Das Museum der Arbeit mit dem Schneidrad der TRUDE

Einen Einblick in die Hamburger Industrie-, Technik- und Sozialgeschichte bekommt man im Museum der Arbeit. Hier geht man den Fragen nach, wie die vor rund 150 Jahren einsetzende Industrialisierung die Arbeit und den Alltag der Menschen bis heute veränderte.



Das ehemalige Fabrikgelände der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie von 1871 veranschaulicht wie kein anderer Standort die Industrialisierung Hamburgs. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fabrikanlagen in wesentlichen Teilen zerstört. In den 1950er Jahren verlegte die NYH ihren Sitz ganz nach Harburg und einige Gebäudeteile wurden abgerissen. Vor der Umnutzung zum Museum verblieb eine Industrieruine mit Teilen der "Alten Fabrik" von 1871, dem Torhaus, der Zinnschmelze, dem Kesselhaus und der "Neuen Fabrik" von 1908.

Besonders erwähnenswert ist das Schneidrad der einst größten Schildvortriebsmaschine der Welt, genannt TRUDE. 

TRUDE - Tief Runter Unter Die Elbe.
Größe: Durchmesser 14,2 Meter
Gewicht 380 Tonnen
Einsatzdauer: Oktober 1997 bis März 2000
Länge des Tunnels 2.560 Meter
Gesamtlänge der 4. Röhre: 4.400 Meter incl. Ein und Ausfahrrampen
Herstellerfirma: Herrenknecht AG mit  Firmensitz in Schwanau-Allmannsweier in der Nähe von Lahr in Baden-Württemberg.
Die zur Zeit größte Tunnelvortriebsmaschine kam übrigens auch von der Herrenknecht AG, nämlich 2015 mit einem Durchmesser von 17,60 Metern für den Autobahntunnel Tuen Mun–Chek Lap Kok in Hong-Kong.

Das Schneidrad der TRUDE steht jetzt als Denkmal auf dem Hof. Es wurde am 1. September 2001 aufgestellt und mit feierlichen Tanzvorführungen eingeweiht.
In rund zwei Jahren fraß sich die Maschine von Waltershof auf der Südseite der Elbe bis ans Nordufer nach Othmarschen unter der Elbe durch, direkt neben den bereits bestehenden drei Röhren des "Neuen Elbtunnels".
Als Spur hinterließ sie die 4. Röhre des Elbtunnels der Autobahn A7, die im Oktober 2002 eröffnet wurde.
Das Schneidrad befand sich an der Spitze der insgesamt 60 Meter langen Maschine. Ein Modell davon ist auch hier zu sehen.

Nach Beendigung der Arbeiten unter der Elbe wurde die Maschine zerlegt, aus dem Schacht geborgen und zum Bau eines Autobahntunnels, des Lefortowoer Tunnels, in Moskau eingesetzt.
Das Schneidrad selbst konnte nicht wieder verwendet werden, weil es speziell für die geologischen Bedingungen unter der Elbe konstruiert wurde.

Dem Museum gelang es durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren, das Objekt vor der Verschrottung zu bewahren. Es wurde in 12 Teile zerlegt und mit Schwerlasttransportern auf den Museumshof verbracht. In einer eigens errichteten Leichtbauhalle wurden die Teile gestrahlt und für die Neuaufstellung vorbereitet.
Das Schneidrad steht hier als Hinweis auf eine bedeutende Ingenieursleistung und einen komplexen, manchmal gefahrvollen Arbeitsprozess, in dem erfolgreich ein neuer ergänzender Verkehrsweg unter der Elbe hindurch geschaffen wurde. Das Rad zeigt die Spuren der Arbeit - den Materialverschleiß und den Abrieb der Meißel.

 

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