19. Jhdt. Industrialisierung im Trave-Raum

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Der Begriff Industrialisierung bezeichnet technisch-wirtschaftliche Prozesse des Übergangs von agrarischen zu industriellen Produktionsweisen, in denen sich die maschinelle Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen durchsetzt. Industrialisierung wird als historischer Epochenbegriff im Sinne der Epoche der europäischen Industriellen Revolutionen verwandt, die von England ihren Ausgang nahm und in den wichtigsten Industrieländern Europas und der USA 1914 zu einem gewissen Abschluss kam.

Industrialisierung bezeichnet allgemein die Einführung und Verbreitung industrieller Formen der Produktion und Distribution von Waren und Dienstleistungen mit der Folge eines schwindenden Anteils der agrarischen zugunsten der industriellen Produktion in einer Volkswirtschaft.

Die Industrialisierung begann zunächst in England während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Später verbreitete sie sich schrittweise in andere Länder Europas und Nordamerikas, seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend auch in Asien und Lateinamerika.
Die industrielle Revolution in Deutschland unterschied sich von der des Pionierlandes Großbritannien dadurch, dass nicht die Textilindustrie, sondern Montanindustrie und Eisenbahnbau die Schlüsselindustrien wurden.
Ein weiteres Kennzeichen war der regionale Charakter der Industrialisierung. Teilweise vor dem Hintergrund älterer Traditionen, teilweise auf Basis von Rohstoffvorkommen, günstigen Verkehrsbedingungen oder anderen Gründen konzentrierte sich die industrielle Revolution auf einige regionale Verdichtungszonen. In älteren Gewerbelandschaften, in denen die Anpassung an die neue Zeit nicht gelang, konnte es zu Deindustrialisierungprozessen kommen. Anfänglich war die industrielle Entwicklung zu schwach um in nennenswertem Umfang neue Arbeitsplätze für eine wachsende Bevölkerung zu schaffen. Im Gegenteil verschärfte die industrielle Konkurrenz zunächst noch die Krise im Handwerk und den traditionellen Gewerbezweigen. Dies war eine der Ursachen für den Pauperismus des Vormärz. Erst mit dem Durchbruch der industriellen Revolution entstanden in größerem Umfang neue Arbeitsmöglichkeiten. Im weiteren Verlauf verschob sich die soziale Frage weg von den ländlichen Unterschichten und hin zur wachsenden Arbeiterbevölkerung mit ihren schlechten Arbeitsbedingungen und oftmals niedrigen Löhnen.
Bis zur Gründung des Kaiserreiches dominierten in Lübeck Formen traditioneller Fabrikarbeit. 1870 gab es hier nur eine Fabrik mit mehr als 100 Arbeitnehmern. Das war die Tabak- und Zigarrenfabrik Rose & Schweighoffer. Tabak hatte zu dem Zeitpunkt ohnehin bedeutendes Gewicht, ein Drittel aller Beschäftigten (213 von 604) arbeiteten hier.
 

Erster Weltkrieg