliert und mit der in die Trave mündenden Stecknitz in Verbindung gesetzt. Seit dem erneuten Ausbau Ende des 19. Jahrhunderts heißt der 62 km lange Schifffahrtsweg zwischen Elbe und Trave Elbe-Lübeck-Kanal. Während ihr Oberlauf vom Kanalneubau abgeschnitten wurde, blieb der Unterlauf der Delvenau mit zwei der alten Schleusen, der Dückerschleuse und der Palmschleuse, erhalten.
Da sich seit Bau des Stecknitzkanals der Name „Stecknitz“ auch für die nach Süden fließende Delvenau eingebürgert hat, verwenden amtliche Karten die Bezeichnung „Stecknitz (Delvenau)“.
Die Stecknitz entspringt dem Ziegelsee bei Mölln, und fließt bei Lübeck in die Trave, gilt deshalb als Nebenfluss der Trave. Entlang des heutigen Kanals sind die Altarme der Stecknitz noch erkennbar. In die Stecknitz fliessen die Grienau zwischen Moisling und Büssau, der Kastorfer Grenzbach bei Krummesse und die Steinau (Panten) bei Hammer.

Im Mittelalter erlebte der Warenaustausch zwischen Nord- und Ostsee seine erste Blütezeit. Doch die Reise durch den Sund, die seit dem 13. Jahrhundert zunehmend von der Handelsschifffahrt gewählt wurde, war zeitraubend und gefährlich. Sie bedeutete gegenüber dem Landweg einen äußerst gefährlichen, 200 Seemeilen langen Umweg. Daher einigten sich die aufstrebende Hansestadt Lübeck und der lauenburgische Herzog Erich IV. im Jahr 1390 auf den Bau eines Kanals zwischen Elbe und Ostsee. Er war der erste Wasserscheidenkanal in Europa. Der Kanalbau traf keinesfalls überall auf Gegenliebe. So ließ Heinrich von Lüneburg 1396 vor die Ausmündung des Kanals in die Elbe Steine schütten, um die Einfahrt in die Elbe zu unterbinden. Man war gezwungen, die Mündung zu verlegen. 1398 wurde erstmals Salz aus Lüneburg in einer fünfwöchigen Fahrt nach Lübeck transportiert. Am 22. Juli 1398 erreichten die ersten 30 Kähne die Hansestadt. Damit wurde die Alte Salzstraße als Haupttransportweg für das Lüneburger Salz abgelöst; im 16. Jahrhundert betrug das jährliche Verkehrsaufkommen 800 bis 1.500 Prahmen. Das Salz wurde in den Lübecker Salzspeichern an der Obertrave, von denen noch einige neben dem Holstentor erhalten geblieben sind, gelagert und auf seegängige Schiffe für den Export in den gesamten Ostseeraum umgeladen. Die Bedeutung des Kanals stieg immer in den Jahren, in denen beispielsweise wegen Streits um Sundzoll und Umlandfahrer der Öresund für Handelsschiffe gesperrt war. Zu seiner Hochzeit im 15. Jahrhundert wurden über 3.000 Schiffsladungen mit mehr als 30.000 Tonnen Salz pro Jahr auf dem Kanal bewegt. In umgekehrter Richtung transportierten die Stecknitz-Prähme Getreide, Felle, Heringe, Asche, Holz und andere Güter aus Lübeck, die in Lauenburg umgeladen und auf der Elbe gen Hamburg verfrachtet wurden. Später kamen Kohle, Torf, Ziegel, Kalksteine und Kies hinzu. Fünfhundert Jahre lang wurde der Kanal benutzt, um das „weiße Gold“ zu transportieren, bis er am Ende des 19. Jahrhunderts vom Elbe-Lübeck-Kanal abgelöst wurde, der teilweise die alte Trasse des Stecknitz-Kanals benutzte. In Lauenburg ist noch heute die Palmschleuse und bei Witzeeze die Dückerschleuse von 1798 als Teil des ursprünglichen Stecknitzkanals erhalten.

Die Korporation (Gilde) der Stecknitzfahrer besteht heute noch in Lübeck und trifft sich alljährlich zur Kringelhöge, bei der ein speziell gebrautes Bier aus Zinnkrügen getrunken und Tabak aus Tonpfeifen geraucht wird.

Der Elbe-Lübeck-Kanal wurde ab 1895 – von den Lübeckern als Konkurrenz zum Nord-Ostsee-Kanal gesehen – nach den Plänen des Lübecker Baudirektors Peter Rehder gebaut und am 16. Juni 1900 in Lübeck unter Bürgermeister Heinrich Klug in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. in Betrieb genommen. Die Stecknitz und die Delvenau sind weitgehend im Elbe-Lübeck-Kanal aufgegangen. Die bis 1936 Elbe-Trave-Kanal genannte Binnenschifffahrtsstraße kürzte die Entfernung auf 62 Kilometer ab, die Zahl der Schleusen sank auf sieben, die Fahrtzeit auf rund acht Stunden. Eine für die damalige Zeit sehr fortschrittliche und bis zur Gegenwart bewährte Technik mit von Bauinspektor Ludwig Hotopp entworfenen rein hydrodynamisch (nur durch Wasserkraft) betriebenen Schleusen und großzügig dimensionierten Brücken ließ den Kanal lange Zeit vorbildlich erscheinen.
Als einziger deutscher Kanal dieser Epoche neben dem Kaiser-Wilhelm-Kanal wurde der Elbe-Lübeck-Kanal von Beginn an für 1000-Tonnen-Schiffe ausgelegt. Die sieben Schleusen vermitteln den Verkehr zwischen der Elbe und der Ostsee über die gegenüber der Trave etwa zwölf Meter höher gelegene Scheitelstrecke bei Mölln. Sie sind für jeweils zwei Schiffe von 8 Metern Breite und bis zu 80 Metern Länge (beziehungsweise damals für 65 Meter lange Kähne im Schleppverband) ausgelegt, lediglich die 2006 erneuerte Schleuse Lauenburg hat eine Länge von 115 m.
Die heutige Bedeutung des Kanals ist eher gering, da die für die heutige Zeit kleinen Schleusen- und Brückenabmessungen keinen wirtschaftlichen Containertransport erlauben und nur kleinere Binnenschiffe bis zu einer Abladung von 1000 t den Kanal passieren können. Der Kanal wird heute hauptsächlich für Schüttgut (wie z. B. im Bereich des Kanals abgebauten Kies) genutzt. Im Jahr 2008 betrug das Transportvolumen 1,1 Millionen Tonnen bei 2432 Güterschiffen (beides bezogen auf Schleuse Lauenburg). Daneben wird der Kanal auch von der Sportschifffahrt im Verkehr zwischen Ostsee und Elbe genutzt (ca. 5000–6000 Boote pro Jahr).
Die Hubbrücke Lübeck wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals errichtet. Sie führt im Norden der Lübecker Altstadtinsel am Zusammenfluss der Stadt-Trave mit der Kanal-Trave über den Klughafen und stellt die Verbindung zum Burgtorhafen im Stadtteil St. Gertrud her. Die Brücke wurde zwischen 1896 und 1900 ebenfalls nach den Plänen des Wasserbauingenieurs Peter Rehder aus Stahl gebaut, die Brückentürme wurden im neugotischen Stil errichtet. Kaiser Wilhelm II. weihte sie am 16. Juni 1900 mit ein.

 

Alster-Beste-Trave-Kanal