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Schiffergesellschaft Lübeck

Eine Schiffergesellschaft ist ein Zusammenschluss von Seefahrern zum Zwecke des gegenseitigen Schutzes, des Zusammenhaltes und der sozialen Absicherung von Hinterbliebenen. Schiffergesellschaften wurden mit Beginn der seefahrenden Hanse häufig zunächst als Bruderschaften unter dem Patronat eines namensgebenden Heiligen gegründet.

Die vermutlich älteste ist die Danziger Schifferzunft, deren Vorgänger zum ersten Male in einem Dokument vom 4. März (Estomihi) 1386 urkundlich erwähnt wurde und die eine Korporation von Kapitänen, qualifizierten Seeleuten und vermutlich auch Reedern aus Danzig war. 
Es folgte dann 1401 die Schiffergesellschaft in Lübeck, zunächst als St.-Nikolaus-Bruderschaft gegründet, danach in vielen anderen Häfen meist der Hanse.

Schiffergesellschaft Lübeck
Schiffergesellschaft Lübeck

Vielen gemeinsam war die Institution des jährlichen Schaffermahles und die Funktion des Aldermannes als Vorsitzendem.
Sinn und Zweck dieser Vereinigung ist den Worten "Zu Hilfe und Trost der Lebenden und Toten und aller, die ihren ehrlichen Unterhalt in der Schifffahrt suchen." aus der Gründungsurkunde zu entnehmen. Man erwarb 1535 für 940 Lübische Mark ein im 13. Jahrhundert erbautes Haus an der Ecke Breite Straße/Engelsgrube gegenüber von der Lübecker Jakobikirche.
Trotz der Reformation ging die religiöse Bindung der Bruderschaft nicht verloren. Man verwahrte im neu erworbenen Haus Kolossalstatuen des Heiligen Nikolaus und der Anna Selbdritt. Für Alte und Bedürftige stellt man Speisen und Wohnraum zur Verfügung.
Im Laufe der Jahre kamen der Schiffergesellschaft durch die seemännischen Kenntnisse ihrer Brüder Aufgaben wie das Ausstellen von Schiffspässen, Bewachung des Hafens und Beratung des Senats hinzu. So schrieb das hansische Seerecht von 1614 fest, dass Streitigkeiten zwischen Seeleuten der Schiffergesellschaft vorzutragen seien.
Zwar unterlag die Schiffergesellschaft nicht der Zunftverfassung, allerdings mussten aber Lübecker Schiffer Mitglieder der Gesellschaft sein und Statuten bedurften der Genehmigung des Stadtrates.
Als der Zunftzwang 1866 durch ein Gewerbegesetz außer Kraft trat, entschieden sich die Mitglieder der Schiffergesellschaft mehrheitlich dafür, die Organisation als freie Genossenschaft weiterzuführen und die gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten und unterstützen. Jedoch brachte der neue Rechtsstatus schnell hohe Schulden ein, so dass man sich genötigt sah, das historische Gebäude zu verkaufen. Fortan wurde es als Gaststätte betrieben und ist als solche bis heute erhalten. Mit Schiffergesellschaft ist in Lübeck heute das Gebäude der ehemaligen Bruderschaft gemeint. 
Das Haus der Schiffergesellschaft wurde 1535 als Gildehaus gekauft und bis 1538 umgebaut und ist bis heute so erhalten. Es gelang durch die Integration von Nachbargebäuden, 18 Wohnungen für die Gildebrüder zu schaffen.

Das Gebäude der ehemaligen Lübecker Schiffahrtskompanien in der Breiten Straße 2 wurde im Frührenaissancestil gebaut. Diese Phase der Backsteinrenaissance ist von der Backsteingotik für den Laien noch äußerst schwer zu unterscheiden. Vor dem Eingang hat man einen Blick auf den vorgebauten sogenannten Gotteskeller, eine goldene Wetterfahne mit einem Segelschiff als Motiv auf dem Giebel und ein Gemälde mit dem Adler von Lübeck. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude, das wie große Teile der Lübecker Altstadt unter Denkmalschutz steht, unversehrt. Die Innenausstattung wurde zwischen 1972 und 1976 restauriert.
Heute wird das ehemalige Gildehaus als Restaurant und Kneipe betrieben. Hans Leip prägte den Ausspruch "Die klassischste Kneipe der Welt".
Als Bankreihen dienen Gelage, welche mit Backwangen versehen sind, die durch Wappendarstellungen früher die Tische der verschiedenen Schiffahrtskompanien (Bergenfahrer, Schonenfahrer, Revalfahrer u.a.) kennzeichneten, die Älterleute saßen für sich und befassten sich schon recht früh mit sozialen Fragen, was für die Zeit schon außergewöhnlich war. Bei all dem Reichtum besprach man hier, wie den Alten, Ärmeren oder Versehrten am besten mit Speisen und Wohnraum geholfen werden kann.
Von der Decke hängen zahlreiche Modelle alter Segelschiffe herab. An den Wänden hängen neun Gemälde von 1624, welche Stellen aus der Bibel zeigen. In Wandvitrinen werden vielerlei maritime Gegenstände zur Schau gestellt. In der Schiffergesellschaft befindet sich das vermutlich älteste datierte vollständig erhaltene Kajak, das wahrscheinlich von einer dänischen Grönlandexpedition von 1605/6 stammt.
Einige Heiligenstatuen, die wohl aus der Jakobikirche stammen und über Jahrhunderte in der Schiffergesellschaft standen, sind heute im St.-Annen-Museum zu finden. Dazu gehören ein thronender Bischof (St. Nikolaus?) von ca. 1401 und eine Anna Selbdritt von um 1480/90. Auch heute noch in der Schiffergesellschaft befinden sich eine monumentale Statue des Hl. Jakobus vom Ende des 15. Jahrhunderts, eine Heimsuchung Mariens von um 1450/60, eine Gewölbe-Schluss-Scheibe (um 1500) mit einer Darstellung der Mondsichelmadonna und ein Gemälde mit einer Darstellung des Barmherzigen Samariters (wohl 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts).

 

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