Aus dem Schleidenpark wird der Biedermannplatz

Als der Schleidenpark 1903/04 angelegt wurde, war er noch von offenem Gelände umgeben. Das war 10 Jahre vor dem Stadtpark. Gleich danach begann die Bebauung, auch die Mitte Barmbeks wurde von der Verstädterung erfasst. Umso wichtiger der Park: es war der erste öffentliche Park in einem Hamburger Arbeiterstadtteil.
Der Platz im Park wurde mit zwei Teichen und einem großen, runden "Kindertummelplatz" angelegt. Der Tummelplatz war grasbewachsen, die Teiche waren durch einen kleinen Wasserfall miteinander verbunden und boten Kindern die Möglichkeit zum Planschen. Bei schönem Wetter im Sommer war der Park bis in den Zweiten Weltkrieg stets gut besucht. Unterm Aspekt der Stadtentwicklung markiert der Schleidenpark den Wandel, den die Mitte Barmbeks um die Jahrhundertwende erfahren hat. Nur ein Stückchen entfernt floss noch bis 1900 der Osterbekbach zwischen Wiesen und Äckern. Hier fanden die Kinder noch ein "wildes" Spielgelände vor, das als solches nicht angelegt war, aber vielleicht gerade deshalb umso mehr Reiz besaß. Dagegen war der neue Park ein kleines von zwei Straßen eingegrenztes Arrangement von Wasser und Grün, eine Spiel- und Erholungsfläche vom Reißbrett sozusagen.

Benannt wurde der Park nach dem Hamburger Botaniker Matthias Jacob Schleiden (* 5. April 1804 in Hamburg; † 23. Juni 1881 in Frankfurt am Main). Die Straßen an den Längsseiten des Parks hießen Schleidenplatz. 1947 erhielten sie den Namen des sozialdemokratischen Bürgerschafts- und Reichstagsabgeordneten Adolf Biedermann, der längere Zeit in der Nähe des Schleidenplatzes gewohnt hat. Biedermann (* 30. März 1881 in Hamburg; † 11. Mai 1933 in Recklinghausen), gelernter Schlosser, kam im Mai 1933 bei der Rückkehr aus dem Rheinland ums Leben. Viele vermuteten, dass er von nationalsozialistischen Totschlägern ermordet und dann aus dem Zug geworfen wurde. Offiziell hat der Park heute überhaupt keinen Namen mehr. Für viele Barmbeker und auch in  der Literatur heißt er weiterhin Schleidenpark.
Der Park wirkt heute nüchterner als auf manchen Fotos aus der frühen Zeit, die den Eindruck einer tändelnden Landschaftsinszenierung auf kleinstem Raum erwecken. Die Veränderung hat nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Schon Fotos aus den 1930er (oder 20er) Jahren zeigen anstelle des zweiten Teichs ein Planschbecken, ungefähr an derselben Stelle wie heute. Seit den 60er Jahren hat der immer mehr angewachsene Autoverkehr dem Schleidenpark viel an Erlebnis- und Erholungswert genommen.


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